Städteregion: Städteregionstag: Ulla Thönnissen ist Chefin der CDU-Fraktion

Städteregion : Städteregionstag: Ulla Thönnissen ist Chefin der CDU-Fraktion

Erst vor etwa zehn Jahren ist Ulla Thönnissen in die CDU eingetreten. Nur vier Jahre später zog sie über die Reserveliste in den Städteregionstag ein und wurde gleich zur Vize-Fraktionsvorsitzenden und zur sozialpolitischen Sprecherin ihrer Fraktion gewählt.

2014 holte sie ihren Wahlkreis dann direkt. Was „schon eine kleine Sensation war“, wie sie verschmitzt lächelnd feststellt, gilt der Aachener Osten doch nicht gerade als CDU-Hochburg. Doch den hat die Parteivorsitzende — an der Spitze der kaiserstädtischen Christdemokraten steht sie seit 2012 — geknackt. 2014 zog sie auch in den Aachener Stadtrat ein. Gestern Abend folgte ein weiterer Karriereschritt: Ulla Thönnissen wurde zur Vorsitzenden der CDU-Fraktion im Städteregionstag gewählt (25 Ja-, 2 Nein-Stimmen) und tritt die Nachfolge von „Urgestein“ Dieter Wolf an.

Welch ein rasanter Aufstieg! „Joo“, sagt Ulla Thönnissen, „aber ich habe auch echt viel dafür gearbeitet.“ Dieter Wolf, der die Kreistags- bzw. Städteregionstagsfraktion der Christdemokraten 21 Jahre geführt hat, habe sie von Anfang an in alle Themen eingearbeitet und zu allen Terminen mitgenommen. „Er hat mich nicht geschont“, erinnert sie sich an die ersten Jahre im Städteregionstag.

Abgeschreckt hat sie das keineswegs. Im Gegenteil: „Mir macht Politik richtig Spaß“, sagt die 51-jährige Diplom-Pädagogin, die seit einigen Jahren ein Unternehmen mit inzwischen 20 Beschäftigten im Bereich ambulant betreutes Wohnen für psychisch Kranke und Suchtkranke sowie gesellschaftliche und berufliche Eingliederung von Schwerbehinderten führt. Sie werde oft gefragt, wie sie das alles schaffe und ob ihr die Firma nicht reiche, sagt Thönnissen. „Ich habe natürlich gute Leute im Unternehmen, nur deswegen kann ich mir die Politik leisten. Ich kann gut Netzwerke stricken.“ Das hilft ihr im Beruf und in der Politik, die längst zum ehrenamtlichen Fulltime-Job geworden ist. Zu einem, der Ulla Thönnissen viel Freude bereitet.

„Es hat schon seinen Reiz, die Fäden zusammenzuhalten“, sagt sie mit Blick auf die Städteregion und die Stadt Aachen. „Und ich gestalte gerne.“ Das gelinge am besten, wenn man in beiden Parlamenten sitze, ist sie überzeugt. Die Städteregion und Aachen seien eine Einheit, stellt sie klar, auch wenn Aachen in Teilen eine Sonderrolle spiele. Sorge, dass sie durch ihre führende Rolle in beiden Gremien mal in einen Interessenkonflikt gerät, hat Ulla Thönnissen nicht. „Klar kann es an der ein oder anderen Stelle mal schwierig werden, weil es unterschiedliche Positionen zwischen der Städteregion und der Stadt Aachen gibt. Aber die gibt es auch zwischen den Kommunen im Norden und denen im Süden der Städteregion. Politik ist ein Geben und Nehmen. Da muss man Kompromisse finden. “ Außerdem: „CDU-Politik ist CDU-Politik, egal ob in der Stadt Aachen oder in der Städteregion.“

Dass die CDU ihre politische Heimat ist, ist Ulla Thönnissen schon früh klar gewesen, „abgesehen von einer kurzen, rebellischen Sturm- und Drangphase nach dem Abitur“, erzählt die Mutter zweier erwachsener Söhne. Vor allem ihre Tante habe sie geprägt, die lange in Koblenz Stadträtin war. „Ich war in den Schulferien oft bei ihr und sie hat mich zu Sitzungen mitgenommen.“ Auch ihr Vater war lange in der CDU aktiv. Gespräche über Politik waren in der Familie an der Tagesordnung.

Sie selbst ist erst verhältnismäßig spät in die Politik eingestiegen. Sie habe erst studiert, die beiden Kinder bekommen und, als die „aus dem Gröbsten raus waren“, ihr Unternehmen gegründet. In der praktischen Arbeit habe sie dann gemerkt, dass politisch „vieles nicht so gemacht wird, wie es in der Praxis gebraucht wird“. Und da sie niemand ist, der denkt: „Da müsste mal jemand“, sondern jemand, der gestalten will und Ideen hat, auch wenn die sich nicht immer verwirklichen lassen, ist sie politisch aktiv geworden. Zielstrebig, aber unaufgeregt ist sie ihren Weg gegangen.

Jetzt steht Ulla Thönnissen, die sich selbst als „Überzeugungstäterin“ bezeichnet, an der Spitze der städteregionalen CDU-Fraktion. Weht da künftig ein anderer Wind? „Ich habe sicherlich einen anderen Stil als Dieter Wolf. Er hat eine Superarbeit gemacht und mich sehr gefördert“, sagt Thönnissen. „Aber in den letzten sechs Jahren war ich ja auch schon mit in der Verantwortung, wenn auch in der zweiten Reihe.“, fügt sie selbstbewusst an. Um mehr junge, im Beruf stehende Menschen — insbesondere auch Frauen — für die Politik zu gewinnen, müsse man sicher über eine Straffung von Diskussionsprozessen und Sitzungen nachdenken. Aber das werde sie behutsam angehen. Dieter Wolf werde es gelingen, sich zurückzunehmen und sie gewähren zu lassen, ist sie überzeugt. „Aber ich bin mir auch sicher: Wenn ich seinen Rat brauche, ist er für mich da.“