Heinsberg: Vier von zehn Säuglingen sind Raucherbabys

Heinsberg : Vier von zehn Säuglingen sind Raucherbabys

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, schlug in diesen Tagen Alarm: in Deutschland kämen jährlich rund 10.000 Babys mit Alkoholschäden zur Welt. Etwa 4000 davon mit dem „Vollbild des Fetalen Alkoholsyndroms”. Diese Kinder seien ein Leben lang körperlich und geistig schwer behindert.

„Man weiß, dass schon kleinste Mengen - regelmäßig eingenommen - in der Frühschwangerschaft bis zum dritten Monat, in der die Organe angelegt werden, zu schwersten Entwicklungsschäden führen können”, bestätigt auch Mathias Dietzsch, Oberarzt im Bereich Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Heinsberger Krankenhauses.

Alkoholbedingte Embryopathie sei der Oberbegriff für ein Erkrankungsbild, das in unterschiedlichen Schweregraden ausgebildet sein könne. „Von leichten Intelligenzdefekten, die kaum merklich sind, bis zu einer lebenslangen Pflegebedürftigkeit.”

An einen konkreten Fall eines betroffenen Babys kann er sich in Heinsberg allerdings nicht erinnern. Das Problem, so räumt der Oberarzt ein, liege darin, dass manche Entwicklungsstörungen während des nur kurz bemessenen Klinikaufenthalts der Säuglinge nach der Geburt nicht diagnostiziert würden und erst später zutage träten. Als Beispiel nennt er eine verlangsamte oder unzureichende Entwicklung der Beweglichkeit oder der geistigen Fähigkeiten. Auch eine Leberfibrose gehöre dazu.

Eine wesentlich häufigere Gefährdung des ungeborenen Lebens sieht Dietzsch jedoch auf einem anderen Gebiet. Im Vergleich zu den durch Alkohol geschädigten Kindern liege die Zahl der sogenannten Raucherbabys weit höher. Mittlerweile seien etwa vier von zehn Neugeborenen im Heinsberger Krankenhaus betroffen. „Typische Raucherbabys sind kleiner, blass, schrill schreiend und unruhig.” Erst nach etwa drei Tagen, so lässt sich Dietzsch auch von den beiden Krankenschwestern auf der Station bestätigen, trete meist eine Beruhigung ein.

Zigarettenkonsum schränkt die Blutversorgung der Plazenta ein. Dadurch wird der Fötus schlechter mit Nährstoffen versorgt. Wenn die Kinder älter werden, ist es dann leider genau umgekehrt. Erhebungen bei etwa 10.000 Schulkindern zeigten, dass sich das Risiko für starkes Übergewicht im Grundschulalter fast verdoppelt, wenn die Mutter während der Schwangerschaft geraucht hat. Außerdem haben Kinder von Raucherinnen ein bis zu fünf Mal höheres Risiko, an Diabetes zu erkranken. Das brachte eine schwedische Studie zutage, die seit 1958 Daten von 17.000 Müttern auswertete.

Eindeutig erwiesen, so Dietzsch, sei zudem, dass sich abhängig von der Zahl der gerauchten Zigaretten das Risiko für den plötzlichen Kindstod erhöhe. Statistiken belegen, dass dies bis um das Achtfache steige.