Städteregion: Viele Unternehmen setzen jetzt auch auf „training on the job“

Städteregion : Viele Unternehmen setzen jetzt auch auf „training on the job“

Die Zahl der langzeitarbeitslosen Menschen, die in der Städteregion auf Hartz IV-Leistungen angewiesen sind, ist „auf einem historischen Tiefstand angekommen“, freut sich Jobcenter-Geschäftsführer Stefan Graaf.

Waren in den Jahren 2004/2005, als im Zuge der Agenda 2010 die Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammengefasst und die sogenannten Hartz-Reformen umgesetzt wurden, mehr als 17.000 Frauen und Männer ein Jahr und länger arbeitslos und auf Grundsicherungsleistungen angewiesen, sind es aktuell rund 8180. „Sehr lange sind wir bei etwa 10.000 stehengeblieben“, sagt Graaf. „Und seit dem letzten Jahr verzeichnen wir einen Rückgang um gut 14 Prozent. Das hat es noch nie gegeben.“

Endlich spüren auch Langzeitarbeitslose den wirtschaftlichen Aufschwung, meint Graaf, der aber auch darauf verweist, dass das Jobcenter seit vielen Jahren daran arbeitet, sogenannte Förder-Ketten für Menschen aufzubauen, die es schwer haben, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Ob alle auch dauerhaft von ihrem Lohn leben können, vermag Graaf nicht zu sagen. Das hänge auch von den persönlichen Lebensumständen ab, sagt er.

Ein Alleinstehender könne sicher mit mehreren hundert Euro auskommen, eine Familie sicherlich nicht. Deshalb blieben viele Menschen trotz Job auf Hartz IV-Leistungen angewiesen. Rund 10.000 waren es im vergangenen Jahr, mehr als die Hälfte von ihnen hatte jedoch nur einen Mini-Job, aber 1100 auch eine Einkommen von mehr als 1200 Euro im Monat.

Rund 9000 Menschen konnten im vergangenen Jahr in Beschäftigung integriert werden, berichtet Graaf. Nicht alle waren langzeitarbeitslos, denn das Jobcenter betreut auch mehrere tausend Arbeitslose, die noch kein Jahr ohne Job sind. Aber, stellt der Geschäftsführer fest: „Es gelingt inzwischen auch, Menschen im ersten Arbeitsmarkt unterzubringen, die noch vor zwei, drei Jahren keine Chance gehabt hätten.“ Immer mehr Betriebe „steuern ein wenig um“, sagt Graaf. „Immer mehr Betriebe machen ‚training on the job‘, warten nicht darauf, den fertig qualifizierten Mitarbeiter zu finden.“

Hoffnung auf neues Programm

Dass dies nicht für jeden der richtige Weg ist, ist angesichts der unterschiedlichen persönlichen Voraussetzungen und Lebensgeschichten verständlich. „Wir haben Menschen, die nur kurz arbeitslos sind, wir haben aber auch viele, die sechs, sieben oder acht Jahre ohne Arbeit sind.“ Diese Menschen brauchen eine längerfristige Begleitung, wird Graaf nicht müde Jahr für Jahr zu betonen. Er setzt darauf, dass das Teilhabe-Chancen-Gesetz, das derzeit auf Bundesebene in der politischen Beratung ist, dem in ausreichendem Maße Rechnung tragen wird. Vor allem hofft er, dass die Gelder aus diesem Programm nicht in das normale Budget der Jobcenter hineingerechnet werden, sondern tatsächlich zusätzlich sind.

„Wir brauchen ein solches Programm, wenn wir die Verkrustung bei der Langzeitarbeitslosigkeit aufbrechen wollen“, betont auch Ulrich Käser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Aachen-Düren. „Wir haben hier kein Erkenntnisproblem. Man muss weg von der politisch-ideologischen Argumentation. Was ist denn die Alternative zu langfristiger Begleitung? Die Menschen dauerhaft in Arbeitslosigkeit zu lassen?“

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