Städteregion: Viele kleine Aktionen zum Thema Armut

Städteregion : Viele kleine Aktionen zum Thema Armut

Sie sind Schwestern, hatten sich in den vergangenen Jahren aber ein wenig aus den Augen verloren: die SPD und die Arbeiterwohlfahrt im früheren Kreis Aachen.

Das soll wieder anders werden, schließlich „haben wir beide unsere Wurzeln in der Arbeiterbewegung, die AWO war sogar mal eine Arbeitsgemeinschaft in der SPD“, sagt Hans-Peter Göbbels, Kreisvorsitzender des längst selbstständigen, aber immer noch der SPD nahestehenden Wohlfahrtsverbandes. Jetzt starten die beiden Organisationen eine gemeinsame Kampagne zum Thema „Armut in der Städteregion“.

Gespräche mit Betroffenen

Die Kampagne soll bis zum kommenden Frühjahr laufen und in einen Forderungskatalog für die 2017 anstehenden Landtags- und Bundestagswahlen münden, sagt Martin Peters, SPD-Chef im Unterbezirk Aachen-Land.

„Unser Ziel ist nicht die große Leuchtturmaktion, wir wollen viele kleine Aktionen vor Ort initiieren.“ Sowohl die SPD- als auch die AWO-Ortsvereine zwischen Baesweiler und Monschau sollen bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Bekämpfung von Armut zum Thema machen. Ob bei Sommer- und Grillfesten, bei Ferienaktionen, zum Schulstart oder in der Adventszeit: Überall wollen die beiden Organisationen mit Infoständen präsent sein und das Gespräch mit von Armut betroffenen Menschen oder solchen, die Angst haben, in Armut abzurutschen, suchen. Bei jeder Veranstaltung sollen die Besucher aufgefordert werden, auf einer Postkarte ihre Vorschläge zur Armutsbekämpfung aufzuschreiben.

Dabei erhoffen sich vor allem die Sozialdemokraten — mit Blick auf die bevorstehenden Wahlkämpfe — viele Hinweise aus der Bevölkerung. Was nicht heißt, dass SPD und AWO sich nicht schon eigene Gedanken dazu gemacht hätten. „Armut ist seit vielen Jahren bei uns Thema“, betont etwa Matthias Feilen, stellvertretender Kreisvorsitzender der AWO.

„Und wir tun vieles, um die Armut zu lindern. Aber: Suppenküchen zu unterhalten, ist nicht effektiv. Man muss dafür sorgen, dass Suppenküchen nicht mehr nötig sind.“ Und da sieht er die Chance, mit der SPD „nachhaltige Verbesserungen zu bewirken“. Denn, so bringt es sein Kollege Göbbels auf den Punkt: „Wir können Veränderungen im sozialen Bereich nur fordern und vorschlagen, die Politik kann sie beschließen.“ Dazu will die SPD auch im Städteregionstag Impulse setzen, verspricht Peters, der auch Chef der SPD-Fraktion in diesem Gremium ist.

„Wir werden die Armutsbekämpfung dort verstärkt zum Thema machen.“ Das nicht zuletzt deshalb, weil laut jüngsten Studien die Armutsgefährdung in der Städteregion überdurchschnittlich hoch sei, wie die Landtagsabgeordnete Eva-Maria Voigt-Küppers feststellt.

Besonders die Armut von Kindern und Jugendlichen, von Frauen und Alleinerziehenden soll mit der Kampagne in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden. Dazu sind bereits entsprechende Infomaterialien entwickelt worden, die auch einige Forderungen an die Politik enthalten — also auch an die SPD selbst, die in Nordrhein-Westfalen und im Bund an der Regierung beteiligt ist — sowie an die Gesellschaft, sprich: die Wirtschaft. Etwa die Forderung nach einer familienfreundlichen Arbeitswelt, gleichen Chancen für Männer und Frauen, kostenfreier Bildung von der Kita bis zur Uni, Einführung einer Kindergrundsicherung oder auch nach Verzicht auf Anrechnung des Kindergeldes bei Hartz-IV-Leistungen.

„Wir haben nicht den Anspruch, alles aufgegriffen zu haben oder alles zu wissen“, betont Stefan Mix, SPD-Unterbezirksgeschäftsführer. Deshalb sei die „Kartenaktion“ so wichtig. „Von Armut Betroffene haben oft das Gefühl, dass ihnen Politiker nicht zuhören und deshalb nicht wissen, was sie bewegt. Wir wollen mit unserer Kampagne den Dialog wieder in Gang setzen und so Politikverdrossenheit begegnen“, nennt Voigt-Küppers ein weiteres Anliegen.

AWO-Mann Feilen ist eine Feststellung wichtig: „Armut ist keine Schande und sie kann jeden treffen. Deshalb müssen wir das Thema in der Diskussion halten.“