Städteregion: Städteregion will in sozialen Wohnungsbau investieren

Städteregion : Städteregion will in sozialen Wohnungsbau investieren

Preiswerter Wohnraum ist knapp. Deshalb will der Städteregionstag ein „100-Wohnungen-Programm“ auf den Weg bringen. Zwei Millionen Euro werden der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (GWG) der Städteregion dafür in diesem Jahr zur Verfügung gestellt. Geld, das aus dem Verkauf von RWE-Aktien kommen soll.

Das hatten CDU und Grüne im Zuge der Haushaltsverabschiedung 2018 vorgeschlagen, und so hat es der Städteregionstag dann auch beschlossen.

Bauland ist knapp in der Städteregion: Große Neubaugebiete wie in Baesweiler (Bild oben) werden nur noch wenige ausgewiesen. Um preiswerte Mietwohnungen wie in Würselen (Mitte) anbieten zu können, muss GWG-Geschäftsführer Prof. Axel Thomas kreativ sein. Foto: Geese

Für den Bau von 100 neuen Wohnungen werden die zwei Millionen Euro allerdings nicht reichen, sagt GWG-Geschäftsführer Prof. Axel Thomas, allenfalls für etwa 50. Thomas rechnet so: „Mit zwei Millionen Euro kann man im Gegenwert von sechs bis acht Millionen Euro bauen. Man braucht ja eine solide Eigenkapitalquote von 25 bis 30 Prozent.“

Bauland ist knapp in der Städteregion: Große Neubaugebiete wie derzeit in Baesweiler (Bild oben) werden nur noch wenige ausgewiesen. Um preiswerte Mietwohnungen wie in Würselen (Bild Mitte) anbieten zu können, muss GWG-Geschäftsführer Prof. Axel Thomas kreativ sein und beispielsweise nach Baulücken suchen. Foto: Jutta Geese

Mit 7,5 Millionen Euro könne man inklusive Grundstückskosten 50 etwa 60 Quadratmeter große Wohneinheiten bauen. Wenn also 100 neue Wohnungen das Ziel seien, müsse das Programm im Laufe der Zeit aufgestockt werden.

Bauland ist teuer

Noch sind die zwei Millionen Euro nicht auf dem GWG-Konto, die Aktien sind noch nicht verkauft. Aber das macht nichts. Denn schnell loslegen mit dem Bauen kann die GWG ohnehin nicht. Es gibt nämlich, so Thomas, ein Problem: Bauland ist in der Städteregion knapp und damit richtig teuer. Das führt zu einem Dilemma: Einerseits fordern die Kommunen mehr Initiativen für den sozialen Wohnungsbau, andererseits erschweren sie diesen zum Teil, indem sie Bauwilligen nicht beim Kaufpreis entgegen kommen.

„Kommunen haben aber die Möglichkeit, nicht automatisch den Spitzenpreis aufzurufen, wenn sie Grundstücke verkaufen“, sagt Thomas. Laut Kommentar des Innenministeriums zum Kommunalen Finanzmanagement sei die immer dann möglich, wenn dadurch soziale Zwecke erfüllt — und dazu gehöre der soziale Wohnungsbau. „Einige Kommunen sind dazu bereit, andere halten sich da noch bedeckt“, sagt Thomas. „Das macht es schon schwierig.“

Nichtsdestotrotz sind Thomas und sein Team stets auf der Suche nach potenziellen Baugrundstücken. Auf große zusammenhängende Neubaugebiete, wie derzeit eines in Baesweiler erschlossen wird, können sie dabei kaum setzen. „Dort sind wir aber auch aktiv und bauen neun Wohneinheiten“, sagt Thomas, unabhängig von dem Zwei-Millionen-Programm.

Vielmehr schaut die GWG schon seit einigen Jahren verstärkt nach Baulücken in eigenen Liegenschaften, die sie füllen kann, oder nach Bereichen, wo sie „nachverdichten“ kann. Das sind in der Regel Grundstücke, auf denen in früheren Jahren Häuser mit sehr großen Gärten gebaut worden sind, die so nicht mehr benötigt werden.

Mehrere Standorte im Visier

Zurzeit hat die GWG Grundstücke in Aachen, Alsdorf, Baesweiler, Herzogenrath, Würselen und Roetgen im Visier, auf denen sie gerne bauen würde. „Wir prüfen gerade, ob die tatsächlich in Frage kommen.“ Auch aus wirtschaftlicher Sicht. Bauen möchte Thomas Mehrfamilienhäuser mit mindestens zwölf Wohnungen unterschiedlicher Größe, natürlich alle barrierefrei. „Darunter wird es eng“, sagt er.

Mehrfamilienhäuser müssen heute zum Beispiel einen Aufzug haben, sagt er. „Die Betriebskosten dafür, die auf die Mieter umgelegt werden, sind aber gleich, ob da sechs oder 20 Wohnungen dranhängen.“

Dass die Politik der GWG zwei Millionen Euro für den Wohnungsbau zur Verfügung stellt, empfindet Thomas als „große Verantwortung“, zumal dafür Aktien verkauft werden. „Das baut schon einen gewissen Druck auf. Mit dem Geld müssen wir noch sorgfältiger umgehen als wir es ohnehin tun.“

Soziale Aspekte

Dazu gehört für Thomas beispielsweise, auf soziale Aspekte zu achten. Etwa dass in einem Haus nicht nur einkommensschwache Familien wohnen, sondern auch Familien mit Durchschnittseinkommen, die ja ebenfalls preiswerte Wohnungen brauchen. „Soziale Durchmischung“ nennen Experten das. So soll verhindert werden, dass Menschen aufgrund ihrer Adresse diskriminiert werden.

Schöner Nebeneffekt dabei: Das Bauen wird wirtschaftlicher. Denn für frei finanzierte Wohnungen kann der Vermieter — in diesem Fall die GWG — eine höhere Miete verlangen als beim öffentlich geförderten sozialen Wohnungsbau. Diese Fördermittel kann übrigens jeder in Anspruch nehmen, nicht nur gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften. Thomas: „Wir sind da nur ein Antragsteller unter vielen und haben keinerlei Wettbewerbsvorteil.“

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