Kreis Heinsberg: Tour 2017 rollt am Tagebau Garzweiler vorbei

Kreis Heinsberg : Tour 2017 rollt am Tagebau Garzweiler vorbei

Die Tour de France rollt im kommenden Jahr auf der zweiten Etappe von Düsseldorf via Mönchengladbach, Jülich und Aachen nach Lüttich am Sonntag, 2. Juli, am Tagebau Garzweiler vorbei. Dies wurde am Dienstag bekannt gegeben. Somit könnte das bedeutendste Radrennen der Welt zumindest auf einer Strecke von rund sechs Kilometern auch durch den Kreis Heinsberg führen.

Nach den am Dienstag von der Grand-Départ-Stadt Düsseldorf auf ihrer Internetseite veröffentlichten Informationen zum Streckenverlauf der zweiten Etappe mit dem Hinweis, dass die Fahrer nach der Sprintwertung in der Stadt Mönchengladbach vorbei am Tagebau Garzweiler in den Kreis Düren gelangen, müsste der Kreis Heinsberg offenbar zumindest „touchiert“ werden — und zwar ganz im Osten der Stadt ­Erkelenz.

Könnte sich ein Tour-de-France-Event in Keyenberg vorstellen: WFG-Geschäftsführer Ulrich Schirowski. Foto: Carl Brunn

Als wahrscheinlich dürfte eine Streckenführung über die L 277 aus Richtung Mönchen­gladbach-Wanlo in den Kreis Heinsberg hinein anzusehen sein. Somit läge die Erkelenzer Ortschaft Keyenberg unmittelbar am Rand der TdF-Strecke, ist der Ortseingang von Keyenberg doch nur wenige Meter von der L 277 entfernt.

Borschemich (alt) und Immerath (alt) würden im wahrsten Sinne des Wortes „links liegen gelassen“, Lützerath würde passiert. Schließlich würde nahe der Immerather Windmühle das Heinsberger Kreisgebiet beziehungsweise Erkelenzer Stadtgebiet wieder verlassen.

Details in den nächsten Wochen

In den nächsten Wochen werde der Veranstalter der Tour, die Amaury Sport Organisation (ASO), den genauen Streckenverlauf bekannt geben, kommunizierte am Dienstag die Stadt Mönchengladbach, die Schauplatz der ersten Sprintwertung der Tour 2017 sein wird. Dann stehe auch fest, wie sich der Streckenverlauf durch Mönchengladbach darstellen werde.

„Wir streben in der Kommunikation mit dem Veranstalter eine möglichst lange Strecke durch die Stadt an und haben die Einfahrt über die Mönchengladbacher City mit Streckenführung durch die Rheydter Innenstadt und schließlich bis ­Wickrath im Süden vorgeschlagen”, so Peter Schlipköter, Geschäftsführer der städtischen Marketing-Gesellschaft MGMG.

Auch in der Stadt Aachen, wo die Tour über den Marktplatz führen soll, wurde am Dienstag darauf verwiesen, dass die genauen Details im Laufe der kommenden Wochen final besprochen werden sollen. Die Rede ist von einer geplanten gemeinsamen Pressekonferenz im November in der Landeshauptstadt Düsseldorf.

Ein mögliches Gastspiel der Tour de France im Kreis Heinsberg war seit Januar ein Thema: mit einer denkbaren Streckenführung über die Bundesstraße 57 via Rath-Anhoven, Erkelenz, Granterath und Baal.

Im Mai war dann bekannt geworden, dass es im Zusammenhang mit der Tour 2017 keine aktive, offensive Bewerbung der Region geben sollte. Nach Darstellung des Geschäftsführers der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg (WFG), Ulrich Schirowski, ging es um Geld: Hätte sich die Region beworben und wäre sie wirklich zum Zuge gekommen, wären 50.000 Euro fällig geworden.

Es ging dabei um einen Vertrag, der mit der Stadt Düsseldorf abzuschließen gewesen wäre. Diese hätte sich im Falle eines Vertragsabschlusses beim verantwortlichen französischen Tour-Veranstalter ASO für die Aufnahme der „Partnerregion“ in den Streckenplan der zweiten Etappe eingesetzt. Und im „Erfolgsfall“ hätte die Region dann eine Summe von 50.000 Euro an die Stadt Düsseldorf überweisen müssen — egal, ob es nun 25 Kilometer, fünf Kilometer oder nur 500 Meter als Kreis Heinsberger Tour-Strecke wären.

Die von den Kommunen zu tragenden Kosten rund um Absperr- und Sicherungsmaßnahmen entlang der Strecke waren da noch gar nicht mitgerechnet.

Mit Blick auf die im Falle einer erfolgreichen Bewerbung fällige Summe habe sich unter den Bürgermeistern ein „einhelliges Meinungsbild“ ergeben, so berichtete im Mai der WFG-Geschäftsführer. Der Tenor habe gelautet: „Das wollen wir nicht! Das können wir nicht!“ Eine angedachte Refinanzierung über Sponsoren wäre teilweise vielleicht möglich, so Schirowski, in komplettem Umfang aber „relativ unwahrscheinlich“.

Der Erkelenzer Bürgermeister Peter Jansen berichtete im August von einem Gespräch im Düsseldorfer Rathaus; Oberbürgermeister Thomas Geisel hatte ihn dazu eingeladen. Dabei sei die Streckenführung über die Bundesstraße 57 als eine der möglichen Varianten bezeichnet worden, so Jansen. Es sei bei dem Gespräch um logistische Leistungen, Sponsoring und Eigenmittel der Kommunen gegangen.

Jansen hatte dabei nach eigener Darstellung aber signalisiert, dass er sich nicht vorstellen könne, dass die hiesigen Kommunen für die Tour-de-France-Passage Steuergelder ausgeben würden. Da seien Kosten und Nutzen abzuwägen. Die Tour-Streckenplaner hatten laut Jansen bei einer Fahrt über die B 57 in Erkelenz sogar einen Abstecher innerorts über die alte B 57 (Krefelder Straße / Aachener Straße) ins Auge gefasst, aber da sei „der Aufwand für die Stadt Erkelenz einfach zu hoch“, begründete der Bürgermeister seine ablehnende Haltung in diesem Punkt.

Tour-Event in Keyenberg?

Jetzt könnten es also — auch ohne Abschluss eines 50.000-Euro-Vertrags — zumindest ein paar Kilometer Tour de France durch den Kreis Heinsberg am Tagebau Garzweiler vorbei werden. WFG-Geschäftsführer ­Ulrich Schirowski, der in Zukunft auch für die touristischen Aktivitäten im Kreis Heinsberg Verantwortung übernehmen soll, zeigte sich am Dienstag denn auch nicht allzu enttäuscht, dass die Streckenführung über die Bundesstraße 57 (dies wären gut 15 Kilometer durch den Kreis Heinsberg gewesen) offensichtlich nicht zum ­Tragen kommt.

Er denkt jedenfalls sogar schon daran, sollte sich die Variante am Tagebau Garzweiler vorbei über Erkelenzer Stadtgebiet ­bestätigen, dass in Keyenberg gemeinsam mit der Stadt Erkelenz und anderen Partnern ein Tour-de-France-Event aufgezogen werden könnte. ­Außerdem sei ja für den 2. Juli — wie immer am ersten Sonntag dieses Sommermonats — der Niederrheinische Radwandertag geplant. Denkbar sei, auch im Zusammenhang mit dieser Großveranstaltung für Freizeitradler eine Achse zur Tour de France zu schlagen.

„Wir würden die Tour de France auf jeden Fall gebührend empfangen und in den Blickpunkt rücken, weil: Wir sind ja auch eine Fahrrad-Region und radbegeistert“, so Schirowski am Dienstag.

(disch)