Wassenberg: Töfte-Theater zeigt preisgekröntes Stück

Wassenberg : Töfte-Theater zeigt preisgekröntes Stück

Im nächsten Jahr jährt sich zum 65. Mal die Reichspogromnacht, mit der die Nationalsozialisten in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 die Gewaltmaßnahmen gegenüber dem jüdischen Volk in ganz Deutschland steigerten.

Als Schule, die sich alleine schon aufgrund ihres Namens der Aufarbeitung der Vergangenheit verpflichtet weiß, finden an der Betty-Reis-Gesamtschule Wassenberg jährlich besonders im November eine ganze Reihe von Aktionen statt, die dem Gedenken und der historischen Bildung verpflichtet sind. Für die 176 Schüler des 5. Jahrgangs führte das Töfte-Theater aus Marl jetzt bereits zum 10. Mal sein preisgekröntes Stück auf.

In dem Stück wird die Geschichte von Robert Goldstein erzählt. Es ist die Geschichte einer jüdischen Kindheit im nationalsozialistischen Deutschland, die Geschichte verstörender, alltäglicher Ereignisse. Die Zuschauer begleiten Robert auf seine Reise in die Vergangenheit.

Sie suchen mit ihm seine Lieblingsplätze und Geheimverstecke auf: Sie lernen Lehrer, Mitschüler und Freunde kennen. Sie erleben, wie kleine Anfeindungen sich zu einer großen Ausgrenzung verdichten, und müssen erfahren, was es heißt einen Judenstern zu tragen. Robert und sein Vater werden schließlich in einen Zug Richtung Konzentrationslager gesperrt. Wie durch ein Wunder wird der kleine Robert gerettet. Er überlebt dank des Mutes einer Bauernfamilie in Frankreich und findet nach Jahren sogar seinen Vater in Paris wieder. Ein Ausnahmeschicksal!

Im Zusammenspiel mit zwei Puppen (Robert und sein Vater Aaron) gelang Ralf Kiekhöfer, der seit 1982 Theater für Kinder spielt und inszeniert und 1984 das Theater Töfte gründete, wieder einmal eine ungemein dichte und poetische Darstellung, die die Schüler mit ihren Lehrern über 70 Minuten Spielzeit voll in den Bann zog. Das Furchtbare kindgerecht aufzuarbeiten, gelang hervorragend. Wunderbar wechselten traurige und komische Szenen, einfühlsam führte Ralf Kiekhöfer sein junges Publikum über das schwierige Terrain. Den Erfolg seines Spiels bestätigt der Schüler Max Weber: „Besonders hat mir das Spiel mit den Puppen gefallen. Man hat manchmal gar nicht gemerkt, dass es nur Puppen waren. Sie wirkten wie echte Schauspieler.”

Sein Lehrer Dr. Ludger Herrmann, zugleich Didaktischer Leiter der Schule, zeigte sich ebenfalls hochzufrieden. „Wir sind sehr froh um dieses Stück, das wir gerne immer wieder zu dieser geschichtsträchtigen Zeit nach Wassenberg holen. Es eignet sich einfach hervorragend, um unsere Schüler an das schlimmste Kapitel in der Geschichte unseres Volkes heranzuführen.”