Erkelenz-Keyenberg: Umsiedlung: Geschlossen auftreten

Erkelenz-Keyenberg : Umsiedlung: Geschlossen auftreten

Was die einen mehr oder weniger erfolgreich hinter sich gebracht haben, steht den anderen noch bevor: Die Umsiedlung wegen des Tagebaus Garzweiler II und der damit verbundene Verlust der angestammten Heimat.

Vertreter des Bürgerbeirates Immerath-Lützerath-Pesch und Mitglieder der IG Umsiedlung trafen sich in der gut besuchten Keyenberger Mehrzweckhalle zu einem Informationsfrühschoppen, um über ihre Erfahrungen zu berichten und Tipps zu geben für den Umgang mit diesem heiklen Thema.

Die Verhandlungen mit dem Energieriesen RWE Power seien für viele Menschen schwierig, wusste die Vorsitzende des Bürgerbeirates Immerath, Gisela Berger, zu berichten. Daher sei es wichtig, schon im Vorfeld jeden noch so kleinen Wert zu erfassen, um den später verhandelt werden müsste. Eines stellte sie jedoch klar und warnte damit vor zu hohen Erwartungen: „Wir haben für die betroffenen Bürger nicht einen Euro mehr herausgeholt.” Allerdings habe man RWE gezeigt, dass man nicht über die Köpfe der Betroffenen hinweg verhandeln kann. Wichtig sei auch, in dem neu auszuhandelnden Vertrag auf Details wie den Umgang mit Erbengemeinschaften zu achten und ihn klar zu regeln.

„Kümmert euch um die Rahmenbedingungen, bevor die Verhandlungen beginnen”, lautete ein Rat der derzeitigen Umsiedler. Jeder Betroffene sei gut beraten, im Vorfeld so gut wie möglich Fakten zu schaffen. Detailliert beschrieben die derzeitigen Umsiedler die Verhandlungen mit RWE über den Wert der eigenen Immobilie und rieten auch dazu, notfalls Gegengutachten einzuholen und sich nicht einschüchtern zu lassen.

Die IG Umsiedlung will rechtzeitig Kräfte bündeln und die Bürger informieren, denn Beiräte gibt es in den als nächste von der Umsiedlung betroffenen Orten noch nicht. Gewählt werden sie, wenn 2010 die Umsiedlungsplanungen offiziell beginnen. Dazu gab es gleich den ersten Tipp: Nicht einen Beirat für alle fünf Ortschaften wählen und vor allem genau schauen, wer im Beirat sitzen soll.

„Macht es RWE nicht zu leicht!”, riet Hermann-Josef Felten vom Bürgerbeirat Borschemich und betonte gleichzeitig, dass „der Kampf um eine ordentliche und gerechte Entschädigung mürbe” mache. Dreh- und Angelpunkt für die betroffenen Bürger sei der „Erkelenz-Vertrag”.

Dieser habe Schwachstellen, wie Hans-Josef Dederichs von der IG Umsiedlung betonte. Es führe kein Weg an einem neuen „Erkelenz-Vertrag” vorbei, weshalb es wichtig sei, gemeinsam mit der Stadt an den Schwachstellen zu arbeiten und den Vertrag so gut wie möglich zu gestalten. Die bisherigen Verträge seien nicht vergleichbar, denn im Jüchen-Vertrag war der Schwerpunkt der Entschädigungsleistung auf das Land gelegt worden, wohingegen der Erkelenz-Vertrag den Fokus auf die Gebäude legte. Der Nachfolgevertrag werde sicherlich auf dem bestehenden aufbauen, weshalb die dort gemachten Fehler korrigiert werden müssten. Wichtig sei, geschlossen aufzutreten und sich nicht gegeneinander ausspielen zu lassen, lautete ein Fazit des Bürgerbeirates. Letztendlich zähle nur, dass alle Betroffenen an die neuen Standorte umsiedeln könnten, ohne sich zu verschulden. Der Erfolg einer Umsiedlung werde daran zu messen sein, wie viele Bürger an den neuen Standort zögen.

In der Diskussion ging es auch darum, welche Wohnraumgrößen wie entschädigt würden. Besitzer kleiner Immobilien mit großen Gärten würden am Ende keinen gerechten Gegenwert für ihr Eigentum bekommen. Auch die Frage zum Umgang mit Mietern und der Schaffung neuer Mietwohnungen wurde diskutiert.

Die Zusammenarbeit mit der Stadt als direkten Ansprechpartner von RWE wurde einhellig als konstruktiv und zielorientiert bezeichnet. Kritisiert wurde jedoch, dass der „Erkelenz-Vertrag” nach seinem Zustandekommen nachträglich geändert worden sei.

Die unterschiedlich hohe Bewertung der Grundstücke in den Orten und die sich daraus ergebenden unterschiedlichen Entschädigungszahlungen sorgten für eine teilweise kontroverse Diskussion. Für Unmut sorgte auch die Bewertung eines Hauses nach seinem Verkehrswert, wodurch sich Besitzer älterer Immobilien benachteiligt fühlten.