Tenholt: Tenholter vom Grundstücksverkauf überrascht

Tenholt : Tenholter vom Grundstücksverkauf überrascht

Kurzfristig hatte der Dorfausschuss Tenholt am Dienstagabend zur Versammlung in das St. Antonius-Haus eingeladen, um die Meinung der Bürger zum geplanten Agrarzentrum 2003 zu hören.

Nach Plänen der Raiffeisen-Waren-Genossenschaft soll auf einem Gelände von rund 60 000 Quadratmetern zwischen der Kreisstraße 32, der Tenholter Straße und der Bundesbahn ein Agrarzentrum errichtet werden, unmittelbar vor den Toren Tenholts und in einem Schutzgebiet, einem Naherholungsgebiet der Stadt Erkelenz.

Als die Pläne im Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung vorgestellt wurden, fanden sie dort die volle Zustimmung der Kommunalpolitiker.

Jetzt regte sich bei den Tenholter Bürger Unmut über das geplante Projekt, das mittels eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes verwirklicht werden soll.

Mehrere RWG-Außenstellen sollen danach zusammengefasst werden.

Dazu kämen verschiedene Funktionen, wie Getreideerfassungs-, Trocknungs- und Lageranlagen für Kartoffeln, Düngemittel, Pflanzenschutzlager, Bürotrakt, Tankanlagen, Schüttboxen und ein Baustoffhandel.

Knackpunkt bei der sachlichen Diskussion der rund 60 Bürger waren die geplanten sechs Getreidesilos, deren Gesamthöhe mit fast 30 Meter für Verstimmung sorgte. Selbst wenn die unübersehbaren Silos nach Aussagen durch intensive Begrünung des Geländes dem gegenüberliegenden Gewerbe- und Industriegebiet Gipco harmonisch angepasst werden, wehren sich die Tenholter gegen diese Baumaßnahmen.

In den Widerstand sollen, wie Heinz-Rudi Heinze als Sprecher des Dorfausschusses erklärte, Bellinghoven, Teile der angrenzenden Innenstadt und eventuell auch Kückhoven mit einbezogen werden, die vom Staub und Lärm betroffen sind; abgesehen vom zunehmenden Straßenverkehr und die damit verbundene Gefährdung der Kinder, Fußgänger und Radfahren.

„Wir sind von dieser Maßnahme einfach überrollt worden”, sagte Heinze. Das Vorhaben bezeichnete Manfred Matz als großen Eingriff in Natur und Landschaft, den der Bürger nicht einfach hinnehmen sollte. Dem stimmte auch Ratsherr Peter Jansen zu, der sagte: „Da wird ein Recht gebrochen.”

Ob diese Baumaßnahme nötig sei, bezweifelte der Landhandel Zillekens, weil mit den Firmen Strauß und Rütten genügend Kapazitäten im Stadtgebiet von Erkelenz vorhanden seien. Von zusätzlichen 30 Arbeitsplätzen könne nicht die Rede sein. Bei einem Zusammenschluss würden eher Arbeitsplätze wegfallen.

Fast am Schluss der Diskussion erklärte Ratsherr Walter von der Forst, dass dieses Gelände bereits an die RWG verkauft sei.

Für einen Augenblick herrschte völlige Ruhe im Saal, ehe sich die Überraschung legte. Diese Erkenntnis formierte den Widerstand noch enger.

So wurden alle Bedenken notiert und die Bürger motiviert, an der Vorstellung und Erläuterung des Bebauungsplanes am 21. Januar, von 14 bis 16 Uhr, im Planungsamt (Stadtpassage), teilzunehmen. Danach soll in einer weiteren Versammlung der weitere Widerstand besprochen werden.

Zum Schluss lud Heimatforscherin Therese Frauenrath zu einer Reise in die Vergangenheit von Tenholt ein und listete die vielen Bürgerinitiativen der Tenholter Bürger auf, die von Erfolg gekrönt waren. Den mehrseitigen Beitrag hat sie dem Rat zukommen lassen.

Darin heißt es zum Schluss: „Sollte das Agrarzentrum in unmittelbarer Nachbarschaft des Dorfes wirklich das Jubiläumsgeschenk der Stadt sein zum 700-jährigen Bestehen des Dorfes, das in einigen Jahren gefeiert werden kann? Das kann doch wohl nicht wahr sein. Der Rat sollte die Einwände ernst nehmen und die Entscheidung noch einmal überdenken.”