Kreis Düren: Telefonseelsorge: Engagierte Hilfe für über 20.000 Anrufer im Jahr

Kreis Düren : Telefonseelsorge: Engagierte Hilfe für über 20.000 Anrufer im Jahr

Als die Telefonseelsorge Düren-Heinsberg-Jülich 1980 startete, nahmen 22 Ehrenamtliche rund 1150 Anrufe entgegen. 35 Jahre später hat sich die Zahl der Hilfe- und Ratsuchenden vervielfacht. Im Jahresbericht 2015 verweist die Telefonseelsorge auf 22.372 Anrufe, die von 60 ehrenamtlichen Mitarbeitern rund um die Uhr entgegengenommen wurden.

„Was damals wie heute gilt, dass Anrufende in ihrer Not am anderen Ende der Leitung auf einen Menschen zählen können, der ihnen zuhört und sie ernst nimmt“, betonen die Leiterin Margot Kranz und ihre Stellvertreterin Pfarrerin Kirsten Prey.

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Anrufe leicht rückläufig (-633). Ein Trend, der auch auf Bundesebene zu beobachten sei, heißt es im Jahresbericht. Und nicht jeder Anruf führt auch zu einem seelsorgerischen Gespräch. Das ist nur in 57 Prozent der Fall (12.861). Nicht selten ist, dass den Anrufer im letzten Moment doch noch der Mut verlässt, sich der fremden Stimme an anderen Ende der Leitung zu offenbaren.

So weist der Jahresbericht 308 Anrufe aus, bei denen geschwiegen wurde und knapp 6900, die vom Anrufer kurz nach Aufnahme des Gesprächs durch Auflegen beendet wurden. Und in knapp zehn Prozent der Fälle (gut 2300) wurde die Telefonseelsorge auch 2015 wieder missbräuchlich angerufen, als Scherz oder zur sexuellen Stimulation. Immer noch sind es vor allem Frauen, die sich an die Telefonseelsorge wenden. Ihr Anteil macht gut 58 Prozent aus. Aber 2015 ist die Zahl der Männer leicht gestiegen (um 1, 4 Prozent).

Die Themen, mit denen sich die Ratsuchenden an den anonymen Helfer am anderen Ende der Telefonleitung wenden, sind vielschichtig. An der Spitze steht die depressive Stimmung, gefolgt vom körperlichen Befinden, dem Leben in Einsamkeit oder Isolation und Problemen in den familiären Beziehungen. Dazu kommen ganz allgemein Ängste, Probleme mit dem und im täglichen Leben, aber auch Sorgen und Ängste mit Blick auf Sexualität und Partnerwahl.

Die meisten Seelsorgegespräche wurden im vergangenen Jahr mit Menschen zwischen 50 und 59 Jahren geführt (23,5 Prozent), gefolgt von den 30- bis 39-Jährigen (20,5) und 20- bis 29-Jährigen (14,7) Prozent). Aber auch Kinder (bis neun Jahre) und Jugendliche bis 19 Jahre wenden sich bereits an die Telefonseelsorge. Die Statistik weist für diese Altersgruppen 6,3 und 8,3 Prozent aus.

Aber nicht nur telefonisch werden Hilfesuchende beraten: Fünf ehrenamtliche und eine hauptamtliche Kraft betreuten im vergangenen Jahr die sogenannte Mailseelsorge. Von 85 Ratsuchenden gingen knapp 400 Mails ein, die — teilweise zusammengefasst — in 356 Mails beantwortet wurden. Die Mailseelsorge wird eher von jüngeren Menschen unter 30 Jahren kontaktiert. Neben depressiver Verstimmung gehören „Ängste“ und „Leben in der Partnerschaft“ hier zu den häufigsten Themen.

Während in jedem vierten Telefonat von den Anrufern eine bereits diagnostizierte psychische Erkrankung angesprochen wird, ist dies in den E-Mails eher selten der Fall. Viele Mail-Verfasser aber beschäftigen sich mit der Frage, ob sie psychisch erkrankt sind. Junge Frauen, so heißt es im Jahresbericht weiter, berichten in ihren E-Mails oft von selbstverletzenden Verhalten.

(ja)