Wassenberg: Uschi Glas: Gesunde Ernährung liegt der Schauspielerin am Herzen

Wassenberg : Uschi Glas: Gesunde Ernährung liegt der Schauspielerin am Herzen

Ihre Filmografie ist schier unendlich lang: Sie reicht von ihrer Rolle als Halbblut Apanatschi im legendären Winnetou-Streifen bis zum Mitwirken als Lehrerin in „Fack ju Göhte“. Doch wenn mit Uschi Glas am kommenden Donnerstag, 6. August, in Wassenberg eine der bekanntesten Schauspielerinnen Deutschlands geehrt wird, dann geht es nicht um Film oder Fernsehen.

Vielmehr wollen die Aktionsgemeinschaft Schlemmer-Markt Rhein-Maas und unsere Zeitung mit der Verleihung der Goldenen Schlemmer-Ente — ein Werk des Wegberger Goldschmiedemeisters Roland Simons — das Engagement von Uschi Glas mit dem von ihr und ihren Mitstreitern ins Leben gerufenen Verein „brotZeit“ würdigen. Denn das Thema „Gesunde Ernährung für Schulkinder“ liegt der 71-Jährigen sehr am Herzen.

Was einst mit vier Schulen in München seinen Anfang nahm, hat längst weite Kreise quer durch die Republik gezogen: Inzwischen werden von „brotZeit“ rund 6500 Mädchen und Jungen in 150 Schulen von 1000 Seniorinnen und Senioren täglich mit einem Frühstück versorgt. Uschi Glas weiß, dass sie alleine das alles natürlich nie schaffen könnte, und betont: „Ohne meinen Mann und Freunde, Spender und die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter wäre diese Idee nicht umsetzbar.“

Begonnen hatte alles mit einem Rundfunkbericht, den Uschi Glas im Herbst 2008 gehört hatte. „Da wurde behauptet, dass es in der ,reichen‘ Stadt München zwischen 3000 und 5000 massiv hungernde Grundschulkinder gibt. Ich konnte mir das nicht vorstellen. Wir haben recherchiert und stellten fest, dass der Bericht stimmte.“ Doch diese erschreckende Nachricht nahm sie nicht einfach nur zur Kenntnis, sondern sie ergriff selbst die Initiative.

„Wir setzten uns mit Schulleitern sogenannter Brennpunktschulen zusammen und fragten, wie wir helfen könnten“, erinnert sich Uschi Glas. „Die Bitte an uns war, die Schulen mit Zwieback auszustatten. Das haben wir auch an ,unseren‘ ersten Schulen getan, waren aber damit nicht zufrieden. Wir wollten mehr.“ Bei einem weiteren Gespräch habe dann eine sehr engagierte Schulleiterin gesagt, dass sie sich nichts mehr wünsche, als ein tägliches Frühstück vor Schulbeginn für ihre Kinder. Das war der Startschuss für die Gründung des Vereins „brotZeit“, den Uschi Glas, ihr Ehemann, der Unternehmensberater Dieter Hermann, und der Münchner Rechtsanwalt Dr. Harald Mosler im Februar 2009 gemeinsam aus der Taufe gehoben haben.

„Doch dann tat sich das nächste ,Problem‘ auf“, wie Uschi Glas rückblickend berichtet. Wer sollte das Frühstück für die Kinder vorbereiten, kamen doch immerhin an ­jeder der Schulen zwischen 40 und 120 Kinder zum Frühstück. „Da hatten wir die Idee, Menschen, die nicht mehr im Arbeitsprozess stehen und die etwas an die Gesellschaft zurückgeben wollen, in unser Projekt einzubinden.“ Gesucht wurden also Seniorinnen und Senioren, die für die Kinder nicht nur das Frühstücks­büffet vorbereiten, sondern den Kindern auch Zeit „schenken“, in dem sie in Freistunden mit ihnen arbeiten, zum Beispiel Nachhilfe geben in verschiedensten Fächern oder auch einfach nur vorlesen.

So erklärt sie die Namensgebung: „Nicht nur, weil das Wort Brotzeit in Bayern ein wunderbares Zusammensein und Essen mit Freunden bedeutet, sondern weil wir den Kindern nicht nur Brot, sprich das Frühstück geben, sondern durch unsere aktiven Seniorinnen und Senioren auch Zeit geben.“

Immer wieder ist Uschi Glas selbst vor Ort in den Schulen und stellt erfreut fest: „Die Kinder erleben in unseren Frühstücksräumen Geborgenheit, Respekt, sie lernen zu frühstücken, mit Messer und Gabel umzugehen und den Umgang miteinander.“ An vielen Schulen würden bis zu 40 verschiedene Nationen an den Tischen sitzen und die Kinder müssten auf Deutsch kommunizieren. Aber vom Aufeinandertreffen der Generationen, das „brotZeit“ möglich macht, zeigt sich Uschi Glas bewegt: Es sei rührend, wie Kinder und ältere Menschen zusammenfinden würden.

„Durch eine wissenschaftliche Evaluation konnten wir feststellen, dass die Kinder dem Unterricht wesentlich besser folgen können und ihre Leistungen sich verbessern.“ Kinder, die an den „brotZeit“-Projekten Frühstück und Schach teilnehmen, verbessern nach Angaben des Vereins ihr Sozial- und Arbeitsverhalten sowie ihre Schulzensuren. In vielen Fällen würden sie sogar die Nichtteilnehmer überholen. Dies gehe aus ein Evaluation hervor, die Dr. Doris Rosenkranz (Nürnberg) in Kooperation mit Edmund Görtler und dem Modus-Institut für Wirtschafts- und Sozialforschung in Bamberg durchführe.

Nach Auffassung von Uschi Glas ist aber nicht nur das Frühstück für heranwachsende Kinder von größter Bedeutung, „sondern ich wäre auch dafür, dass es regelmäßige Kochkurse in den Schulen gibt und vor allem auch Lebensmittelkunde.“ Viele Kinder würden keine Namen von Gemüsesorten wissen, hätten noch nie ­einen Blumenkohl, Karotten oder Kohlrabi gesehen.

Für Uschi Glas ist klar, dass es die verschiedensten Gründe gibt, warum die Kinder ohne Frühstück und ohne Pausenbrot in die Schule kommen. „Wir haben uns entschlossen, den Kindern zu helfen und ihnen eine Chance einzuräumen.“

(disch)