Aachen/Selfkant: Totschlag möglicherweise doch Mord?

Aachen/Selfkant : Totschlag möglicherweise doch Mord?

Ein 63-Jähriger aus Heerlen muss sich seit Donnerstag erneut vor einer Aachener Schwurgerichtskammer verantworten.

Im Juli 2016 war der ehemalige Beamte bei einem statistischen Amt in der niederländischen Nachbarstadt Heerlen wegen Totschlags an seiner Lebensgefährtin in Selfkant-Havert zu einer Haftstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt worden.

Der Angeklagte, heute 63 Jahre alt, war damals ursprünglich wegen Mordes an seiner 55-jährigen Lebensgefährtin angeklagt worden. Die Aachener Kammer blieb in ihrem Urteil vom Juli 2016 in ihrer juristischen Bewertung beim Tatbestand des Totschlags und verhängte deswegen keine lebenslange Freiheitsstrafe.

Diese Bewertung war jedoch Mitte 2017 vom Bundesgerichtshof (BGH) bemängelt worden, die Sache muss nun neu verhandelt und der Mordvorwurf neu geprüft werden.

Die Tat trug sich am zweiten Weihnachtsfeiertag 2015 im Haus der Getöteten in Havert zu. Das Paar hatte sich im September kennengelernt, die damals 55-jährige Pflegekraft verliebte sich in den Heerlener, er zog zu ihr ins Haus in Havert. Doch bereits vor den Weihnachtstagen, so schilderte der Häftling das Ganze zum zweiten Mal vor einem Schwurgericht, sei seine neue Liebe trotz schöner Feiern über die Weihnachtstage letztlich abweisend zu ihm gewesen. Er habe das nicht weiter moniert, es sei für ihn aber schon merkwürdig gewesen.

Am zweiten Feiertag habe sie dann sogar ein provisorisches Bett für ihn aufgestellt. Er habe das kommentarlos beobachtet und sich auf der Couch im Wohnzimmer sitzend Weinbrand mit Cola gemixt — und bestimmt eine halbe Flasche von dem Schnaps getrunken. Irgendwann dann gegen 13.30 Uhr ging der 63-Jährige in die Küche. Dort soll er in den Messerblock gegriffen und sich ein Küchenmesser mit einer 18 Zentimeter langen Klinge genommen haben.

Nach den Erkenntnissen der Rechtsmediziner stach er damit mindestens zwölf Mal von vorne auf die 55-Jährige ein, drei der heftigen Stiche gingen durch das Herz und waren bereits für sich alleine tödlich. Er habe sich an diese Phase der Tat, das wiederholte der insgesamt geständige Angeklagte am Donnerstag vor dem Vorsitzenden Richter Norbert Gatzke, bereits im ersten Verfahren nicht erinnern können, auch jetzt sei er auf eigene Rückschlüsse, „dass es wohl so gewesen sein müsse“, angewiesen. Auch sein Verteidiger Andreas Fleuster wies darauf hin, dass sich das Erinnerungsvermögen nach drei Jahren wohl kaum verbessern werde.

Der Prozess wird am Dienstag, 31. Juli, im Aachener Landgericht fortgesetzt.

Mehr von Aachener Zeitung