Städteregion: VabW: Unterstützung bei der Jobsuche für junge Menschen

Städteregion : VabW: Unterstützung bei der Jobsuche für junge Menschen

Tue Gutes und sprich darüber: Das ist sicherlich nicht das oberste Geschäftsprinzip des Vereins für allgemeine und berufliche Weiterbildung. Doch nachdem der VabW über viele Monate in den Schlagzeilen stand, weil die Politik kontrovers über einen möglichen Austritt ihres wichtigsten Mitgliedes, der Städteregion, diskutiert hatte, haben sich die Wogen mittlerweile geglättet.

Das Thema ist nach Informationen unserer Zeitung mittlerweile grundsätzlich vom Tisch. Wohl auch deshalb herrscht in der Geschäftsstelle des VabW am Alsdorfer Nordring in diesen Tagen eine entspannte Atmosphäre — verbunden mit dem Bedürfnis, wieder mal über andere Dinge zu reden als den drohenden Verlust des größten Beitragszahlers.

Schätzt den Bedarf an beruflicher Fortbildung für junge Menschen als unverändert hoch ein: Hans Vorpeil. Foto: W. Sevenich

Zum Beispiel über den unverändert hohen Bedarf an flankierenden Maßnahmen für Jugendliche und junge Erwachsene. „Die ausgesprochen gute Wirtschaftslage und die rückläufigen Arbeitslosenzahlen ändern leider nichts daran, dass es immer noch eine Gruppe von Menschen gibt, die sozial belastet und benachteiligt ist“, stellt Hans Vorpeil fest.

Deshalb, das betont der VabW-Vorsitzende, seien die Qualifizierungs- und Begleitungsangebote seines Vereins unverändert von großer Bedeutung. Vor allem für Jugendliche und junge Erwachsene, die der Verein schwerpunktmäßig betreut — immer mit dem Ziel, sie am Ende in ein Arbeitsverhältnis führen zu können, so Vorpeil.

Die Zahlen aus dem vergangenen Jahr bestätigen seine Einschätzung: Exakt 2039 Personen haben an Maßnahmen des Vereins teilgenommen. Das waren 13,5 Prozent mehr als 2016. Insgesamt kommt der VabW in den mittlerweile 33 Jahren seines Bestehens auf mehr als 42.000 von ihm begleitete Menschen. Und nicht nur das: Hinter den Angeboten stehen aktuell 79 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. „Damit sind wir auch ein wichtiger Arbeitgeber in der Städteregion“, gibt Vorpeil zu bedenken.

Zielgruppe wird bleiben

Dass sich die Zielgruppe des VabW in den nächsten Jahren verkleinern wird, davon geht auch Vorpeils Stellvertreter Wolfgang Königs nicht aus: „Die Komplexität der Arbeitsverhältnisse nimmt immer mehr zu. Deshalb wird es eher mehr Menschen geben, die sich am Rand der Gesellschaft bewegen“, fürchtet Königs. Diese nicht sich selbst zu überlassen, sondern ihnen eine Perspektive für ein eigenständiges Leben zu bieten, sei die Kernaufgabe des VabW. „Auch für diese Menschen gibt es Beschäftigung in unserer Gesellschaft“, zeigt sich der stellvertretende Vorsitzende überzeugt. Allerdings müssten sie auf diese vorbereitet und mit professioneller Unterstützung an den Arbeitsmarkt herangeführt werden. Beispielsweise mit einer assistierten Berufsausbildung oder einer ausbildungsbegleitenden Hilfe.

Positive Signale wollen Hans Vorpeil und Wolfgang Königs aus Berlin empfangen haben. „Auch auf Bundesebene hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass man sich um junge Menschen, die es auf dem ersten Arbeitsmarkt schwer haben, verstärkt kümmern muss“, sieht der Vorsitzende gute Ansätze im neuen Koalitionsvertrag von CDU und SPD. Es gebe berechtigte Hoffnung, dass in Zukunft mehr Mittel für Weiterbildungsprogramme zur Verfügung gestellt werden. „Das würde die Kommunen unmittelbar entlasten“, erklärt Frank Numan. Und die Arbeit des VabW, der eben an dieser Stelle ansetze, stärken. Der Geschäftsführer gibt zu bedenken: „Schon jetzt finanzieren wir 93 Prozent unserer Maßnahmen aus Drittmitteln. Das sind Mittel, die die Sozialhaushalte der Kommunen unmittelbar entlasten.“

Und zwar, das betont Numan ausdrücklich, auch diejenigen, die nicht wie die Städte Alsdorf, Eschweiler und Würselen als Mitglied des VabW, sondern nur über ihre Zugehörigkeit zur Städteregion und die damit verbundene Umlagezahlung mit dem Verein verbunden sind. „Wir gehen mit unseren Maßnahmen dorthin, wo es einen besondres großen Bedarf gibt“, unterstreicht Hans Vorpeil. Die Mitgliedschaft im Verein sei bei der Entscheidung über Art und Ort der Maßnahme nicht von Relevanz.

Der Vorsitzende lobt in diesem Zusammenhang die gute Kooperation der zehn regionsangehörigen Kommunen. „Alle Beteiligten arbeiten eng zusammen und stimmen ihr Vorgehen ab.“ Ein passendes Beispiel hierfür liefere die 2015 gemeinsam mit der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter gegründete Jugendberufsagentur.

In den kommenden Monaten wird sich der VabW deutlich vergrößern: Mehr als 30 zusätzliche Mitarbeiter stellt der Verein ein, nachdem mehrere neu ausgeschriebene Projekte des Jobcenters an den VabW vergeben worden sind. Sie werden an zwei Standorten umgesetzt: im Alsdorfer Business Park und im Gebäude des Eschweiler Amtsgerichtes.

Auch dort wird es dann nicht nur um reine berufliche Weiterbildung gehen, so wie es laut Frank Numan immer öfter der Fall ist. „Wir müssen uns immer häufiger und intensiver um die Grundbedürfnisse der Menschen kümmern“, berichtet der Geschäftsführer. Wohnen, Ernähren und Leben im Alltag seien wichtige Faktoren, die stimmen müssten, um schließlich auch den Übergang in eine geregelte Arbeit schaffen zu können. „Unsere Arbeit wird immer mehr zur Familienarbeit“, konstatiert Numan. Und eine Änderung dieser Entwicklung sei nicht in Sicht — dem wirtschaftlichen Boom und den sinkenden Arbeitslosenzahlen zum Trotz.