Kreis Heinsberg: Verkehrsmoral macht Probleme

Kreis Heinsberg : Verkehrsmoral macht Probleme

Die Polizei im Kreis Heinsberg hat ein weitgehend positives Fazit zu den Verkehrsunfallzahlen für das abgelaufene Jahr gezogen. Grund dafür ist vor allem, dass im Jahr 2016 weniger Menschen im Kreis Heinsberg bei Unfällen verletzt wurden. Allerdings gab es im zweiten Jahr in Folge mehr Unfalltote.

Heinrich Kaumanns, stellvertretender Leiter der Direktion Verkehr, sagte, dass die Zahl der Unfälle, bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden, von 855 im Jahr 2015 auf 825 zurückgegangen sei. Dabei kamen 1091 Menschen zu Schaden — 1,8 Prozent weniger als im Vorjahr. „Das ist ein Erfolg. Besonders wenn man sich anschaut, was um uns herum passiert“, sagte er.

Denn in ganz Nordrhein-Westfalen sei die Zahl solcher Unfälle um 3,1 Prozent und die Zahl der Verunglückten um 3,6 Prozent gestiegen. „Die polizeilichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Hauptunfallursachen zeigen im Kreis Heinsberg Wirkung“, sagte Kaumanns. Mittelfristig habe sich die Polizei das Ziel gesetzt, solche Unfälle „mit Personenschaden“ auf 800 im Jahr zu senken.

Damit soll dann auch die Zahl der Unfalltoten wieder sinken. Sie ist von zehn im Jahr 2015 auf zwölf im vergangenen Jahr angestiegen. Die meisten tödlichen Unfälle gab es in Geilenkirchen und Erkelenz — jeweils drei.

Auffällig ist auch, dass es in Gangelt im abgelaufenen Jahr einen deutlichen Anstieg der Unfälle mit Toten und Verletzten gab. 2015 gab es dort noch 32, im Jahr 2016 schon 53 solcher Unfälle. Das ist der stärkste Anstieg im Kreis.

Die meisten dieser Unfälle hätten sich entlang der Bundesstraße 56 zugetragen, sagte Kaumanns. Die Verkehrsströme zu Nahversorgungszentren, von Pendlern und aus den Niederlanden spielten dabei eine Rolle. „Wir hoffen auf eine Entzerrung, wenn die B 56n endgültig für den Verkehr freigegeben wird“, sagte Kaumanns.

Sorgen bereite der Polizei aktuell die „Verkehrsmoral“, sagte Andreas Bollenbach, Leiter der Abteilung Polizei. Damit meint er zu schnelles Fahren, Unfallflucht und Smartphones am Steuer. Es sei zwar schwierig nachzuweisen, ob der Blick auf das Mobiltelefon die Ursache eines Unfalls war, allerdings gebe es immer wieder Fälle, in denen sich einfach kein vernünftiger Grund für einen Unfall finden lasse. Zum Beispiel bei Auffahrunfällen an roten Ampeln oder wenn ein Autofahrer aus unerfindlichen Gründen von der Straße abkommt.

Die Polizei will deshalb in Zukunft verstärkt über die Risiken des Smartphones am Steuer aufklären und die Autofahrer dahingehend kontrollieren. „Wir werden verstärkt dazu übergehen, Smartphones sicherzustellen“, sagte Kaumanns. Das könnte manchen Autofahrer empfindlicher Treffen als ein Bußgeld.

Ein weiterer negativer Trend: Immer häufiger flüchten die Verursacher von Unfällen im Kreis Heinsberg. Das geschah im vergangenen Jahr 1669 Mal. Im Vorjahr lag die Zahl bei 1601. Und das obwohl das Risiko, entdeckt zu werden, hoch ist. Insbesondere, wenn bei dem Unfall auch ein Mensch zu Schaden kommt. Dann liegt die Aufklärungsquote im Kreis Heinsberg bei 73 Prozent und damit deutlich über dem Landesdurchschnitt von 66 Prozent.