Hückelhoven/Jülich: Synode fordert Stopp der Rodungen im Hambacher Wald

Hückelhoven/Jülich : Synode fordert Stopp der Rodungen im Hambacher Wald

Die Kreissynode des evangelischen Kirchenkreises Jülich hat bei ihrer Tagung am Samstag in Hückelhoven mit großer Mehrheit einen Initiativantrag beschlossen, der einen Stopp der Rodungen im Hambacher Forst fordert.

Im Gespräch mit der Presse erläuterte Superintendent Jens Sannig, dass der Antrag RWE und die Landespolitik auffordere, die Ergebnisse eines Koalitionsvertrages auf Bundesebene abzuwarten. Es sei absehbar, dass eine Reihe von Kohlekraftwerken stillgelegt werden müsse, um die Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen. Energiepolitisch könne auf den Abbau des letzten Teils der Hambacher Kohle verzichtet werden, zeigte sich Sannig überzeugt. Gefordert werde in dem Antrag eine „Atempause“, die auch der Deeskalation diene und Zeit schaffe für klimapolitisch verantwortbare Entscheidungen.

Eine Rodung und eine Räumung der Baumhäuser bedeuteten für die Polizisten wie für die jungen Menschen eine Gefahr für Leib und Leben. Der Superintendent und die Kreissynode sprachen sich ausdrücklich gegen jede Form von Gewalt in der Auseinandersetzung um den Hambacher Wald aus.

Für den Kirchenkreis gelte das Prinzip des „prophetischen Wächteramtes“, das die Kirche verpflichte, sich zu Wort zu melden, wenn die Lebenswirklichkeit der Botschaft der Kirche widerspreche. Dies betreffe auch die Sorge um einen Rechtsruck in der Gesellschaft und den Umgang der evangelischen Kirche mit der AfD. Die Sorgen der AfD-Wähler müsse die Kirche ernstnehmen.

„Die AfD regiert bereits mit“, erklärte Sannig und verwies auf eine Verschärfung des Tons in Grundsatzfragen, wie dem Umgang mit Flüchtlingen. Da habe sich die Synode klar gegen Obergrenzen und „menschenunwürdige Methoden“ an den EU-Außengrenzen ausgesprochen. Im Kirchenkreis Jülich befinden sich derzeit 35 Personen im Kirchenasyl, Tendenz steigend, so war zu erfahren.

Auch das zurückliegende Reformationsjahr wurde von der Synode beleuchte. Gemeinsam mit den Kirchenkreisen Aachen, Gladbach-Neuss und Krefeld-Viersen hatte der Jülicher Kirchenkreis als „Kleeblatt“ Veranstaltungen angeboten. Beim Fest der Begegnung im September im Jülicher Brückenkopfpark waren rund 5000 Besucher gezählt worden. In den Gemeinden habe es ein vielfältiges Programm gegeben, wobei Sannig vor allem die Schwanenberger Gemeinde für ihr Theaterstück „Anders glauben“ hervorhob.

Aus­drücklich betonte die Synode, dass eine weitere Zusammenarbeit in Form von Projekten mit den drei Kleeblatt-Gemeinden gewünscht sei. Die Angebote seien ökumenisch ausgerichtet, eine Vertiefung der Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche werde angestrebt. „Kirche wird als Einheit wahrgenommen“, betonte Sannig. „Doch Ökumene ist ein zartes Pflänzchen, mit dem man behutsam umgehen muss.“ Viele Streitfragen wie die des gemeinsamen Abendmahls seien noch nicht gelöst.

Der Haushaltsplan des Kirchenkreises Jülich für 2018 sieht Einnahmen und Ausgaben in Höhe von rund 10,8 Millionen Euro vor. Finanziert werden davon auch die Leistungen der Sozialdiakonie wie Jugend- und Sozialarbeit, Telefon- und Notfallseelsorge sowie Gemeinde- und Flüchtlingsarbeit.

Die Sommersynode im kommenden Jahr soll eine Friedenssynode werden, kündigte Sannig an. Dabei werde dem Ende des Ersten Weltkrieges im Jahr 1918 gedacht, aber auch dem Beginn des 30-jährigen Krieges im Jahr 1618.

(hewi)