Städteregion: Volkshochschulen der Städteregion arbeiten erstmals zusammen

Städteregion : Volkshochschulen der Städteregion arbeiten erstmals zusammen

Es wächst zusammen, was zusammengehört: Zum ersten Mal haben die fünf Volkshochschulen (VHS) der Städteregion gemeinsam ihre Programme für das zweite Semester 2017 vorgestellt.

Zuvor habe unter den Bildungsinstitutionen beinahe so etwas wie ein Konkurrenzverhältnis geherrscht, doch nun sei ein „Generationenwechsel“ im Gang, sagt Beate Blüggel, Direktorin der VHS Aachen. Profitieren sollen am Ende vor allem die Bürger davon.

Natürlich gibt es trotzdem noch Unterschiede, die sich in erster Linie durch das Programm ergeben, welches jede Volkshochschule für sich aufstellt. Die VHS Nordkreis etwa wird sich im kommenden Halbjahr verstärkt mit dem Zerfall demokratischer Strukturen befassen, kündigt Direktorin Jana Blaney an. „Wir gehen der Frage nach, warum die Weimarer Republik so katastrophal gescheitert ist, und werden das vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen diskutieren“, sagt sie. Mit einer Lesung im Gymnasium Baesweiler wird am 29. September ab 19 Uhr der Journalist Niklas Frank den Anfang machen. Er ist der Sohn von Hans Frank, dem ehemaligen Generalgouverneur des besetzten Polens unter Hitler, der als „Schlächter von Polen“ bekannt wurde.

Die VHS Südkreis wird sich indes mit einem Schwerpunkt dem Thema Wissenschaft widmen. Unter anderem mit Professoren der RWTH werden etwa die Funktionen des Gehirns oder die Bedeutung der Eifel als lichtarme Region erläutert.

Und bei der VHS Stolberg liegt der Fokus auf der Eingliederung in die Gesellschaft: „Mit unseren Deutsch- und Integrationskursen knüpfen wir direkt an den Angeboten im interkulturellen Bereich an und führen diese fort“, erklärt Direktorin Elfriede Lechthaler. Im Selbstlernzentrum könnten Fremdsprachler zudem mittels „Blended Learning“ an PC-Arbeitsplätzen auch eigenständig die Deutschkenntnisse bis auf ein mittleres Sprachniveau bringen.

In Eschweiler wird es in den kommenden sechs Monaten wiederum verstärkt um die Digitalisierung gehen. „Bisher war die EDV eher ein Bereich für Leute, die in Technikberufen arbeiten. Heute hat sie aber fast alle Lebensbereiche erfasst. Wir wollen daher auch die problematischen Seiten thematisieren“, betont der stellvertretende Direktor der VHS Eschweiler, Andreas Balsliemke. So werde es beispielsweise Diskussionen und Vorträge zu Hass im Internet oder zum Einfluss der Digitalisierung auf die Politik geben.

Insgesamt wird es im neuen Semester in der ganzen Städteregion 2393 VHS-Veranstaltungen mit fast 55.000 Unterrichtsstunden geben. Dabei sollen die Schwerpunkte nur als Andeutungen für die thematische Vielfalt verstanden werden: Die viel nachgefragten Sprachkurse und Veranstaltungen zu Zeitgeschichte, Politik und gesellschaftlichen Belangen gibt es in allen VHS gleichermaßen. 2016 wurden mit diesen Programmen mehr als 45.000 Menschen erreicht, es gab 557 Deutschtests und 863 Einbürgerungstests. Die detaillierten Kursangebote liegen in den jeweiligen VHS-Stellen aus und sind auch im Internet zu finden.

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