Hambach/Kreis Düren: VIV verweist auf schwierige Rahmenbedingungen

Hambach/Kreis Düren : VIV verweist auf schwierige Rahmenbedingungen

„Wir beginnen das Jahr unter wirtschaftlich guten, aber politisch sehr schwierigen Rahmenbedingungen“, betonte Dr. Stephan Kufferath, Vorsitzender der Vereinigten Industrieverbände (VIV), vor den Gästen der VIV-Jahresanfangsveranstaltung auf Burg Obbendorf in Hambach.

Und dabei warf Kufferath nicht nur den Blick auf den „Brexit“, den anstehenden EU-Austritt Großbritanniens, und die mit dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Donald Trump verbundenen Unwägbarkeiten. „Man hat uns einiges zugemutet in den vergangenen zehn Jahren.

Als Gastredner begrüßte Dr. Stefan Kufferath bei der VIV-Jahresanfangsveranstaltung den FDP-Vorsitzenden Christian Lindner.
Als Gastredner begrüßte Dr. Stefan Kufferath bei der VIV-Jahresanfangsveranstaltung den FDP-Vorsitzenden Christian Lindner. Foto: Abels

Energie- und Sozialpolitik waren alles andere als unternehmerfreundlich“, betonte der VIV-Vorsitzende. Er unterstrich, dass die deutsche Industrie nicht unverwundbar sei, auch wenn sie derzeit vom schwachen Euro und niedrigen Ölpreis begünstigt werde. Das unterstrich auch der FDP-Bundesvorsitzende und Fraktionsvorsitzende im NRW-Landtag, Christian Lindner, in seiner zum Teil von anstehenden Wahlkampf geprägten Rede zum Thema „Warum Deutschland ein Update braucht“. „Die größte Gefahr für unsere Wirtschaft ist nicht der Sozialismus, sondern der Bürokratismus“, erklärte Lindner, der sich in guter liberaler Tradition gegen staatliche Regulierungswut aussprach. Die Eigenverantwortung der Unternehmer habe eine Chance verdient, erklärte der liberale Hoffnungsträger im Superwahljahr.

Um die demografische Lücke bei den Fachkräften zu schließen, forderte Kufferath eine gesteuerte Zuwanderung in Arbeit. „Ich fürchte jedoch, dass dieses Ziel mit der ungesteuerten Zuwanderung in der Bevölkerung beschädigt ist.“ Mit Blick auf die sprachlichen und fachlichen Defizite machte Kufferath deutlich, dass die Flüchtlinge aus 2015 die Fachkräftelücke nicht schließen werden. „Vielmehr wird es ungeheure Anstrengungen bedürfen, diese Menschen in Arbeitsmarkt und Gesellschaft zu integrieren.“

Umso wichtiger sei es, keinen Jugendlichen zurückzulassen. Es könne nicht sein, dass alle 22 Monate in Deutschland eine Stadt von der Größe Dürens entstehe, allein aus jungen Menschen, die keinen Schulabschluss haben, betonte Lindner. Es gelte, das zweifellos auch bei diesen Jugendlichen vorhandene Talent zu fördern und die Bildungsarmut zu bekämpfen. Ansonsten heiße die Perspektive Hartz IV. Lindner forderte mehr Geld für die Ausstattung der Schulen, auch vom Bund. Und er nahm die Bundesregierung in die Pflicht, neben der Exzellenzinitiative des Bundes für die Hochschulen auch eine für die berufliche Ausbildung zu starten. „Unser Land braucht Akademiker wie Facharbeiter. Beides ist unerlässlich.“

In der Diskussion um das Abitur nach acht oder neun Jahren (G8/G9) — die FDP will das den Gymnasien überlassen -, forderte Kufferath die Politik auf, auf ideologische Grabenkämpfe zu verzichten. Die Wirtschaft plädiere für eine Beibehaltung von G8, flankiert mit mehr Ganztagsbetreuung an Gymnasien und einer Konzentration auf die Lerninhalte.

(ja)