Heinsberg: Volksbank schließt sechs Filialen: Zentrale übernimmt Beratung

Heinsberg : Volksbank schließt sechs Filialen: Zentrale übernimmt Beratung

Ein Teil der rund 56.000 Kunden der Volksbank Heinsberg wird sich in Zukunft umstellen müssen. Laut Aussage von Vorstand Klaus-Dieter Kroll wird es aber nur ein verschwindend kleiner sein. Digitalisierung und demografischer Wandel nennt er als Gründe dafür, dass die Volksbank zum 1. April 2018 sechs ihrer bislang 22 Standorte in ihrem Verbreitungsgebiet schließen wird.

Betroffen davon sind Süsterseel, Waldenrath, Palenberg, Braunsrath, Breberen und Uetterath. Dabei handelt es sich ausschließlich um angemietete Räumlichkeiten, die sich nicht im Eigentum der Bank befinden.

Zwei weitere Geschäftsstellen, in Leiffarth und in Scherpenseel, erfahren eine grundlegende Veränderung. Personal vor Ort wird es allerdings auch hier nicht mehr geben. Der Scherpenseeler Standort wird zur Selbstbedienungsfiliale und Leiffarth für ein Pilotprojekt genutzt.

Per Video-Schalte können Kunden hier direkt Kontakt mit einem Mitarbeiter der Bank aufnehmen, der in der Zentrale an der Heinsberger Siemensstraße sitzt. Wichtig für die Belegschaft: zu betriebsbedingten Kündigungen soll es laut Bankvorstand nicht kommen.

Den Kopf zerbrochen

„Wir bauen unsere Vertriebswege aus, dort, wo sie benötigt werden“, sagt Kroll. „Wir wollen Leistung dort anbieten, wo die Kunden sie nachfragen.“ Unter dem Projektnamen „Vertriebswege der Zukunft“ hätten sich etwa zwölf Mitarbeiter seit Ende letzten Jahres den Kopf darüber zerbrochen, wie diese am sinnvollsten zu gestalten seien.

Etliche Sitzungen, Erhebungen und Frequenzmessungen später habe sich das herauskristallisiert, was nun umgesetzt werden soll. „Der Besuch der Bankfiliale vor Ort ist für Service-Leistungen deutlich rückläufig“, beschreibt der Banker eine Erkenntnis der Projekt-Gruppe. „Es werden immer weniger Kunden, die nur für den Service in die Bank kommen.“

Viele suchten aus diesem Grund nur noch durchschnittlich einmal im Jahr die Filiale auf. Zuletzt, so erklärte Klaus-Dieter Kroll, hätten die bald geschlossenen Filialen nur noch eine Nutzerfrequenz pro Tag gehabt, die sich im einstelligen Bereich befunden habe. Eindeutig davon zu unterscheiden sei allerdings der Bereich der Beratung.

Aus diesem Grund nimmt die Bank ab dem 15. Februar nächsten Jahres im Heinsberger Regionalzentrum ein völlig neues Service- und Beratungszentrum in Betrieb, in dem die rund 15 Mitarbeiter, die hier eingesetzt werden, telefonisch, per Mail und per Chat von montags bis freitags zwischen 8 und 18 Uhr für die Abwicklung von Kundenwünschen bereitstehen sollen. Eine Investition allein in Baumaßnahmen und Technik von 350.000 Euro.

Die Sorge gerade älterer Menschen, nicht mehr schnell bei Bedarf an ihr Bargeld zu kommen, versucht Kroll zu zerstreuen. „Sollte ein Mitglied oder Kunde nicht in der Lage sein, einen der 22 Standorte unserer Geldautomaten aufzusuchen, so kann er unseren Bargeld-Bringservice nutzen. Ein Anruf genügt und das Geld wird bis an die Haustür gebracht.“

Allerdings sei nur die Lieferung von Beträgen zwischen 100 und 1000 Euro möglich. Als Gebühr für den Service fallen jeweils 2,50 Euro an.

Besonders spannend dürfte die 70.000 Euro teure Umrüstung der Geschäftsstelle in Leiffarth werden. „Wir haben uns gefragt, wie passt das zusammen, digital und dennoch persönlich?“, sagt Dirk Cormann. Der Kontakt per Video zu einem Mitarbeiter im neuen Service- und Beratungscenter ist dabei herausgekommen.

Seine Aufgabe wird die Hilfestellung bei der Service-Abwicklung sein, zum Beispiel beim Tätigen von Überweisungen oder Daueraufträgen. Ob die Kunden dies annehmen, soll in Leiffarth getestet werden, erläuterte Dirk Cormann. Zusammengefasst: „Was wir hier machen, ist keine Ersparnis, sondern eine Investition in die Zukunft.“

Ein offenbar gängiger Trend. Denn Ende 2015 hatte auch die Kreissparkasse Heinsberg verkündet, zum April des Folgejahres weitere elf ihrer damals 52 Standorte zu SB-Filialen umzurüsten.

(her)