Kreis Heinsberg: Von Heroin über Alkohol bis hin zur Spielsucht

Kreis Heinsberg : Von Heroin über Alkohol bis hin zur Spielsucht

Bei der Vorstellung des Jahresberichts der Suchtberatungsarbeit des Kreisgesundheitsamtes berichtete Wolfgang Sommer, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Leiter der Suchtberatungsstellen, mit seinen Teammitgliedern Doris Thoms, Diplom-Sozialarbeiterin und Sozialtherapeutin, und Britta Vujaklija, Diplom-Sozialpädagogin und Sozialtherapeutin, über die Arbeit und neue Inhalte der Einrichtung.

„Rund 1000 Personen nahmen die Beratungsmöglichkeit im Berichtsjahr 2016 in Anspruch“, gab Wolfgang Sommer einen Überblick über die Gesamtzahl der Kontakte. Neben den 170 einmaligen Kontakten seien 827 Personen intensiv betreut worden; 261 Frauen und 566 Männer.

Britta Vujaklija, Wolfgang Sommer und Doris Thoms (v. l. n. r.) vom Fachbereich Suchtberatung des Kreis­gesundheitsamtes haben den neuen Jahresbericht der Suchtberatungsstellen vorgestellt. Foto: Bindels

Die Zahl der Menschen, die Suchtprobleme mit sogenannten illegalen Drogen wie Opioide (Heroin), Cannabinoide (Haschisch und Marihuana), Kokain oder Amphetamine und Ecstasy hatten, lag mit insgesamt 434 Personen höher als die der Menschen mit Problemen mit Alkohol, Tabak oder Tablettensucht. 270 Personen mit dieser Suchtproblematik wurden beraten und betreut. Außerdem seien 13 Menschen mit Essstörungen und 41 Personen mit Spielsucht betreut worden. Die restlichen Zahlen entfallen auf Betreute ohne Hauptdiagnosen.

Bei insgesamt 355 Personen wurde die Betreuung im Berichtsjahr noch nicht abgeschlossen, verwies Sommer auf die Notwendigkeit der Langzeitbetreuung als einen Aspekt der Suchtberatungs- und Behandlungsarbeit.

Während beim Blick auf die Beratenen Alkoholsucht in den Altersgruppen der 30- bis 59-Jährigen stark vertreten sei, verschiebe sich die Suchtproblematik aufgrund von Haschisch und Marihuana in die jüngeren Jahrgänge und sei von unter 15 Jahren bis zu 39 Jahren die Hauptdiagnose für Sucht.

Schweigepflicht

Die Beratungsarbeit des Kreisgesundheitsamtes finde in dessen Beratungsstellen in Heinsberg, Erkelenz und Geilenkirchen statt. Mit der Beratungsstelle des Caritasverbandes und des Diakonischen Werkes erfolge die Versorgung in Hückelhoven. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden der Schweigepflicht unterliegen, betonte das Team.

Neben der Beratung — ob als Einzel-, Paar- oder Familienberatung — wird die Vermittlung und Vorbereitung für eine Entgiftungsbehandlung angeboten sowie die Vermittlung in stationäre und ambulante Entwöhnungen begleitet. Das Gesundheitsamt biete ebenso Einzel- oder Gruppentherapie an sowie die ambulante medizinische Rehabilitation Sucht (ARS).

Diese umfasse ein ambulantes therapeutisches Angebot anstelle oder im Anschluss an eine stationäre Entwöhnungsbehandlung, erläuterten Doris Thoms und Britta Vujaklija diesen Baustein der Fachbereichsleistung.

Neben vereinbarten Sprechzeiten nach Absprache sei in offenen Sprechstunden ebenfalls ein niedrigschwelliger Einstieg und Erstkontakt möglich, erklärte das Team vom Gesundheitsamt.

Suchtvorbeugung

Ein weiterer Arbeitsbereich sei die Suchtvorbeugungsarbeit des Gesundheitsamtes. Im Berichtsjahr 2016 erfolgten 103 Präventionsmaßnahmen, mit denen 1975 Personen erreicht worden seien. Davon 657 Multiplikatoren, die das erworbene Wissen in weiteren Institutionen und Einrichtungen vermitteln würden.

Mit einem Bewegungsangebot der Beratungsstelle Heinsberg in Kooperation mit dem Kreissportbund konnte eine Walkinggruppe unter Leitung von Doris Thoms eingerichtet werden. Einmal wöchentlich traf sich diese Gruppe ein Jahr lang jeweils donnerstagnachmittags am Lago Laprello zum Walken.

Auch für die kommenden zwölf Monate sei dieses Angebot, das von einem Übungsleiter zusätzlich begleitet wird, gesichert. Eine Anmeldung ist über Doris Thoms vom Gesundheitsamt des Kreises Heinsberg möglich.

(jwb)