Kreis Heinsberg: Vierstellige Verluste pro Tag durch fehlende Erntehelfer

Kreis Heinsberg : Vierstellige Verluste pro Tag durch fehlende Erntehelfer

„Wenn das Geld im Feld kaputtgeht, ist das schon ärgerlich.” Diese Sichtweise von Bernhard Conzen, dem Vorsitzenden der Kreisbauernschaft, teilen derzeit im Kreis Heinsberg wohl so einige Landwirte.

Besonders jene, die auf den Einsatz von fremden Arbeitskräften für die Ernte angewiesen sind, aber nicht genügend finden. „Die polnischen Arbeitskräfte, die zuverlässig waren, wandern meist nach England ab, weil dort der Verdienst höher ist”, erklärt Conzen. Das gelte ebenso für Frankreich.

In diesen Ländern seien schließlich auch die Preise für Lebensmittel im Vergleich zu Deutschland höher. Unterm Strich bedeute das Fehlen der Arbeitskräfte, so habe er schon von einigen Kollegen gehört, meint Conzen, nicht selten ein Minus von 3000 bis 4000 Euro am Tag, weil Erdbeeren oder Spargel einfach im Boden verrotteten.

„Dieses Thema haben wir schon mit der Arge diskutiert. Das Dilemma fing eigentlich mit der 10-Prozent-Regelung an.” Wenn ein Landwirt beispielsweise 100 Erntehelfer benötige, müssten darunter zehn deutsche Hartz-IV-Empfänger sein. „Doch die Deutschen machen sich schon nach ein paar Tagen buchstäblich vom Acker. Es ist schwierig, für diese Handarbeit jemanden zu finden, der sie machen möchte.”

Nicht zuverlässig

Um die ausbleibenden Polen zu ersetzen, werde mittlerweile in den Balkanländern um Erntehelfer geworben. „Aber oftmals lässt hier die Zuverlässigkeit zu wünschen übrig”, beklagt Conzen. Zum Glück gebe es Agenturen wie zum Beispiel in Niedersachsen, die bei plötzlich auftauchenden Engpässen durch die kurzfristige Vermittlung von Arbeitskräften schon so manchem Landwirten aus der Patsche geholfen hätten.

Das Arbeitskräfteproblem bestätigt auch Josef Hensgens aus Selfkant-Havert. „Wir hatten uns im letzten Jahr verpflichtet, sogar 15 Prozent Deutsche einzustellen, sind damit aber auf die Nase gefallen.” In diesem Jahr sollten acht Deutsche zum Ernteeinsatz antreten. Letztlich seien nur sechs erschienen, von denen jetzt nur noch zwei übrig seien. „Wir sind zudem bei der Erdbeerernte ins Hintertreffen geraten, weil von 70 Polen und Rumänen 15 nicht gekommen sind”, erklärt Hensgens.

Aus dem Stegreif könne er seine täglichen Verluste zwar nicht beziffern, „aber was in zwei bis drei Tagen nicht gepflückt wurde, ist verloren”. Zum Glück gebe es bei den Erdbeeren ja insgesamt fünf Erntephasen zwischen Mai und Anfang Oktober. Sollte das Wetter mitspielen, könnten die Verluste in den verbleibenden Monaten eventuell noch egalisiert werden, hofft Hensgens.