Heinsberg: Stolz auf den liebenswürdigen Titel „Selfkantdom”

Heinsberg : Stolz auf den liebenswürdigen Titel „Selfkantdom”

Sie ist wohl das bedeutendste Kultur- und Baudenkmal im Heinsberger Land, die Stifts- und Propsteikirche St. Gangolf. Sie ist eines der 6500 deutschen Baudenkmäler, die am „Tag des offenen Denkmals” ihre Tore öffneten.

Was lag für Propst Albert Honings näher, als eine Führung durch das Kirchengebäude anzubieten? Vielfach werde St. Gangolf auch als „Selfkantdom” bezeichnet, sagte der Propst. Dies entspreche zwar nicht seiner geografischen Lage, aber man sei stolz auf diesen liebenswürdigen Titel.

Bevor Propst Honings die Kunstwerke der Kirche vorstellte, gab er eine Darstellung der wechselvollen Geschichte des Gotteshauses.

Sehr aufschlussreich waren die nach dem Krieg durchgeführten Grabungen innerhalb der Kirche. Aber man kam zu überraschenden Ergebnissen. Gefunden wurden nicht nur die Fundamente der ersten Kirche, sondern es wurden auch 195 Grablegungen festgestellt.

In größerer Tiefe fand man noch vier weitere Gräber aus der Zeit um 1000, die eventuell auf eine noch ältere Kirche hinweisen oder gar auf eine heidnische Kultstätte.

Die romanische Kirche war zu Beginn des 15. Jahrhunderts derart baufällig geworden, dass man sich zum Neubau einer Kirche im spätgotischen Stil entschloss.

Beim Bombenangriff vom 16. November 1944 trug St. Gangolf so schwere Beschädigungen davon, dass die Idee auftauchte, die Ruine in diesem Zustand als Mahnmal zu belassen.

Mit einer Stimme Mehrheit entschloss man sich jedoch für den Wiederaufbau. Und die Heinsberger Bürger folgten in großer Zahl einem Aufruf von Propst Josef Gaspers, die Kirche zunächst einmal vom Schutt zu befreien und zogen, bewaffnet mit Schaufeln und Schubkarren, den Kirchberg hinauf, um den ersten Schritt zum Wiederaufbau ihres Gotteshauses zu tun.

Voller Dankbarkeit erwähnte Propst Honings die Verdienste seines Vorgängers Wilhelm Krüppel. Dieser erwies sich als ein entschiedener Gegner der damaligen Pläne, der Kirche eine flache Decke zu geben.

Propst Albert Honings setzte das Aufbauwerk seiner Vorgänger fort und führte es durch den Bau einer neuen Orgel, die Verglasung der Fenster, die Neugestaltung des Altarraumes und die Ausmalung der Kirche zur Vollendung hin.