Heinsberg: Verbal fliegen in Heinsberg die Fetzen

Heinsberg : Verbal fliegen in Heinsberg die Fetzen

Während Bürgermeister Wolfgang Dieder am Nelkensamstag in der Begegnungsstätte Unterstützer aus Geistlichkeit, Rat, Verwaltung und Wirtschaft um sich zu scharen versuchte, setzte sich aus Richtung Torbogen kommend der närrische Lindwurm der Karnevalsvereinigungen der Stadt in Bewegung.

Die Narren umrundeten das Rathaus, um dann in großer Zahl zunächst den Vorplatz des Rathauses für sich zu erobern.

„Ihr müsst mich unterstützen, das Rathaus vor den Narren zu schützen gegen diese Herrschaften mit den bunten Mützen!“, rief Dieder seinen Unterstützern in der Begegnungsstätte zu. „Ins Rathaus kommen keine Waaterratte, da gibt‘s gar keine Debatte“, erklärte er. „Das Brööker Narrenschiff machen wir zur alten Fregatte, … und aus Oberstleutnant wird — he hürt et nit jän — ene Fregattenkapitän“, frotzelte er über Stadtprinz Helmut III. von der KG Brööker Waaterratte.

„Er ist der Prinz der großen Worte. Wir brauchen keinen von dieser Sorte“, erboste sich Dieder weiter, um dann selbst ganz groß und gleich vielfach zu reimen: „Das Rathaus will er pulverisieren, doch wir werden nicht kapitulieren, Waaterratte im Rathaus nicht tolerieren, sondern ihn ignorieren. Und so wird er verlieren, da kann er sich lange zieren oder genieren, er kann sich auf den Karneval konzentrieren.“

Doch auch dieses Mal ging der Schlagabtausch in der Begegnungsstätte schon richtig los, hatte sich doch auch Wolfgang Weintz, Präsident des Komitees Heinsberger Karneval (KHK), unter die Menge gemischt. Und es sollte gar noch heftiger werden als das Wortgefecht, das dem Bürgermeistervertreter Albert Heitzer unten vor dem Rathaus bevorstand.

„Dieders Hilfsarbeiter, sie alle denken, heute wären sie die größten Streiter“, erboste sich Weintz. „Nennen wir das Rathaus doch beim wahren Namen, Schlafzimmer von Heinsberg, der Kreisstadt im Westen, lasst Euch sagen, wir Karnevalisten lachen doch über diesen Bürgermeister mit seinen Gästen. Verteidigen wollt Ihr dieses Haus? Lächerlich, wir Narren schmeißen Euch einfach raus!“ Und er setzte noch einen obendrauf: „Alle werden sich freuen, werden tanzen, singen, lachen. Alle werden ihn schnell vergessen, den Karker Drachen!“

Doch zu kurz sei sie in diesem Jahr gewesen, die närrische Zeit, trauerte ihr der KHK-Präsident schon nach: „Unser Geld fließt dann wieder in Heinsbergs Sack, keine Schulen und doch wird erneut regieren der Politiker da im schwarzen Frack.“ Ein jeder würde es dann wieder wissen: „Wie schön war’s unter der Herrschaft der Narretei. Dieder kommt wieder, aus ist’s und vorbei.“ Zuerst einmal schlugen sich Dieders Gäste dann jedoch unten vor dem Rathaus in die Schlacht gegen die sichtbare Übermacht der Narren. Für sie trat Waaterratte-Präsident Jens Prigge an gegen Dieders Stellvertreter Albert Heitzer.

„Mein Prinz ist Oberstleutnant und kein Hampelmann, ihm untersteht ein Herr von über 1000 Narren, und auch die Bundeswehr spannt er vor seinen Karren“, drohte Prigge. „Nun gebt die Rathaustreppe endlich frei, sonst hol‘ ich noch Prinz Theo, der ist in Heinsberg bei der Polizei“, war er sich der Unterstützung der Kerkever Jekke sicher, aber auch der von den übrigen Prinzen der Heinsberger Gesellschaften: „Prinz Guido baut Euch ein paar neue Straßen, die andern Städte werden vor Neid erblassen. Prinz Ralf, der wird das Rathaus renovieren, Prinz Georg ganz modernen Strom hier installieren. Prinz Bernd, der baut Euch eine neue Heizung ein, die Stadt erstrahlt in wundervollem, neuem Schein. Und ganz on top, Ihr könnt mir ruhig vertrauen, Prinz Walter, der schenkt Blumen Euren Frauen.“

Davon ließ sich Heitzer ebenso wenig beeindrucken wie von Prigges Versicherung, der Stadtprinz wisse, wie man so eine Stadt regiere: „Das hat als Prinz und Präsident er lang genug bewiesen, er fährt den Haushalt ganz bestimmt nicht in die Miesen. Und notfalls, das hat er auch schon reflektiert, da werden Erkelenz und Hückelhoven annektiert!“

Die Bürger würden die Politiker doch hassen, „wenn wir in Heinsberg eine Ratte regieren lassen“, konterte Heitzer. „Drum ist beendet jetzt für Euch der Rathaussturm, wir jagen Euch zurück in Rur und Wurm“, drohte er. „Nehmt doch das Flugzeug Eures Prinzen Bernd, das steht in Braunsrath gar nicht weit entfernt. Damit könnt ihr nach Hause fliegen, und dann noch nicht mal nasse Füße kriegen.“

Doch schließlich gab sich Heitzer geschlagen. Dieder schwenkte die weiße Fahne, und der Stadtprinz eilte auf die Rathaustreppe, um den großen, goldenen Schlüssel in Empfang zu nehmen. „Bis Aschermittwoch wird getanzt, geschunkelt und gelacht, danach kann Wolfgang Dieder wieder an die Macht“, forderte Heitzer jedoch unter dem Jubel der Narren.