Städteregion: Verbraucherzentrale: Handy-Apps und Energieausweise machen Ärger

Städteregion : Verbraucherzentrale: Handy-Apps und Energieausweise machen Ärger

Claudia Schmitz hat beruflich mit vielen Problemen zu tun. Mit richtig vielen Problemen sogar. Doch so unterschiedlich die Fälle und Konstellationen auch sind, sie haben eines gemeinsam: „Es geht immer ums Geld.“ 15.000 Kontakte sind in der von Schmitz geleiteten Verbraucherzentrale in Alsdorf, die für den gesamten Altkreis Aachen zuständig ist, im vergangenen Jahr verzeichnet worden.

2800 Beratungsgespräche haben stattgefunden, fast 900 Fälle sind dokumentiert. „Wir stehen mit unserer Arbeit mit beiden Beinen im wahren Leben“, sagt Claudia Schmitz.

2800 Beratungsgespräch haben Claudia Schmitz und ihre Kollegen im Jahr 2017 geführt. Foto: Michael Grobusch

Und das wahre Leben schreibt manchmal sehr unschöne Geschichten. Im vergangenen Jahr beispielsweise die von den Spiele-Apps, die einen kostenlosen Einstieg bieten und dennoch zur Kostenfalle werden können. „Das Muster ist immer dasselbe“, berichtet Claudia Schmitz. „Die Basisspiele können kostenlos heruntergeladen werden, aber für die Erweiterungen muss bezahlt werden. Das kann tückisch sein, zumal die Preise oftmals nicht eindeutig ausgezeichnet sind und über die Rechnung des Handys eingezogen werden.

„Das fällt oftmals zunächst gar nicht auf, weil es sich um Beträge zwischen fünf und zehn Euro handelt“, erklärt Schmitz. „Aber auf Dauer kommt ein nicht unerheblicher Betrag zusammen.“ Weil viele Verträge über die Eltern laufen, versucht die Verbraucherzentrale, vor allem sie für das Thema zu sensibilisieren. Gleichwohl fallen laut Schmitz aber längst nicht nur Jugendliche auf die zweifelhaften Geschäftsmodelle der Anbieter herein: „Wir haben auch schon 60- und 70-Jährige beraten, die über vermeintliche Gratis-Apps viel Geld verloren haben.“

Prävention ist die eine Seite der Arbeit, die die Beratungsstelle in Alsdorf leistet, die andere besteht darin, neue Maschen, die den Verbrauchern schaden können, zu erkennen und über sie aufzuklären. „Ganz aktuell ist das zum Beispiel der Fall beim Thema Energieausweis“, berichtet Claudia Schmitz. Die Tatsache, dass besagte Ausweise vor zehn Jahren eingeführt worden sind und die ersten jetzt ihre Gültigkeit verlieren, hat offenbar zahlreiche unseriöse Anbieter inspiriert.

Sie schüren Panik und drängen Hauseigentümer dazu, einen neuen Energieausweis in Auftrag zu geben. Aber: „Den Ausweis benötige ich nur, wenn ich ein Haus verkaufen oder vermieten möchte“, stellt Claudia Schmitz klar. Das aber verschweigen die dubiosen Vertreter in der Regel. Vor allem aus Würselen und Herzogenrath haben die Verbraucherzentrale in den vergangenen Wochen auffällig viele Meldungen erreicht. Aber auch in den anderen Kommunen des Altkreises sind solche Betrugsversuche bekannt geworden.

Betroffenen bietet die Verbraucherzentrale zunächst eine Rechtsberatung und im Bedarfsfall auch eine Rechtsvertretung an. Mit einer Einschränkung allerdings: „Wir können den Kunden nur außergerichtlich betreuen und auf dieser Ebene versuchen, eine Einigung zu erzielen“, erklärt Claudia Schmitz. „Es gibt aber durchaus Firmen, die es auf eine Klage ankommen lassen.“ Etwa der Schlüsseldienst, der für den Austausch eines Türschlosses 2000 Euro kassiert hat und sich weigert, die Differenz zum marktgerechten Preis zurückzuzahlen.

Am Ende bleibt die Verbraucherzentrale aber auch in solchen Fällen am sprichwörtlichen Ball. „Wir arbeiten seit vielen Jahren mit Anwälten zusammen, die uns vertreten, wenn es zu einem Rechtsstreit kommt“, sagt die Beratungsstellenleiterin. In einigen, gesetzlich festgeschriebenen Bereichen werden sie derweil sofort eingeschaltet, weil die Verbraucherzentrale dort vom Gesetz her gar nicht tätig werden darf. Beim Versicherungsrecht im Schadensfall etwa, bei Urheberverletzungen oder beim Bankenrecht.

Regeln bei Kreditvergabe

Das kann die Verbraucherzentrale jedoch nicht davon abhalten, informativ und damit auch präventiv tätig zu sein. Zum Beispiel, wenn es um Kredite geht. Seit März 2016 gelten für deren Vergabe an Bauherren und Wohnungskäufer europaweit einheitliche Regeln. Sie schreiben Geldinstituten unter anderem vor, Kunden besser zu beraten und deren persönliche Kreditwürdigkeit bei der Beurteilung des Kreditrisikos höher zu gewichten. „Wir haben die Banken in der Region, gemeinsam mit der Beratungsstelle Aachen, aufgefordert, uns darzulegen, wie sie die neuen Vorgaben umsetzen“, berichtet Claudia Schmitz. „Insgesamt waren die Rückmeldungen recht positiv“, stellt die Leiterin fest. „Es gibt aber auch Banken, die uns bis heute nicht geantwortet haben.“ Auch dieser Umstand findet Berücksichtigung, wenn die Verbraucherzentrale potenzielle Kreditnehmer berät.

Ein weiterhin wesentlicher Baustein des Angebots in Alsdorf ist die Energieberatung mit all ihren Facetten. Zu diesen gehört mittlerweile im dritten Jahr auch die Energiearmutsberatung, die — unterstützt von den örtlichen Anbietern — dazu beitragen soll, Energiesperren zu verhindern und Verbräuche dem jeweils verfügbaren Budget anzupassen. Doch die Beraterinnen und Berater bewegen sich nicht nur in diesem kritischen Spannungsfeld. Im vergangenen Jahr wurde beispielsweise ein Schwerpunkt auf die Reduzierung des Warmwasserverbrauchs gelegt. Und aktuell läuft die Kampagne „Sonne im Tank“, bei der es um die Möglichkeiten geht, Strom mit einer eigenen Photovoltaikanlage zu produzieren.

Neue Maschen, neue Gesetze; neue Probleme: An Arbeit wird es, da ist Claudia Schmitz sicher, dem Team der Beratungsstelle in Alsdorf auch in den kommenden Monaten nicht mangeln. Gleichwohl wird Anfang Juni zumindest kurzzeitig ein anderes Thema in den Fokus rücken: Die Beratungsstelle in Alsdorf besteht dann seit 25 Jahren. „Und das muss gefeiert werden“, findet Schmitz. Denn auch das gehört, trotz aller Probleme und Sorgen, um die es sonst geht, zum wahren Leben.