Oberzier: Technikliebhaber mit Sammelleidenschaft

Oberzier : Technikliebhaber mit Sammelleidenschaft

Nein, es war kein Hörfehler. Willi Zehnpfennig hält einen kleinen Koffer in der Hand, den er als „Tefifon“ bezeichnet. Dabei handelt es sich weder um eine extravagante Variante eines Telefons noch um etwas, das mit Teflon beschichtet ist. Ein „Tefifon“ ist ein Wiedergabegerät, das in den 1930er Jahren auf den Markt kam.

Schallbänder, eine besondere Art elektromechanischer Tonträger, wurden darauf abgespielt. Die endlosen Kunststoffbänder drehten sich in einer handlichen Kassette, die Platz für bis zu vier Stunden Musik wie Schlager, Tanzmusik, Oper und Operette beinhaltete.

Willi Zehnpfennig besitzt gleich mehrere Ausgaben eines „Tefifons“. Und nicht nur sie. In einem der Kellerräume seines Hauses in Oberzier befinden sich mechanische und elektronische Apparaturen, die im vergangenen Jahrhundert zum Alltag zählten und heute als absolute Raritäten durchgehen.

Das Außergewöhnliche: Alle Sammelobjekte funktionieren einwandfrei und ohne Fehler. Der 76-jährige Sammler war von Beruf Dreher. Er arbeitete mehr als zwei Jahrzehnte bei der ehemals renommierten Firma Dörries in Mechernich-Vussem. Die Liebe zur funktionierenden Mechanik ist für ihn sportlicher Ehrgeiz. Willi Zehnpfennig: „Ich bin erst dann wirklich zufrieden, wenn alles wieder funktioniert. Das ist für mich einer der schönsten Momente überhaupt.“

Die Sammelleidenschaft entfachte schleichend. Die ersten Objekte rettete der Familienvater vor dem Sperrmüll. Als 1990 die Büros nach und nach auf Computer umgerüstet wurden, fielen Rechenmaschinen aus dem Firmenbestand heraus. Das, was bis zu diesem Zeitpunkt regelmäßig und mit höchster Sorgfalt gewartet wurde, verstaubte plötzlich unbeachtet in einer Ecke und landete irgendwann auf dem Müll.

Heute hortet der passionierte Musiker mehr als 80 Rechenmaschinen aus dem 20. Jahrhundert. „Rechenmaschinen waren früher in Betrieben Heiligtümer, und plötzlich waren sie nichts mehr wert“, erklärt Willi Zehnpfennig. Ebenso rettete er alte Schreibmaschinen. Heute nennt er beispielsweise das Modell „Adler Nr. 7“ sein Eigen. Bei „Adler Nr. 7“ fliegen die einzelnen Buchstaben nicht diagonal gegen das Papier. Bei dieser „Stoßstangen-Schreibmaschine“ schnellen die Buchstaben horizontal dem eingespannten Papier entgegen. Einen weiteren Kick, die Sammelleidenschaft auszubauen und zu professionalisieren, gab ein Geschenk zum 60. Geburtstag.

Jäger und Sammler

Damals erhielt der Technikliebhaber einen überholungsbedürftigen Lanz Bulldog, also eine ausgewachsene Landmaschine. Auch diesem gewichtigen Zeitzeugen widmete er sich ebenso mit Hingabe wie diversen betagten Mopeds, inzwischen sind es 15 an der Zahl.

Willi Zehnpfennig hätte jedoch mit Sicherheit nicht so einen großen, hochinteressanten Bestand, wenn nicht seine Ehefrau Margarete kräftig mitsammeln würde. „Wir sind beide Jäger und Sammler“, sagt das Paar synchron. Unzählige Flohmärkte haben die Zwei bereits durchstreift. Während sein Themenschwerpunkt die Technik ist, sucht der Blick von Margarete Zehnpfennig nach Zierrat, so etwa nach den berühmten Hummelfiguren. Was allerdings beiden wichtig ist: „Wir sammeln, was erschwinglich ist.“ Es wird gehandelt und getauscht, hohe Beträge wandern bei den Zehnpfennigs über keine Theke.

Wichtig ist zudem, dass die Objekte — die eben nicht als totes Material in irgendeiner Ecke verschwinden, sondern für die auch schon mal das eine oder andere Ersatzteil an der Drehbank in Willi Zehnpfennigs Werkstatt entsteht — Freude bereiten. Die Sammelleidenschaft geht bei Willi Zehnpfennig sogar über die eigenen Hausgrenzen hinweg. Seit 1990 gehört der rüstige Senior zum Initiativkreis „Denkmal Haus Horn“ ebenfalls ein kostbares Kleinod in Oberzier, was das Sammeln alter Gerätschaften angeht.