Heinsberg: Tierheim Kirchhoven geht auf Samtpfoten dem Kollaps entgegen

Heinsberg : Tierheim Kirchhoven geht auf Samtpfoten dem Kollaps entgegen

Sie werden irgendwo gefunden, zum Teil in bemitleidenswertem Zustand, oft trächtig. Manche werden gebracht, andere wiederum nur einfach in einem Karton vor dem Tor abgestellt. Mittlerweile platzt das Tierheim für den Kreis Heinsberg in Kirchhoven beinahe aus allen Nähten. 200 Katzenbabys und 60 Erwachsene Tiere warten derzeit auf ein neues Zuhause.

„Ich möchte gar nicht wissen, wieviele ihre eigene Katze auf diesem Weg hierhin bringen”, orakelt Silke Hohmann, die Vorsitzende des Tierschutzvereins. Von den rund 200 Babys befänden sich im Augenblick nur etwa 20 tatsächlich im Tierheim.

Aufgrund eines gut funktionierenden Netzwerkes von pflegebereiten Familien konnte der große Rest zunächst anderweitig untergebracht werden. Wäre dies nicht der Fall, stünde das Tierheim wohl schon längst vor dem Kollaps. „Es ist für eine solche Menge gar nicht ausgelegt”, sagt Hohmann. Und ein Ende der Katzenschwemme ist nicht in Sicht.

„Wir können sie nicht so schnell vermitteln, wie sie reinkommen”, bestätigt auch Sonja Wichert, eine von vier hauptamtlichen Tierpflegerinnen in Kirchhoven. Gemeinsam mit vier Aushilfen, einer halbtags beschäftigten Tierärztin und zwei Bürokräften sowie einer Reihe ehrenamtlicher Helfer stemmt sich das Tierheim gegen die Überflutung durch die putzigen kleinen Samtpfoten.

Ein Kampf gegen Windmühlen, denn die Vermittlung gerade im Katzenbereich sei um nahezu 50 Prozent eingebrochen, meint Hohmann. „Waren es in den letzten Jahren 1300 Tiere, so sind bislang in diesem Jahr nur 400 wieder untergebracht worden. Da wir nicht das einzige Tierheim mit diesem Problem sind, denke ich, dass die allgemeine Wirtschaftslage eine Rolle spielt.”

Pro Katze, so erläutert Tierpflegerin Wichert, werde eine Schutzgebühr von 85 Euro fällig für denjenigen, der sich eine Katze aus dem Heim hole. Doch was auf den ersten Blick vielleicht viel erscheine, decke nicht annähernd die Kosten, die die Einrichtung vorab in das Tier investiere.

„Allein für die Kastration bei einem Tierarzt wäre dieses Geld als Minimum von einem Katzenfreund zu bezahlen.” Und die Tiere in Kirchhoven seien nicht nur kastriert, sondern zudem geimpft und gekennzeichnet.

Schon seit einiger Zeit bemühe sich der Tierschutzverein darum, dass die Kommunen im Kreisgebiet bei Katzen eine Kastrationspflicht für „Freigänger” in ihre Satzungen aufnähmen, erklärt Hohmann. Bislang sei dies jedoch nicht geschehen. Und die Probleme im Tierheim spitzten sich weiter zu.

„Durch den riesigen Infektionsdruck, den wir hier haben, würden wir gerne eine vernünftige Quarantänestation bauen können.” Doch die rund 8000 Euro, die dies koste, übersteigen das Budget. Nach dem Wunsch der Vorsitzenden und ihrer Mitarbeiter sollte es ein gefliester Raum sein mit Wasseranschluss, Behandlungstisch und Küchenzeile. Derzeit steht nur ein kleines Räumchen zur Verfügung.

Immer wieder müssten die Betreuer sich zwischen Pflege- und Fütterungsmaßnahmen umziehen, da beides nicht zusammen in dem schmalen Raum vorbereitet werden könne. Gerade bei den momentanen Temperaturen eine Tortour. 14 Tage bleiben die Neuankömmlinge isoliert, ehe sie zu den übrigen Katzen dürfen.

Im Gegensatz zu den Stubentigern seien die „Fundhunde” augenblicklich nicht das drängende Problem, sagt Hohmann. Obwohl gerade im Sommer ihre Zahl von zwei bis drei pro Monat im Jahresschnitt auf fünf bis sechs ansteige. Vor allem die maroden Hundefreiläufe seien erneuerungsbedürftig. „Wenn es regnet, haben wir hier echte Seehunde, weil das Wasser nicht abläuft.”