Kreis Heinsberg: Trainer locken die Ü50-Sportler mit Herbstgold

Kreis Heinsberg : Trainer locken die Ü50-Sportler mit Herbstgold

„Hol‘ dir das Herbstgold“: Unter dieser Überschrift fordert der Kreissportbund Heinsberg über 50-Jährige auf, an einer speziellen Übungsleiter C-Ausbildung teilzunehmen. Diese Ausbildung hat der Kreissportbund im vergangenen Jahr erstmals und bislang einmalig in ganz Nordrhein-Westfalen ins Leben gerufen.

Und das mit großem Erfolg: Zur Premiere hatten sich 21 Ü50-Sportler angemeldet. Übungsleiter-Lizenzen werden sicherlich von allen Kreissportbünden angeboten. „Wir brauchen aber auch ältere Übungsleiter, die mit älteren Menschen Sport treiben. Sie haben einen viel besseren Zugang zu den Senioren und ein besseres Verständnis dafür, wie man sich im Alter fühlt.

Sie fühlen eher mit, wenn jemand beispielsweise Rücken- oder Knieprobleme hat“, erklärt Mathias Vonderbank, im Kreissportbund Fachkraft für das Landesprogramm „Bewegt älter werden“. Mathias Vonderbank, selbst Marathonläufer und Inhaber mehrerer Übungsleiter C-, B- und A-Lizenzen im Breitensport, kennt aber auch die zweite Seite der Medaille. „So zeigen wir den älteren Menschen, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehören und dass wir sie brauchen. Viele ältere Menschen wollen aktiv sein, sich aber nicht leistungsmäßig mit den Jungen messen.“

Die Vorgaben des Landessportbundes für die Übungsleiter C-Lizenz müssen natürlich erfüllt werden. „Allerdings werden die Vorgaben altersgerecht angepasst. Die bis dahin übliche altersgemischte Ausbildung war für viele ältere Menschen zu anstrengend“, erklärt Vonderbank. Mit 70 Jahren ältester Teilnehmer war im vergangenen Jahr übrigens Holger Trappmann aus Wegberg.

Auch in diesem Jahr rührt Vonderbank wieder die Werbetrommel für das „Herbstgold“, für das ab August wieder fleißig in der Sporthalle des Heinsberger Kreisgymnasiums trainiert wird. Ein professionelles Kamerateam aus Köln hat einen Film unter dem Titel „Hol‘ dir das Gold“ gedreht, der auf der Internetseite des Kreissportbundes präsentiert wird. Und auch bei der Sitzung des Stadtsportverbandes Geilenkirchen stellte er in dieser Woche erneut das bislang einmalige Projekt vor.

Nicht alle Lehrgangsteilnehmer arbeiten mit ihrer Übungsleiter-Lizenz als Trainer in Vereinen, wie es beispielsweise der Geilenkirchener Hans Heinrich Topp, Vorsitzender des 1300 Mitglieder zählenden ATV Geilenkirchen, macht. Sicherlich war der ehemalige Navigator beim Awacs-Verband Zeit seines Lebens fit, auch heute läuft der 64-Jährige regelmäßig, macht Gymnastik und fährt Rad. Doch nachdem er vor einigen Jahren als Übungsleiter eine Herren-Gruppe mit ausschließlich über 50-jährigen Sportlern übernommen hatte, packte ihn der Ehrgeiz: Er wollte noch eine Lizenz erwerben. Dann stieß er auf die „Herbstgold“-Aktion des Kreissportbundes. „Im Alter muss man etwas tun, da muss man sich bewegen, um mobil zu bleiben.“

„Andere arbeiten in Pflegeheimen und treiben mit Demenzkranken Sport“, sagt Vonderbank. Renate Hahn-Lindt, Studentin der Ökotrophologie an der Fachhochschule Niederrhein, hat sogar eine Semesterarbeit über dieses Projekt verfasst.

In 120 Lerneinheiten geht es bei der Übungsleiter C-Ausbildung um Trainings- und Bewegungslehre, um Gruppenführung und Anatomie. Aber auch meist im Alter auftretende Krankheiten wie Demenz und Arthrose wurden von Mathias Vonderbank, hauptberuflich als Krankenpfleger im Geilenkirchener Krankenhaus beschäftigt, angesprochen.

„Von den 21 Herbstgold-Teilnehmern haben sich zwölf Teilnehmer weitergebildet und anschließend die B-Lizenz erworben“, freut sich Vonderbank über den Ehrgeiz. Zu den Themen Herz und Kreislauf, Stress und Entspannung oder Haltung und Bewegung waren hierfür 45 Lerneinheiten zu absolvieren.

Mathias Vonderbank liebt ebenso wie seine Frau Margit, Fachkraft für „Bewegt gesund bleiben“ beim Kreissportbund und Trainerin für Pilates, Tai Chi und Chi Gong, den Sport: „Beim Kreissportbund steht der Gesundheitsaspekt im Vordergrund. Jeder ist angesprochen, auch wenn er noch nie Sport getrieben hat. Und es ist nie zu spät anzufangen. Wichtig sind auch die sozialen Kontakte, in den Lehrgängen sind bereits Freundschaften entstanden.“ Dritte im Bunde des Lehrteams ist übrigens Ulrike Heinen. Den Lehrgängen des Kreissportbundes eilt ein guter Ruf voraus: „Insgesamt haben wir im vergangenen Jahr 75 C-Übungsleiter ausgebildet, die kommen sogar aus Aachen, Mönchengladbach und Köln“, sagt Vonderbank.

Im August beginnt die zweite Übungsleiter-Ausbildung Ü50. Neu ist jetzt, dass auch Menschen mit einer leichten körperlichen Behinderung daran teilnehmen können. „Und wir nehmen am Modellprojekt des Landessportbundes Übungsleiter C-Ausbildung speziell für Ältere Teil. Diese Ausbildung wird 2016 im ganzen Land eingeführt, wir übernehmen in diesem Jahr schon eine Vorreiter-Rolle.“