Strafmaß in der Berufung reduziert

Strafmaß in der Berufung reduziert

Aachen (an-o) - Sein Geständnis brachte einem 45-jährigen Metzger und Wunderheiler zumindest zum Teil die Milde der 3. Kleinen Strafkammer am Aachener Landgericht. Die vom Amtsgericht Geilenkirchen ausgesprochene Haftstrafe wurde reduziert und zur Bewährung ausgesetzt.

Zur Vorgeschichte: Der Frührentner aus Waldfeucht, der bis Anfang Januar wegen Schizophrenie und paranoider Angstzustände auch in stationärer Behandlung in Gangelt war, ist im August vom Amtsgericht Geilenkirchen wegen achtfachen Betrugs - in zwei Fällen in Tateinheit mit Verstoß gegen das Heilpraktikergesetz - zu einer zweijährigen Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt worden. Er hatte sich gegen Bezahlung als Wahrsager und Kartenleger betätigt, und er hatte einer psychisch labilen Frau mehrfach Geld abgeknöpft: Angeblich zur Bestechung von Polizisten, die hinter ihrem Freund her waren, angeblich zur eigenen Fortbildung als Magier, damit er ihre kaputte Beziehung wieder kitten konnte. Er hatte ihr die Hand aufgelegt;auf Kopf und Brust, um sie zu reinigen.

Er hatte einer anderen Frau gegen Zahlung von 5600 Mark einen Millionengewinn im Lotto versprochen, der allerdings nicht eintrat. Gegen das Urteil hatte der als magischer Metzger bekannt gewordene Mann Berufung eingelegt, so dass sich die Beteiligten nun vor dem Landgericht wiedertrafen. Zu Beginn der Hauptverhandlung beschränkte Rechtsanwalt Krings nach Belehrung durch den Vorsitzenden Richter den Berufungsantrag auf das verhängte Strafmaß. Anders herum: Der Verurteilte erkannte seine Schuld an und legte somit ein Geständnis ab.

Leichtgläubige Opfer

Somit ging es nur noch um die Frage, wie hoch der Angeklagte zu betrafen ist. Dass er in letzter Zeit Stimmen höre, wollte Richter Beneking nicht als strafmindernd gelten lassen: "Oder hat Ihnen eine Stimme gesagt, dass Sie diese Frau über den Tisch ziehen sollen?" Dass er psychisch labile Menschen ausgebeutet habe, sei einerseits strafverschärfend, andererseits wegen der frappierenden Leichtgläubigkeit der Opfer aber auch strafmildernd: "Die Sache mit den Lottozahlen ist für einen gesunden Menschen schon nicht mehr nachvollziehbar."

Das Vorstrafenregister habe zwar viele Einträge, die letzte schwere Straftat - ein gemeinschaftlicher Raub, für den der Angeklagte 34 Monate im Gefängnis saß - liege über 20 Jahre zurück.So stellte Richter Beneking eine positive Sozialprognose und führte als Milderungsgründe seine Frühverrentung, seine Schizophrenie und sein Geständnis an. Im Ergebnis wurden zwei Einzelstrafen reduziert, die Gesamtstrafe auf ein Jahr und neun Monate auf Bewährung festgesetzt. "Ich gehe davon aus, dass Sie nicht mehr in Erscheig treten", hoffte der Richter abschließend. Ob sein Wunsch auch Wirklichkeit wird, hängt nicht zuletzt von seinen Kollegen ab: Vor dem Schöffengericht Düren ist ebenfalls ein Betrugsfall angeklagt, weitere Zuhörer der Verhandlung, die sich ebenfalls durch das Wirken des 45-Jährigen geschädigt fühlen, haben auch Strafanzeigen angekündigt.