Städteregion: Städteregion: Unfallzahlen 2017 in fast allen Bereichen zurückgegangen

Städteregion : Städteregion: Unfallzahlen 2017 in fast allen Bereichen zurückgegangen

Ausnahmen bestätigen die Regel. Das Sprichwort ist im vorliegenden Zusammenhang allerdings mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Denn wenn Polizeipräsident Dirk Weinspach, wie am Freitag bei der Vorstellung der Unfallstatistik für das Jahr 2017 geschehen, sagt, dass er „ganz überwiegend nur positive Zahlen“ verkünden kann, dann gilt das in erster Linie im Vergleich zum vorherigen Jahr.

Ob es sich dabei um eine langfristige Entwicklung handelt, muss hingegen abgewartet werden. Fest steht in jedem Fall: Die Zahl der Verkehrsunfälle im Zuständigkeitsbereich des Aachener Polizeipräsidiums ist 2017 gegenüber dem Vorjahr um 2,81 Prozent zurückgegangen. 11.990 gab es im Stadtgebiet Aachen, 9273 im Altkreis. Noch deutlicher fällt der Rückgang bei den Unfällen mit Verletzten aus: Das Minus von 12,6 Prozent bedeutet unterm Strich aber immer noch 1774 (2016: 2021) Unfälle mit Schwer- (279) oder Leichtverletzten (1495).

Zwei Ausreißer gibt es, rein statistisch betrachtet, und einer davon springt sprichwörtlich ins Auge: 38,1 Prozent mehr Verkehrsunfälle auf dem Schulweg haben dafür gesorgt, dass die Polizei ihre Präventionsarbeit in diesem Feld in den kommenden Monaten weiter intensivieren will. Das gilt in erster Linie für den Nordkreis, der bei der Unfallhäufigkeit besonders ausfällt.

Anders als in der Stadt Aachen und im Südkreis gibt es in Baesweiler (400 Prozent), Herzogenrath (100) und Würselen (50) hohe Steigerungsraten. Wenngleich sich diese, wenn man sie in absoluten Zahlen ausdrückt — in Baesweiler ereigneten sich fünf Unfälle (2016:1), in Herzogenrath vier (2) und in Würselen drei (2) — stark relativieren, will die Polizei dort einen Schwerpunkt setzen.

Zumal ein weiterer Wert aus ihrer Sicht Anlass dazu gibt, wie Svende Friedrichs betont: Auch die Zahl der verunglückten Kinder ist gestiegen — mit 1,6 Prozent städteregionsweit nicht sehr viel, aber im Nordkreis ebenfalls überdurchschnittlich: Baesweiler (+ 80 Prozent/ von 5 auf 9), Herzogenrath (+160/5/13), Würselen (+25/8/10) und Alsdorf (+28,6/7/9).

Darauf müsse, so die Leiterin der Direktion Verkehr, reagiert werden: „Kinder müssen das richtige Verhalten im Straßenverkehr regelmäßig üben. Doch diese praktische Übung fehlt immer öfter, weil sie von ihren Eltern mit dem Auto gefahren werden.“ Viele Erwachsene seien sich zudem nicht der Gefahren bewusst, die es für Kinder gebe. „Wir werden deshalb versuchen, die Eltern mehr ins Boot zu holen“, kündigt Friedrichs an.

Dass man mit Prävention Erfolge erzielen kann, sieht die Polizei beim Blick auf 2017 bestätigt. Ob der Rückgang der verunglückten Radfahrer um 13,5 Prozent tatsächlich auf die verstärkten Maßnahmen der Behörde zurückzuführen ist, bleibt aber offen. Festgehalten werden kann derweil, dass es den Rückgang trotz eines zunehmenden Einsatzes von Pedelecs und S-Pedelecs gegeben hat.

Vor allem Senioren nutzen verstärkt Fahrräder mit Tretunterstützung. Das steigert die Mobilität und den Freizeitwert, aber auch das Risiko, wie Svende Friedrichs betont: „Andere Verkehrsteilnehmer werden von der höheren Geschwindigkeit überrascht. Außerdem sind die Folgen eines Sturzes gravierender und die Reaktionszeiten kürzer.“

Auf hohe Geschwindigkeit hat es die Polizei, das unterstreicht Dirk Weinspach, auch in diesem Jahr abgesehen — allerdings vornehmlich bei motorisierten Fahrzeugen. „Wir werden das Niveau von 2017 mindestens halten“, kündigt der Polizeipräsident an und bezieht sich dabei auf die insgesamt 47 417 Mal, in denen Temposünder erwischt wurden. 25 Prozent weniger durch überhöhte Geschwindigkeit verursachte Unfälle im Jahr 2017 (375/500) seien auch „ein Ergebnis des erhöhten Kontrolldrucks“, ist Weinspach überzeugt.

Schwerpunktkontrollen

Den will der Polizeipräsident auch weiterhin auf Motorradfahrer ausüben, zumal sechs der zehn im vergangenen Jahr tödlich Verunglückten aus dieser Gruppe stammten. Anknüpfen wird die Polizei an ihre „Aktionstage“ mit Schwerpunktkontrollen, darüber hinaus aber noch eine weitere, neue Maßnahme ergreifen: „Wir planen sogenannte Politouren, bei denen hauptamtliche Zweiradfahrer der Polizei mit Motorradfahrern gemeinsam unterwegs sind und an Stationen Tipps und Tricks vermitteln“, kündigt Svende Friedrichs an.

Das Konzept sei auf „Augenhöhe“ angelegt, um Präventionshinweise besser an die Biker bringen zu können. Angesprochen fühlen sollten sich vor allem „Wiedereinsteiger“ zwischen 43 und 53 Jahren. Sie waren laut Polizei an den insgesamt 136 registrierten Motorradunfällen im Jahr 2017 (2016: 140) auffällig häufig beteiligt.