Heinsberg-Oberbruch: Theatertruppe bewegt sich auf dünnem Eis

Heinsberg-Oberbruch : Theatertruppe bewegt sich auf dünnem Eis

Früher zählte Hitchcock zu den Straßenfegern. Das war einmal. Heute hält sich das Interesse in Grenzen. Vielleicht war der Montag nicht der passende Termin für den Theaterauftakt mit „Cocktail für eine Leiche” - nach der Wahlschlacht vom Sonntag.

Ein gewisser Patrick Hamilton hatte das Kriminalstück „nach” dem Altmeister des Krimis verfasst. Nähere Angaben machte der dürftige Theaterflyer nicht.

Immerhin gastierte ein Ensemble mit Claus Wilcke an der Spitze. Zu befürchten ist, dass die Jüngeren auch den nicht mehr kennen. Da schon eher Petra Blossey aus der Fernsehserie „Unter uns”.

Für eine Wanderbühne sollte man mehr auf die Lautstärke achten. Nicht jeder war so gut verständlich wie der besagte Wilcke. Das kann ganz schön anstrengend sein, wenn man hinten die Ohren spitzen muss, um zu hören. Schauspieler scheint es nicht immer zu interessieren, wie sie rüberkommen.

Der Inhalt des Stückes war ein Verschnitt von Nietzsches „Übermenschen” bis zu den „Untermenschen” der Nazis. Rupert Cadell alias Claus Wilcke hatte als Professor die Kunst des Mordens doziert - rein theoretisch, versteht sich - und wundert sich am Schluss nicht, dass diese Saat der Gewalt bei seinen Schülern aufgeht. Er selbst deckt die makaberen Folgen seiner Lehre auf und verurteilt sie schärfstens.

Das war reichlich dick aufgetragen und unglaublich. Wie bei Hitchcock und Co. häufig, lag der „Story” eine wahre Begebenheit zugrunde. In den 20er Jahren begingen in Chicago zwei Jugendliche einen Mord aus dem purem Ehrgeiz, eine „perfekte Tat” zu begehen.

Hier sind es die beiden Studenten Brandon und Philip (Christian Meier/David Imper), die ihren Kommilitonen David umbringen, in einer Kiste verstecken und darauf mit Freunden und Angehörigen eine feuchtfröhliche Party feiern. Menschenverachtender gehts nicht.

Bei den vielen Krimis, die uns von den Medien Tag für Tag serviert werden, fragt man sich, ob das nicht bei labilen jungen Menschen ähnliche Wirkungen erzeugt. Auf jeden Fall sinkt die Hemmschwelle immer weiter. Auch die reinste Theorie hat praktischen Konsequenzen. Sie mag noch so intellektuell daher kommen. Was dort Mord aus niederen Instinkten, ist hier eiskaltes Kalkül.

Dass gerade wir mit solchen morbiden „Spielereien” äußerst vorsichtig umzugehen haben, liegt auf der Hand. Der Name Hitler, Psychopath, fällt auch. Mit anderen Worten: man bewegte sich bei diesem Gastspiel des Landestheaters Neuwied auf sehr dünnem Eis, so dass „Einbrüche” nicht zu vermeiden waren.

Die Verantwortlichen waren nicht gut beraten, so ein heikles Thema auszuwählen. Das Geld hätte man lieber für was anderes ausgegeben, schon aus Kostengründen. Unterschieden werden sollte und mußte zwischen Stück und Spiel. Nicht nur der famose Claus Wilcke ist heutzutage gezwungen, jede Rolle anzunehmen. Ausnahmslos alle Spieler legten sich mächtig ins Zeug.

An der Kunst der Darstellung lag es jedenfalls nicht, ob bei dem charmanten, aber eiskalten Brandon, dem Nervenbündel Philip, dem „harmlosen” Henry, Davids Vater, der überdrehten Amateurastrologin Anita, der hin- und hergerissenen Janet oder ihrem „Ex” Kenneth. Der heiterste Lichtblick war die naive Haushälterin Mrs. Wilson. Alle bekamen reichlich Beifall. Darunter waren auch Pfiffe für den Professor.