Langbroich: Von „Bollfotte”, „Tuppese” und Klömkes Hein

Langbroich : Von „Bollfotte”, „Tuppese” und Klömkes Hein

Würde man Willi Jütten nicht eindeutig anders kennen, so könnte man meinen, er habe jetzt sein „Coming out” erlebt.

Und dafür war nicht nur das rosafarbene Hemd ein vermeintliches Indiz. Man fand es richtig schade, dass er am Ende - freiwillig - in den Armen einer Frau landete. ´

Eingebettet war das Ganze in die Premiere von „Mie-e Täntjes wie nüe-dech” des „Langbröker Selfkanttheaters”. Wie der Titel schon verrät und wie Insider schon seit vielen Jahren wissen, ist die Mundart der große Trumpf dieser Gruppe.

Da kommen „Tuppese” vor, die drei Tanten, um die es geht, sind „Bollfotte”, nach London kommt man mit der „Fleechmaschiän” und eine Erbschaft von zwei Millionen englischen Pfund sind in Langbroich eine Million Kilo. Womit wir mitten im Stück wären.

Junggeselle Klömkes Hein (Markus Derichs) hat mit Willi „Krieg-ich-noch-einen-Schluck” Bengele (Leo Schroten) und Sause Dieter (Willi Jütten) zwei Untermieter.

Das sieht das Bollfotte-Vermieter-Trio Schniedere Änn, Minche und Zöff (Maria Horrichs, Marianne Heutz, Elisabeth Palmen) nun gar nicht gerne.

Während zwei von ihnen permanente Mieterhöhungen als Druckmittel einsetzen, verspricht Zöff dem attraktiven Junggesellen ein mietfreies Leben für eine einziges Ja!

Das kommt für Klömkes Hein aber gar nicht Frage, denn schließlich hat er sich - vorerst platonisch - im Herzen von Lissi Specht (Claudia Bönnen) eingemietet. Papa Specht (Leo Horrichs) ist dafür erst einmal gar nicht zu haben.

Er installiert den Anstandswauwau Nelly (Christel Schlebusch). Dass Papa Specht in jungen Jahren außerehelich etwas „installiert” hat, verschweigt er so lange, bis es in Form von Samantha - das spricht sich in Langbröker Platt wie Zement mit einem kurzen, harten „A” am Ende - (Anja Barion) als Teil einer Erbschaft die Bühne im Langbroicher Dorfzentrum betritt.

Nun geht es dort langsam zu, wie bei „Barbara Salesch” oder bei „Arabella”. Dass Briefträger Poste Häns (Karl-Heinz Gossen) die postalischen Auslieferungsvorschriften weit umschifft, trägt erst einmal nicht zur Klarstellung des Tohuwabohus rund um St. Marien bei.

Während Minchen aus dem Schniedere-Clan ihrer Puppe immer mehr den Hals umdreht und Zöff ihre Liebe zu Hein in einer Wahrsagerkugel verschwinden sieht, entwickelt Major Änn an ihr nicht vermutete Fähigkeiten, die mit Männern und Alkohol zu tun haben. Alles was jetzt passiert, muss man selbst gesehen haben.

Das Stück an sich ist klassische Boulevard-Komödie. In Langbroich macht man daraus Kult, indem man den Figuren weg vom Drehbuch jede Menge Lokalkolorit gibt und die Texte in „Platt” übersetzt.

Denn die Mundart, die auch die unverschämteste Gemeinheit (und davon gibt es unendliche viele) in einen schönen Satz zu kleiden weiß, macht den Großteil des Erfolges aus.

Dass am Langbröker Selfkanttheater ein Ensemble zusammengewachsen ist, das großartig miteinander harmoniert, setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf.

Gute Nachricht für die Theatergruppe, aber schlechte für alle, die keine Eintrittskarte haben: Alle Vorstellungen, auch die im März in Heinsberg sind restlos ausverkauft.