Langbroich: „Turbulenzen” nach dem Geschmack der Gäste

Langbroich : „Turbulenzen” nach dem Geschmack der Gäste

„De Schell det et net”, so Leo Horrichs, der auf die Bühne des Langbröker Selfkanttheaters trat, um in Mundart die Gäste der Premiere im ausverkauften Dorfzentrum willkommen zu heißen.

Damit hatte er auch gleich die Lacher auf seiner Seite. Das blieb dann aber auch die einzige „Panne” an diesem Abend, der ansonsten ein rund zweieinhalbstündiges, humoristisches Vergnügen wurde. „Ene Knecht devöel” lautete der Titel des Luststücks in drei Akten, an das die Langbroicher Theatergruppe in den vergangenen Wochen und Monaten unter der Regie von Maria Horrichs gefeilt hatte.

Eine perfekte Besetzung der Rollen im Stück sowie die gelungene Mischung von erfahrenen Darstellern und Nachwuchs erhalten der Theatergruppe ihre Lebendigkeit. Damit präsentiert man aber auch den vielen Stammbesuchern der neun Aufführungen im Langbroicher Dorfzentrum sowie vier weiteren in der Heinsberger Stadthalle in jeder Saison mehr als nur ein neues Stück, sondern auch neue Gesichter.

81 Jahre alt und aus Millen nach Langbroich gekommen war übrigens die älteste Besucherin der Vorstellung. Sie erhielt traditionsgemäß eine Flasche Wein.

Das Langbröker Selfkanttheater hat mit der Jugendtheatergruppe eine eigene, erfolgreiche Talentschmiede.

Den Beweis dafür lieferte im aktuellen Stück Verena Schlebusch, die einmal als hübsche blonde Schuhverkäuferin und zum anderen als Jungknecht mit angeklebtem schwarzen Schnurrbart, Pudelmütze, kariertem Hemd und Gummistiefeln agiert. In diese „Städterin” hat sich Jungbauer „Toni” (Markus Derichs) verliebt, der allerdings des Nachbarn Tochter „Josi”

- von Anja Barion verkörpert - heiraten soll. Beschlossen haben dies Bauer „Röttes Le” (Leo Schroten) und seine Frau „Lissbett” (Elisabeth Palmen) mit dem Großbauern und Nachbarn „Lendes Fredi” (Bernd Arnusch).

Josi allerdings hat sich ausgerechnet in den Sparkassenleiter „Wehmeyer” (Fritz Sonnenschein), ebenfalls ein „Städter” verliebt, der wiederum dem Vater ein Dorn im Auge ist.

Während sich die jungen Leute von Anfang an einig sind, den Wunsch der Eltern nicht zu erfüllen, ist doch guter Rat teuer, wie man diese umstimmen könne. Hier kommen dann der Knecht „Mattes” und die „Magd Berta” ins Spiel, die bereit sind, den jungen Leuten zu helfen.

Mit Willi Jütten und Marianne Heutz hat das Stück hier die „Typen”, die sowohl in Gestik und Mimik als auch in den gekonnt und scheinbar zufällig eingestreuten Zwischenbemerkungen der Handlung eine zusätzliche Würze geben und das Publikum mitreißen.

Bekannte Aussprüche wie „Ene Dureen wie in Karke en de Kerk” oder „Au Schüre brenne et beste” sind dafür nur zwei Beispiele.

Für Turbulenzen sorgt außerdem die Lebedame „Lolita Ledig”, die mit taillenlangen Haaren und frivol aufgedonnert durch Simone Schmitz bestens dargestellt wird. Sie soll eigentlich den angeblich „falsch gepolten” Jungbauern kurieren, macht aber statt dessen irrtümlich auf jedes andere männliche Wesen im Stück Jagd. Das kann nicht ohne Verwicklungen und Turbulenzen bleiben.

Auch wenn eigentlich von Beginn des Stückes wohl jedem Zuschauer klar ist, dass es nur ein „Happy End” geben kann, so ist es ein Vergnügen für die Zuschauer, den Akteuren auf der Bühne zuzuschauen. Für das Bühnenbild, eine Bauernstube mit Kachelkamin, war wiederum Leo Herfs verantwortlich, während Heinz-Josef Krings die Einrichtung stellte. Isabell Schlicher leistete als Maskenbildnerin hervorragende Arbeit.