Städteregion: „Unzumutbar“: Diskussion um Ausbau des Altenpflegeseminars

Städteregion : „Unzumutbar“: Diskussion um Ausbau des Altenpflegeseminars

Margret Schulz (SPD) platzt allmählich der Kragen. „Das ist für alle langsam unzumutbar“, schimpfte die Vorsitzende des städteregionalen Sozialausschusses in der jüngsten Sitzung. Da ging es — wieder einmal — um das Fachseminar für Altenpflege in Würselen.

Seit Jahren leidet die Schule, in der bereits seit 1986 Altenpflegerinnen und Altenpfleger aus- und fortgebildet werden, nicht nur unter Raumnot, sondern auch darunter, dass die vorhandenen Räumlichkeiten am Mauerfeldchen in Würselen längst nicht mehr den Standards vergleichbarer Einrichtungen entsprechen. Margret Schulz brachte es auf den Punkt: „Wir sind Mitte der letzten Legislaturperiode da gewesen und haben uns das angeschaut. Da will keiner von uns arbeiten. Es ist eine Katastrophe.“

Unzulänglich: Auch die beiden Containerklassen (links) vor dem Fachseminar lindern nicht die Raumnot am Fachseminar. Foto: Jutta Geese

Fachlich indes genieße das Altenpflegeseminar, das der frühere Kreis Aachen 1986 gegründet hat, hohes Ansehen, wie Astrid Siemens (sachkundige Bürgerin, SPD) betonte: „Die Schule hat einen sehr, sehr guten Ruf. Aber kann sie sich angesichts der katastrophalen Bedingungen auf Dauer im Wettbewerb behaupten?“ Schon vor einigen Jahren habe ein Gutachter festgestellt, dass eine Sanierung des Gebäudes nicht wirtschaftlich sei. Von einem Umzug in ein schon bestehendes Gebäude oder einem Neubau habe man damals gesprochen. Aber bis heute sei nichts dergleichen geschehen. „Welche Perspektiven gibt es für das Fachseminar?“, wollte Astrid Siemens von der Verwaltung wissen.

Fakt ist: Auf Drängen der Politik hat das Altenpflegeseminar seine Ausbildungskapazitäten ab 2011 nach oben geschraubt. Es ist seither dreizügig (rund 260 Schülerinnen und Schüler in zehn Ausbildungskursen jährlich), soll perspektivisch sogar vierzügig werden. Auch das Angebot der Fort- und Weiterbildung wurde deutlich ausgeweitet. Zugleich hat die Politik 2010 die Verwaltung beauftragt, eine langfristige Lösung für die notwendige räumliche Erweiterung der Schule inklusive des städteregionalen Amtes für Altenarbeit zu entwickeln. Zur Beseitigung der akuten Raumnot wurden Mitte 2011 zwei Containerklassen für je 22 Schülerinnen und Schüler vor die Schule gestellt. Tatsächlich aber sind in der Regel 28 junge Erwachsene in einer Klasse. Und die Fort- und Weiterbildung musste und muss immer wieder Kurse „auslagern“ und Räume anmieten.

Ende 2011 war dann klar, dass eine Erweiterung des Seminargebäudes nicht in Betracht kommt („weder wirtschaftlich noch funktional sinnvoll umsetzbar“). Aber passiert ist nichts. „Aus den unterschiedlichsten Gründen ist jedoch nach dem Aufbau der Pavillonklassen ein Stillstand bei der weiteren Bearbeitung des Themas eingetreten“, heißt es in einer Vorlage der Verwaltung für den Sozialausschuss im September 2012. Damals wurde dann ein Neubau anstelle der Mehrzweckhalle am MZ und die Zusammenlegung von Kranken- und Altenpflegeschule ins Gespräch gebracht. Der Neubau könne „zügig in Angriff genommen werden“, hieß es.

„Da muss was passieren“

Auf Antrag der SPD-Fraktion beschäftigte sich der Sozialausschuss im April 2013 in einer Sondersitzung mit dem Thema. Dieser beschloss auf der Basis eines Antrags von CDU und Grünen einstimmig, die Verwaltung solle in einen „intensiven Austausch mit dem MZ“ treten und bis zur Sitzung im September 2013 ein „schlüssiges, entscheidungsreifes Konzept“ vorlegen. Was nicht geschah. Aber in der Vorlage für diese Sitzung taucht dann als Standort der MZ-Betriebsteil Bardenberg auf. Und da heißt es: „Da die Planungen für den Neubau in Würselen-Bardenberg nunmehr anstehen, sollte zum jetzigen Zeitpunkt die Vierzügigkeit beschlossen werden, damit entsprechender Raumbedarf Berücksichtigung findet.“ Passiert ist seither — nichts.

„Es ist klar: Die Räumlichkeiten sind extrem bedenklich, da muss was passieren“, räumte Sozialdezernentin Edeltraud Vomberg ein. „Aber es liegt nur zum Teil in unseren Händen.“ Damit sprach Vomberg an, dass das Wohl und Wehe des Fachseminars von zwei Fragen abhängig ist: Wann kommt die vom Bund schon 2010 angekündigte Zusammenlegung der Kranken- und Altenpflegeausbildung? Und wie geht es mit dem MZ weiter? Ersteres scheint jetzt erst mal vom Tisch zu sein, sagte Vomberg. Und weitere Entscheidungen zur künftigen Entwicklung des MZ werde der MZ-Aufsichtsrat im Dezember treffen, kündigte sie an.

Große Hoffnungen, dass dabei eine zeitnahe Lösung für das Altenpflegeseminar herauskommt, hegt Margret Schulz offenbar nicht. Sie forderte die Verwaltung auf, eine andere Alternative für das Altenpflegeseminar zu entwickeln, unabhängig davon, was das MZ mit Bardenberg vorhabe.