Aachen: Unser Blut: Was passiert, wenn es krank wird?

Aachen : Unser Blut: Was passiert, wenn es krank wird?

Fünf Liter kreisen im Körper eines erwachsenen Menschen. Sie transportieren auf rund 90.000 Kilometern Gefäßen Sauerstoff, Nährstoffe, Eiweiße und Hormone zu Organen und Geweben, entsorgen dabei auch Schadstoffe und Krankheitserreger: Das Blut sorgt im Idealfall für das richtige Gleichgewicht aller Körperfunktionen und kann sogar Abweichungen entgegensteuern. Störungen im Blut machen krank - Krankheiten und Mangelzustände des Körpers zeigen sich wiederum in veränderten Blutwerten.

Mit dem umfassenden Thema „Blut” beschäftigt sich das Forum Medizin von Aachener Zeitung und Universitätsklinikum Aachen am Dienstag, 9. November, 18 Uhr (Einlass 17 Uhr), im Großen Hörsaal 4 (GH4) des Klinikums, Pauwelsstraße 30.

Als Referenten geben Rat und Auskunft: Dr. Bernhard Grundmann, niedergelassener Facharzt für Innere Medizin, Arzt für Diabetologie und Psychotherapie, Aachen; vom Universitätsklinikum Dr. Gabriele Hutschenreuter, Leiterin des Zentralbereichs Transfusionsmedizin und Professor Dr. Tim Brümmendorf, Direktor der Klinik für Hämatologie und Onkologie (Medizinische Klinik IV) sowie Privatdozent Dr. Michael Flaßhove, Chefarzt der Klinik für Hämatologie und Internistische Onkologie (Innere III), Krankenhaus Düren und Dr. Dirk Tummes, niedergelassener Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und Internistische Onkologie, Aachen.

Der Transport von Sauerstoff und Nährstoffen aus Lunge und Darm in den Organismus ist nicht die einzige Aufgabe des „besonderen Saftes”. Auf seinem Rückweg nimmt das Blut zudem die Abbauprodukte des Stoffwechsels mit sich und bringt sie zur Entgiftung und späteren Entsorgung in Leber, Nieren und Darm. Es wehrt Gifte und Krankheitserreger ab und sorgt - etwa bei einer Verletzung - für die lebensnotwendige Gerinnung, die eine Blutung stoppt. „Ein faszinierendes Organ”, betont Bernhard Grundmann. „Bei mir verlässt kein Patient ohne Blutabnahme die Praxis. Blut ist ein hervorragendes diagnostisches Mittel.”

Teil des Immunsystems

Ob entzündlicher Prozess, Hormon- oder Stoffwechselstörung - wer die Werte zu lesen versteht, erkennt, ob etwas nicht stimmt. Blut hat entscheidenden Anteil am Immunsystem. „Es kann Fremdkörper abwehren, geht aber auch gegen Antigene vor”, so Michael Flaßhove. Die Leukozyten (weiße Blutkörperchen) erkennen Fremdstoffe, Bakterien und Viren. Fresszellen attackieren alles Fremde, die „Wächter-” und „Killerzellen” beseitigen die Eindringlinge. Gesundes Blut bildet spezialisierte Antikörper, die sich an Krankheitserreger heften und diese für Fress- und Killerzellen erkennbar macht. „Vieles läuft hier sogar ohne erkennbares Krankheitsbild ab”, erklärt Flaßhove.

Blut ist ein wichtiges Element bei der Reaktion auf Verletzungen. Ist die Gerinnung gestört - etwa durch das Fehlen von Gerinnungsfaktoren - besteht akute Verblutungsgefahr („Blutererkrankung”). Es kann aber auch zu einer Gerinnungsneigung mit der Gefahr von Thrombosen, der Steigerung von Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko kommen, wenn die Fibrinolyse, die körpereigene Auflösung von Gerinnseln, versagt.

Tritt eine Anämie (Blutarmut) auf, verursacht sie einen bedrohlichen Sauerstoffmangel in den Körperzellen. „Die Anämie ist lediglich das Symptom einer Störung, deren Ursache wir dringend suchen müssen”, erklärt Dirk Tummes. „Es tritt unter anderem ein Mangel an roten Blutkörperchen, den Erythrozyten, und Hämoglobin auf.”

Blässe, Schwindel, Atemnot

Die Fähigkeit zur Sauerstoffbindung im Körper ist herabgesetzt. Der Betroffene ist blass, schnell müde, fühlt Schwindel, Kopfschmerz, Herzenge und Atemnot. „Der Saft wird zu dünn”, beschreibt es Tummes. Erste Zeichen sind der Eisenmangel im Blut und zu kleine Blutkörperchen. Das kann viele Ursachen haben, etwa eine Nierenerkrankung, eine Erkrankung im Magen-Darm-System mit Blutungen oder Probleme bei der Blutbildung im Knochenmark. Hier besteht der Verdacht, dass eines der „Myelodysplastischen Syndrome (MDS)” vorliegt, eine Sammelbezeichnung für Erkrankungen des Knochenmarks, bei denen die blutbildenden Stammzellen aufgrund eines genetischen Defektes verändert sind.

„Man kann den Patienten hierbei recht gut begleiten”, versichert Tummes. So wendet man eine „unterstützende Therapie” an, die durch Gabe von Erythrozytenkonzentraten, Thrombozyten und - wegen des Mangels an Granulozyten - bei Infektionen durch Antibiotika zunächst die Symptome dieser Erkrankung behandelt und dem Patienten zu mehr Wohlbefinden verhilft. Bei weiteren Schritten kommt es auf den MDS-Typ an. „Eine Vollbluttransfusion ist in der Hämotherapie eher selten geworden”, sagt Gabriele Hutschenreuter. „In den meisten Fällen werden jene Blutbestandteile ersetzt, die der Patient benötigt, wie Erythrozyten, Thrombozyten, Immunglobuline und andere.”

Eine Billion Blutzellen

„Das Knochenmark produziert eine Billion Blutzellen am Tag, da kann man sich vorstellen, was ein Störfall wie die Leukämie für den Menschen bedeutet”, erläutert Tim Brümmendorf das dynamische System, das der „Blutkrebs” zerstört. Es gibt akute, schnell verlaufende Leukämieformen, aber auch chronische, langsamer verlaufende Typen. „Wir können heute die Leukämieformen relativ eindeutig zuordnen, das ist für die Therapie und die Prognose der Erkrankung entscheidend”, so Brümmendorf. Was passiert im Knochenmark? „Eine Fehlentwicklung und Entartung der weißen Blutzellen”, beschreibt der Onkologe. Für jeden Betroffenen muss ein persönliches Therapieschema erstellt werden. In der Regel kommen aber drei Therapieverfahren zur Anwendung: Chemotherapie, Strahlentherapie und/oder eine Knochenmarks- oder Stammzellentransplantation, die aber nur in spezialisierten Kliniken mit spezieller Ausstattung möglich ist.

Haben Sie weitere Fragen zum Thema „Blut”? Im Rahmen der Publikumsdiskussion können sie den Experten beim AZ-Forum Medizin gestellt werden. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.