Aachen: Vom glitzernden Casino zur Grabeskirche

Aachen : Vom glitzernden Casino zur Grabeskirche

Lediglich das blaue Schild mit der Aufschrift „Poker“ erinnert noch an die vergangenen Tage, an denen im Neuen Kurhaus an der Monheimsallee Spielchips gesetzt, Baccara und Roulette gespielt wurden. Aktuell gleichen die ehemaligen Hallen der Aachener Spielbank eher einer großen Baustelle.

Wilfried Sterck vom Gebäudemanagement der Stadt Aachen führte anlässlich des Tags des offenen Denkmals unter dem Motto „Macht und Pracht“ große Gruppen von Besuchern durch die Hallen und erklärte das Vorgehen.

Spektakuläre Umnutzungen: Die Kirche St. Josef (oben) wurde am Adalbertsteinweg in eine wundervolle Grabeskirche verwandelt. Die Revitalisierung des Neuen Kurhauses (links) dauert bis 2020, Wilfried Sterck (städtisches Gebäudemanagement) erläuterte das Vorgehen.
Spektakuläre Umnutzungen: Die Kirche St. Josef (oben) wurde am Adalbertsteinweg in eine wundervolle Grabeskirche verwandelt. Die Revitalisierung des Neuen Kurhauses (links) dauert bis 2020, Wilfried Sterck (städtisches Gebäudemanagement) erläuterte das Vorgehen. Foto: Andreas Steindl

Zwischen 1914 und 1916 wurde das Neue Kurhaus auf dem Gelände des ehemaligen Maria-Hilf-Spitals im neoklassizistischen Stil erbaut. Allerdings diente es nur bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs als Kurhaus. Nach dem Wiederaufbau wurden die Räume als Veranstaltungsfläche genutzt und von 1976 bis 2015 nutzte das Spielcasino das Haus. „Im Rahmen der Bauarbeiten versuchen wir, die Elemente, die da sind, zu erhalten. Deshalb sprechen wir auch von einer Revitalisierung eines Baudenkmals — und von keiner Sanierung“, erzählte Sterck.

Aufwendiger Umbau: Architekt Alfred Morauke erläuterte, wie er ein Loft in historischen Gemäuern im Dachstuhl realisierte.
Aufwendiger Umbau: Architekt Alfred Morauke erläuterte, wie er ein Loft in historischen Gemäuern im Dachstuhl realisierte.

Freigelegte Kassettendecken und Fenster gaben einen Einblick in den bauhistorischen Charme vergangener Epochen. Vor allem die Wandmalereien von Professor Carl Ederer wurden lange begutachtet. In dem Zusammenhang berichtete Sterck von einer besonderen Anekdote. „Wir haben sogar einen echten Zufallsfund gemacht. Auf einer alten Holztür kamen Pinselstriche von Ederer zum Vorschein. Damit haben wir gar nicht gerechnet.“

Ebenfalls interessant waren die Kunstwerke, die in dem ohnehin geschichtsträchtigen Gebäude an den Wänden hingen. So wurde 2014 das Bild „Triple Elvis“ von Andy Warhol für satte 58 Millionen Euro auf einer Versteigerung verkauft. „Hier wurde es an nur einem Nagel hängend an der Wand befestigt“, betonte Sterck lachend.

Manch einer erinnerte sich beim Anblick des alten Konzertsaals an närrische Tage. „Ich entsinne mich noch, als hier vor vielen Jahren die Veranstaltung ,Wider den tierischen Ernst‘ stattfand“, sagte eine Besucherin. Bis zu 1000 Leute fanden in dem Raum, der im Stil der 70er Jahre gestaltet wurde, Platz. Bis Mitte 2020 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein und dann vier verschiedene Nutzungsmöglichkeiten beinhalten. Die Aachener Spielbank, ein Ausstellungsraum, ein Gastronomiebetrieb sowie eine große Terrasse sollen dann das revitalisierte Gebäude beleben.

Neben dem neuen Kurhaus öffneten insgesamt 37 Häuser und Einrichtungen ihre Türen. Der Tag des offenen Denkmals gehört zu den „European Days of Heritage“ und findet jedes Jahr im September in ganz Europa statt. Das Fürstenbad in Burtscheid, die Säulenreihe am Aachener Hof oder auch die Grabeskirche St. Josef luden Interessierte ein, sich ein Bild der denkmalgeschützten Bestände in der Kaiserstadt zu machen.

Ehrenamtler Leo Mertens beantwortete in der Grabeskirche die vielen Fragen der Gäste. „Diese Kirche ist eine ab 1893 erbaute neugotische Hallenkirche. Nach erheblicher Zerstörung im Zweiten Weltkrieg erfolgte ein Wiederaufbau mit Reduzierung der Ausstattung. Die Westfassade krönt der achteckige Turm mit spitzen Giebeln und unauffälligem Dach. Die Fenster des Glasmalers Professor Ludwig Schaffrath unterstützen die Helle und Weite des Baus“, sagte Mertens.

2006 erfolgte die Umgestaltung zur Grabeskirche in der die Architektur die christliche Auferstehungsbotschaft widerspiegelt. Schaffrath selbst lebte von 1924 bis 2011 und fand in der Grabeskirche seine letzte Ruhestätte. Vergangenes Jahr erhielt die Kirche neue Fenster, die nach den Entwürfen von Ludwig angefertigt und in einer Glasfabrik in Linnich realisiert wurden.

Dass historische Denkmäler durchaus mit der Moderne verknüpft werden können, machte eine Wohnung in der Oppenhoff-allee deutlich. Architekt Alfred Morauke hat ein Jahr lang in den alten Gemäuern gearbeitet und ein Wohn-Loft erschaffen. „Hinter der historischen Ziegel- und Stuckfassade verbirgt sich ein original erhaltenes, historisches Treppenhaus und ein bisher nahezu ungenutztes Dachgeschoss mit Spitzboden. Wir haben eine Kernsanierung und Erneuerung des Dachs durchgeführt sowie die Konstruktion einer Terrassenfläche auf dem alten Treppenhausdach“, erläuterte Morauke.

Angesichts der vielen Angebote und Besichtigungen machte der Tag des offenen Denkmals die Vielfalt denkmalgeschützter (Pracht)-Bauten sichtbar und erlebbar. „Dass Aachen eine historische Stadt ist, wussten wir zwar, aber dass es noch so viel zu entdecken gibt, hat uns überrascht und war wirklich toll“, resümierte Besucherin Annette Wichert. Und freute sich schon aufs nächste Mal.