Hückelhoven-Ratheim: Teamgeist als Waffe gegen Drogen

Hückelhoven-Ratheim : Teamgeist als Waffe gegen Drogen

Nur ein einziges Mal den Lehrerkörper mit einem schnittigen Hüftwurf auf die Bretter schicken - das könnte in der Tat der heimliche Traum so manchen Schülers sein.

In der Dreifachturnhalle wurde er für einige besonders Mutige zur Wirklichkeit. Und das Beste: Bestrafungen jedweder Art waren vollkommen ausgeschlossen.

Zum Abschluss der Anti-Drogen-Aktionswoche der Realschule nämlich standen sich während der Kampfsportvorführung des Judoclubs Hückelhoven nur Freiwillige gegenüber. Offene Rechnungen wurden selbstverständlich nicht beglichen.

Ganz im Gegenteil: Die Judoka vermittelten den teilnehmenden achten Klassen ihr Verständnis von Disziplin, Teamgeist und Respekt vor sich sowie anderen. Alles Eigenschaften, die vor Drogenabhängigkeit schützen oder zumindest dabei helfen, Wege aus der Sucht zu finden.

„Ganz sanft anheben”, rät Ernst Henning, der Vorsitzende des Judoclubs und Träger des rot-weißen Meistergürtels (6. Dan). „So, als ob man ein Baby ins Bett legt.”

Trotzdem schallt ein dröhnender Knall durch die Halle, sobald einer der Kampfsportler nähere Bekanntschaft mit den vorsorglich ausgelegten Matten macht.

Weh tut das augenscheinlich nicht. Trotzdem rät der Meister zur Achtsamkeit. „Wir wollen ja alle gesund und heil nach Hause.” Wer Judo erlerne, der lerne fürs Leben, erfuhren die Achtklässler. Ums Führen gehe es in der sportlichen Ausbildung, aber auch ums Folgen, ebenso seien die Fähigkeit zum Ein- und Unterordnen gefragt.

Letztlich bestehe die Aufgabe darin, das eigene Ich klarer zu erkennen. Und woran erkennt man einen Judo-Meister? Auch darauf gab´s eine Antwort in einem Infoblatt: Seine Bewegungen sind leicht, locker, biegsam und rund, seine Reaktionen zupackend und schnell.

Judo vermittele jungen Menschen gegenseitige Achtung, wusste die Drogenberatungslehrerin Inge Hellmann, zugleich auch Projektleiterin. Jedes Jahr stellt die Realschule anlässlich der Anti-Drogen-Aktionswoche eine Sportart vor.

Im Verlauf des Projektes - seit zwei Jahren ist die Droge Alkohol ein Schwerpunktthema - setzen sich die Jugendlichen Fächer übergreifend mit den Gefahren der Sucht auseinander. ”Ohne Rausch geht´s auch!”

Im Kunstunterricht etwa stellten sie Ansteckbuttons mit eindeutigen Slogans her. Welche Bedürfnisse habe ich? Wo ist meine Tankstelle? Fragestellungen wie diese standen bei Religionslehrerin Sabine Meyer zum Farwig im Vordergrund. Eltern, Freunde und Geschwister können dabei helfen, die eigenen Akkus wieder aufzuladen, lautete ein Ergebnis aus den Diskussionen.

Nachhaltig beeindruckt zeigten sich die Schüler von dem Besuch ehemaliger Suchtkranker, die offen von ihrem Leben und Leiden erzählten. Projektpartner war die AOK sowie die Kriminalpolizei des Kreises Heinsberg.