Kreis Heinsberg: Suchtmittel sind größtes gesundheitliches Risiko

Kreis Heinsberg : Suchtmittel sind größtes gesundheitliches Risiko

Der im Kreishaus vorgestellte Jahresbericht 2011 der Suchtberatungsstellen des Gesundheitsamtes Kreis Heinsberg zeigt die umfangreichen Tätigkeitsfelder der Beratungsstellen in Heinsberg, Erkelenz und Geilenkirchen auf.

„Die Dimensionen des Problems der Abhängigkeitserkrankungen der letzten Jahre haben sich in keiner Weise vermindert”, stellt Dr. Karl-Heinz Feldhoff, Leiter des Gesundheitsamtes, in seinem Vorwort zum Jahresbericht klar. Der Missbrauch von legalen oder illegalen Suchtmitteln habe sich in Deutschland zu einem der größten gesundheitlichen Risikofaktoren entwickelt.

Dieser Trend aus den letzten Jahren setze sich unvermindert fort, zumal auch ein immer wieder behaupteter Zusammenhang zwischen den sozialen Problemstellungen und dem Abgleiten in Suchtverhalten zu beobachten sei.

Die Initiativen, die im Rahmen der Suchtprävention in den letzten Jahren im Kreis Heinsberg unternommen worden seien, hätten durch die konzertierten Anstrengungen von allen der Prävention Verpflichteten im Jahr 2011 gute Früchte getragen, so Dr. Feldhoff. Die Zahl der ins Krankenhaus eingewiesenen alkoholbedingten Zusammenbrüche (das Komasaufen) während der Karnevalstage hat sich kreisweit von 50 in 2011 auf 40 in 2012 reduziert.

In Erkelenz hatten die gemeinsamen Anstrengungen aller Beteiligten zur einer Reduzierung von 60 Prozent geführt. Von 25 in 2011 wegen Volltrunkenheit ins Erkelenzer Krankenhaus eingelieferter junger Menschen war die Zahl zu Karneval 2012 auf zehn gesunken.

Unverständnis zeigte der Leiter der Suchtberatungsstellen des Gesundheitsamtes, Wolfgang Sommer, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, mit Blick auf den Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen gegenüber Diskotheken, die dem sogenannten „Vorglühen” durch Preisanpassungen begegnen.

Jugendliche und junge Erwachsene, die sich den teuren Alkohol in der Disco nicht leisten können, verschaffen sich mit billigem Hochprozentigem vor dem Discobesuch den gewünschten Alkoholspiegel.

Johannes Müller, als Sozialpädagoge tätig in der Beratungsstelle Erkelenz, riet, einmal um eine Disco am Montagmorgen herumzugehen und die stattliche Zahl der leeren Flaschen zu zählen, die mit hochprozentigem Alkohol gefüllt waren. Da ist der 1-Euro-Wodka oder der Meter-Bier in der Disco doch noch zu teuer.

Ilona van Halbeek, zuständig für die Suchtprävention beim Gesundheitsamt, hofft für 2013 auf ein Euregio-Projekt, dass das Konsumverhalten von Schülern der Klassen 8 und 10 in Belgien, den Niederlanden und Deutschland in Sachen Nikotin, Alkohol, illegaler Drogen und der noch wenig erforschten „Medienabhängigkeit” untersuchen wird.

Die Fachwelt ist sich noch nicht einig darüber, ob stundenlanges Computerspielen süchtig macht. Jugendliche, so hat Ilona van Halbeek in ihren Gesprächen festgestellt, würden aber, angesprochen auf Suchtmittel, gleich nach den legalen und illegalen Drogen den Computer als süchtig machend einstufen. Ilona van Halbeek: „Nehmen Sie einem Jugendlichen nur mal sein Handy weg.”

Fünfeinhalb Stellen kümmern sich zurzeit beim Kreis Heinsberg um die Süchtigen und Suchtgefährdeten. Die Stellen werden wohl nicht mehr, eher weniger werden, auch wenn es im Jahresbericht heißt: „Im Vergleich zum Vorjahr gab es keine signifikanten Veränderungen, außer dass in fast allen Bereichen die Fallzahlen angestiegen sind.” Das ginge schon mal zu Lasten der Qualität der Beratung. räumt Sozialpädagoge Johannes Müller ein.

Im Projekt GigA (Gemeinsam initiativ gegen Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen, befristet bis 2013) unter Beteiligung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und des Landschaftsverbands Rheinland ist der Kreis Heinsberg einer der sechs Modellstandorte in Nordrhein-Westfalen, bei dem ein besonderes Augenmerk auf die Vernetzung und den Transfer von Präventionsmaßnahmen gelegt wird.

Klientenzahl erreicht 2011 Rekordniveau

Die Klientenzahl der Suchtberatungsstellen des Gesundheitsamtes in Heinsberg, Erkelenz und Geilenkirchen stiegen 2011 auf Rekordniveau.

Beraten wurden 300 Alkoholiker, 435 Drogenabhängige und 277 Personen mit unterschiedlichem Suchtverhalten.