Städteregion: Städteregionale Gesellschaft braucht bald neuen Geschäftsführer

Städteregion : Städteregionale Gesellschaft braucht bald neuen Geschäftsführer

Im Leben ist bekanntlich alles endlich. Das gilt auch für den Vertrag von Professor Axel Thomas. Mit der Auflösung der städteregionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) zum 31. Juli endet konsequenterweise auch dessen Engagement als Geschäftsführer. Das Ansiedlungsmanagement der Städteregion wird ab diesem Tag als Dienstleistung von der Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (Agit) übernommen.

Andere Bereiche wurden oder werden in die städteregionale Verwaltung integriert. Das hat die Politik im vergangenen Jahr frühzeitig beschlossen.

Zu einem anderen wesentlichen Punkt gibt es hingegen bis dato keine Entscheidung: Die Geschäftsführung der Sprungbrett gGmbH muss zum 1. August neu besetzt werden. Denn wie bei der WFG ist für Axel Thomas auch dort in knapp zwei Monaten Schluss. Was das für die gemeinnützige Gesellschaft, die eine hundertprozentige Tochter der Städteregion ist und deren Schwerpunkt auf der schulischen Sozialarbeit liegt, bedeutet, kann (oder will) derzeit offenbar niemand sagen.

Königs: Im „Beratungsstadium“

Axel Thomas betont, dass dies nicht in seinem Verantwortungsbereich liege. Städteregionsrat Helmut Etschenberg verweist lediglich auf einen noch gültigen Vertrag des aktuellen Geschäftsführers. Und der Sprungbrett-Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Königs sieht die Sache in einem „Beratungsstadium“ und kündigt gegenüber unserer Zeitung eine Entscheidung im Laufe des Junis an.

Andere Aufsichtsratsmitglieder, die namentlich nicht genannt werden wollen, erwarten hingegen eine längere „Hängepartie“ und gehen davon aus, dass bis zum 31. Juli keine dauerhafte Lösung gefunden werden wird. So verwundert es nicht, dass derzeit ganz unterschiedliche Versionen über eine kurz- oder langfristige Lösung durch das Städteregionshaus geistern.

Zum Beispiel die, dass Axel Thomas trotz seines zukünftigen Engagements bei einem bekannten regionalen Energieversorgungsunternehmen von einer vorübergehenden Fortführung der Geschäftsführung überzeugt werden soll. Dem Vernehmen nach wäre das übergangsweise möglich, weil Thomas‘ neue Stelle keine volle sein wird.

Eine andere Option könnte sein, dass Frank Numan quasi in die Bresche springt. Numan ist Geschäftsführer des interkommunalen Vereins für allgemeine und berufliche Weiterbildung (VabW) und als solcher in den vergangenen zwei Jahren vielfach mit der Idee einer Zusammenlegung von VabW und Sprungbrett gGmbH konfrontiert worden.

Sie stammt aus dem im Herbst 2015 von Helmut Etschenberg vorgestellten Strukturkonzept, wurde vor allem im vergangenen Jahr sehr kontrovers diskutiert, aber letztlich vom Städteregionstag im Juli 2017 offiziell verworfen — wegen „unvereinbarer Positionen“ der beiden Seiten, wie es im einstimmig gefassten Beschluss offiziell begründet wurde.

Dass zumindest eine Kooperation trotzdem nicht gänzlich vom Tisch ist, belegt die nicht öffentliche Vorlage, die nach den Vorberatungen im Wirtschafts- und im Städteregionsausschuss am 5. Juli noch einmal Thema im Städteregionstag sein wird. In dieser kritisiert die Verwaltung, dass der VabW trotz einer von Sprungbrett im Oktober 2016 und Januar 2017 jeweils schriftlich formulierten Bitte kein Angebot für eine mögliche Übernahme von „Geschäftsversorgungsaufgaben einschließlich Geschäftsführungsaufgaben sowie sämtlicher Verwaltungsaufgaben“ abgegeben habe.

Bei Frank Numan sorgt das für erhebliche Irritationen. „Wir waren zum damaligen Zeitpunkt in einem intensiven Austausch mit der Städteregion zum Strukturkonzept“, gibt der VabW-Geschäftsführer auf Anfrage zu bedenken. Außerdem sei die Städteregion bis heute nicht an den Verein herangetreten — „weder direkt noch als Gesellschafter des VabW“, so Numan weiter.

Bei einem ernsthaften Interesse werde sich der Verein für allgemeine und berufliche Weiterbildung aber nicht verweigern. „Dann werden wir gemeinsam nach einer Lösung suchen, die im Sinne der Städteregion ist und keine zusätzlichen Belastungen für den VabW mit sich bringt.“

Ob es dazu tatsächlich kommt, bleibt abzuwarten. Zu den weiteren Optionen zählt dem Vernehmen nach schließlich auch, die Geschäftsführung extern neu auszuschreiben und zu vergeben oder die Aufgaben einem städteregionalen Mitarbeiter zu übertragen, der dafür in Teilen freigestellt bzw. abgeordnet wird. Man darf gespannt sein, wann und wie die Geschichte weitergehen wird. Gänzlich auf Axel Thomas verzichten wird die Städteregion wohl nicht müssen. Denn wie aus gut informierter Quelle zu hören ist, will er auch über den 31. Juli hinaus Geschäftsführer der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (GWG), deren Mehrheitsgesellschafterin die Städteregion ist, bleiben.

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