Städteregion: Vereine können ganz schnell in die Steuerfalle tappen

Städteregion : Vereine können ganz schnell in die Steuerfalle tappen

Was passiert bei einer Vereinsfusion mit einer eventuell vorhandenen finanziellen Rücklage? Wie hoch dürfen Rücklagen überhaupt sein und wofür dürfen sie gebildet werden? Fällt Umsatzsteuer an, wenn ein Vereinsheim vermietet wird?

Muss ein Verein beim Amtsgericht eingetragen sein, um als gemeinnützig zu gelten? Und ist der Beitrag, den ein Heimatverein von den Teilnehmern einer Exkursion verlangt, steuerlich dem ideellen Vereinszweck oder dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb zuzuordnen?

Es sind Fragen wie diese, mit denen sich Vorstände von Sport- und Kulturvereinen, Förder- und Sozialverbänden konfrontiert sehen. Fragen, die gar nicht so einfach zu beantworten sind — nicht mal von den Experten des für den Altkreis zuständigen Finanzamtes, die auf Einladung des städteregionalen Ehrenamtsbeauftragten Theo Steinröx in Roetgen rund 100 Vereinsvertretern Rede und Antwort standen. Ein ums andere Mal leiteten sie ihre Antwort mit der Formel „Das kommt drauf an ...“ ein. „Immer wieder nervig“ sei es, dass sich Ehrenamtler „durch ein Dickicht von Vorschriften und Regelungen kämpfen müssen“, sagte Roetgens Bürgermeister Jorma Klauss. Deshalb sei eine Veranstaltung wie die der Städteregion, bei der man Dinge direkt mit den Fachleuten klären könne, hilfreich. Und gut war sicher auch für die Ehrenamtler zu erleben, dass „bei den Fachleuten die Bereitschaft da ist, den Vereinen zu helfen“, befand Städteregionsrat Helmut Etschenberg. Wie Klauss betonte er die Bedeutung des Ehrenamtes für die Gesellschaft.

Die wichtigsten Dinge, die Vereinsvorstände bei der Ausgestaltung von Satzungen, bei der Beantragung der Gemeinnützigkeit, bei der Ausfertigung von Spendenquittungen, bei Steuern und bei der Steuererklärung für den Freistellungsbescheid zu beachten haben, erklärten Manfred Küttelwesch, Tanja Schmitz, Frank Schever und Britta Wottrich in kurzen Referaten. Schon dabei wurde deutlich, wie schnell sich Ehrenamtler im Gestrüpp der Verordnungen verheddern können.

Am einfachsten zu klären scheinen Satzungsfragen zu sein, denn die Finanzverwaltung hat eine Mustersatzung für gemeinnützige Vereine entwickelt. Und die vier Experten boten mehrfach an, dass sie Satzungen, Satzungsänderungen oder -ergänzungen gerne prüfen, bevor diese von den Vereinsmitgliedern beschlossen und beim Vereinsgericht eingereicht werden. Ebenfalls auf ein Muster zurückgreifen können, ja müssen Vereine bei den Spendenquittungen. Jedenfalls dann, wenn sie wollen, dass ihre Gönner die Spenden steuerlich absetzen können. Wichtig hier: Die Vereine müssen Durchschriften der Spendenquittungen sechs Jahre lang aufheben.

Schwieriger wird die Sache bei den vielen steuerlichen Besonderheiten, die Vereine zu beachten haben. Vor allem solche Vereine, die sich auch wirtschaftlich betätigen, können schnell in eine Falle tappen. So kann etwa, wie Küttelwesch erklärte, die Übernahme der Pflege von kommunalen Sportanlagen, für die der Verein einen städtischen Zuschuss erhält, als wirtschaftliche Betätigung umsatzsteuerpflichtig sein.

Die eingangs erwähnte Frage des Heimatvereins aus dem Norden der Städteregion beantwortete Küttelwesch übrigens so: Führt die Exkursion zum Aachener Dom, ist das offensichtlich im Sinne des Vereinszwecks. Geht es aber zum Bootfahren an den Rursee, eher nicht. Keinen Teilnehmerbeitrag zu nehmen, kann aber steuerlich auch problematisch werden: Denn „Annehmlichkeiten“ für Vereinsmitglieder dürfen die Summe von 40 Euro pro Jahr und Mitglied nicht übersteigen.