Hückelhoven: Tablette findet den Weg ins linke Knie

Hückelhoven : Tablette findet den Weg ins linke Knie

Doktor Stratmann sagt viel, redet schnell und verfügt über ein enormes Fachvokabular. Ganz anders sein Alter Ego Josef.

Der ist Hausmeister, ein bisschen langsamer im Kopf und hat so einige Probleme mit der richtigen Anwendung der grammatikalischen Fälle - insbesondere was den Dativ angeht.

Beide „Seelen” des medizinisch ausgebildeten Kabarettisten kamen am Sonntagabend beim Aula-Publikum extrem gut an. Um im Fach-Jargon zu bleiben: Das von ihm freigesetzte Virus verbreitete sich schnell und jeder war akut ansteckungsgefährdet.

Über das Wissen eines „Insiders” verfügend, graste der Medikus humoristisch treffsicher den gesamten Gesundheitssektor ab, erzählte unter anderem leicht schwärmerisch vom erektilen Moment beim Umgang mit dem Stethoskop während seiner Studienjahre und klärte detailreich über die psychologischen Hintergründe des Diätenwahnsinns auf.

Manchmal, aber wirklich nur manchmal, ließ er seinem Publikum sogar Zeit zum Atemholen, zum Verarbeiten der aus seinem Mund schießenden Informationen. Gewiss, der subdepressive Arzt kennt sich aus mit seinen Zuschauern.

Oder wie er zu sagen pflegt: Patienten. Empörte Zuschauer nenne er diejenigen, die die Empörung gewissermaßen genetisch in sich trügen, denen es immer zu kalt oder zu warm, zu hell oder zu dunkel sei.

Dann gebe es da noch jenen Typus, der beim Einatmen vergesse, mit dem Lachen aufzuhören und dabei charakteristische Laute ausstoße. Hausmeister Josef, durch Ehefrau Inge erfahren in der Handhabe von Diäten, riet indes: Essen könne man alles.

„Hauptsache nich fettich . . .” - so auch der Titel des Programms. „Das wusste ich schon vor 30 Jahren. Klappt nur nicht!” Sogar den ultimativen Knackpunkt bei der wissenschaftlichen Entwicklung von Fastenkuren glaubte der Fachmann erkannt zu haben. „Der Mensch ist völlig anders als der Akademiker. Der Mensch kriegt Gelüste, perverse Gelüste.”

Im Grunde laufe die ganze Sache mit dem Zunehmen immer wieder nach dem unkomplizierten Schema F ab: „Fettzelle kommt rein in den Körper, schaut sich zweimal um und dann ab zu den Kollegen an den A . . !”

Die schlimmsten Patienten seien Lehrer, Sozialarbeiter und Journalisten, wusste der Heiler. Denn die könnten weder schweigen noch würden sie sich den einfachsten hierarchischen Strukturregeln in einer Arztpraxis anpassen.

„Ein bisschen Unterwürfigkeit steht auch Ihnen gut zu Gesicht”, so Stratmanns grundsätzliche Meinung. Sein aufrichtiger Rat: „Geben Sie Ihrem Arzt das Gefühl, eine schwierige Diagnose selbst gestellt zu haben.”

Darüber hinaus solle man dem Therapeuten seines Vertrauens die Freude an der lateinischen Sprache lassen. Er habe es ja schließlich auch nicht einfach. Zum Beispiel bei unbedarften Fragestellungen wie „Doktor, weiß die Tablette, dass sie zum linken Knie muss?”

Stratmann konnte sich noch sehr gut erinnern, wie es ist, wenn die Untersuchung des hinteren Rachenraumes durch herabfallende Obergebisse zur Gefahr wird, oder wenn beispielsweise sozialschmarotzerische Frührentner überzogene medizinische Luxusausstattungen in Form von Kloranderhöhungen fordern.

Dennoch hat der Doktor seinen Glauben an das Gute nicht verloren. Er wird ganz sicher weiter praktizieren...