Aachen: Städteregion: Die Webseiten der Spitzenkandidaten

Aachen : Städteregion: Die Webseiten der Spitzenkandidaten

„Wahlen werden im Internet gewonnen” - diese Behauptung mag zwar in den USA seit Barack Obamas Wahlerfolg allgemein akzeptiert sein. Hierzulande dagegen ist das Verhältnis zwischen Parteien und Internet nur in seltenen Fällen von inniger Zuneigung geprägt.

Zu oft nehmen gerade Volksvertreter älteren Jahrgangs das Netz weniger als Chance und Bereicherung wahr denn als Bedrohung und Tummelplatz unkontrollierbarer Kräfte. Wie verhält es sich in der Städteregion? Zwei Monate vor der Kommunalwahl am 30. August werfen wir einen Blick auf die Webauftritte der Kandidaten für die Wahl zum Städteregionsrat.

CDU: Von allen etablierten Volksparteien genießt die CDU in großen Teilen der Internetgemeinde den zweifelhaften Ruf, dem Netz am fernsten zu stehen. Als wollte er dieses Vorurteil widerlegen, zieht CDU-Kandidat Helmut Etschenberg auf seiner Webseite Etschenberg2009.de buchstäblich alle Register.

Die von der Monschauer Weiss-Intermedia modern und übersichtlich gestaltete Seite bietet einen Rundum-Service: Vom Pflichtteil wie Lebenslauf, politische Aussagen und Terminkalender bis zur Kür, etwa einem Infobereich zur Städteregion und einer privaten Bildergalerie - inklusive Fotos von Maikäfern.

Sehr bürgernah und prominent platziert: Kontaktformulare mit Antwortgarantie in 24 Stunden per Telefon oder 48 Stunden per E-Mail. Netter Gag: Bei einem interaktiven Städteregions-Kreuzworträtsel kann der interessierte Besucher etwas gewinnen. Etschenberg hat auch ein Profil im sozialen Netzwerk Facebook. Allenfalls ein öffentliches „Bürger fragen - der Kandidat antwortet” ließe sich noch hinzufügen.

SPD: Der eigene Anspruch, „die Internetpartei” zu sein, hat in den Augen vieler netzbegeisterter Menschen zuletzt einen Rückschlag erhalten. Das Ja der SPD zu den als unwirksam und kontraproduktiv kritisierten Internetsperren für Kinderpornoseiten enttäuschte zahlreiche Anhänger. Dennoch ist das Engagement der Sozialdemokraten im Netz - zuletzt zur Europawahl - generell durch mehr Nähe geprägt als das ihres Berliner Koalitionspartners CDU.

Der Webauftritt des SPD-Spitzenkandidaten Uwe Zink, Uwe-Zink.net, ist etwas schlichter gehalten als der von Etschenberg. Die Düsseldorfer Agentur Basic Support/Bauer & Zink GbR wählte eine Gestaltung ähnlich einem Blog, einem Onlinejournal. So sitzt die Navigation übersichtlich im Seitenkopf, die einzelnen Artikel reihen sich darunter. Auf einigen Seiten fehlt allerdings ein optischer Schwerpunkt.

Neben einem ausführlichen programmatischen Teil und einem Terminkalender unter dem Titel „Zink in Fahrt” bietet auch Zinks Seite ein Gewinnspiel. Die Kommentare von Benutzern werden veröffentlicht. Ein Link auf Zinks Profil im sozialen Netzwerk Xing.com ist vorhanden, wo sich unter anderem lesen lässt, dass der SPD-Kandidat sich für Eishockey und Bluesmusik interessiert.

Grüne: Was ihnen größere Parteien an Mitteln vorweg haben, versuchen die Grünen traditionell durch Kreativität wettzumachen. So wurde ihr Werbespot zur Europawahl - die Weltwirtschaftskrise wurde als Kette kippender Dominosteine erklärt - im Videoportal Youtube zum Überraschungserfolg und wurde öfter geklickt als die Spots aller anderen Parteien.

Auch der grüne Städteregionsrat-Kandidat Dr. Thomas Griese hat eine persönliche Wahlkampfseite: Thomas-Griese-Aachen.de. Eine freundliche Sonnenblume neben dem Slogan „Thomas - Unser Mann!” begrüßt den Besucher. Ansonsten ist die ebenfalls in Form eines Blogs gestaltete Seite in ruhigem Weiß gehalten. Biografie, Terminkalender, Programm und Fotogalerie sind vorhanden. Größere Besonderheiten gibt es nicht.

FDP: Im Gegensatz zu diesen drei Webauftritten, die auf die Kandidaten ausgerichtet sind, gehen die Liberalen mit ihrem Spitzenkandidaten Dr. Werner Pfeil einen anderen Weg. Sie haben unter dem Slogan „Wir machen dem grünen Sofa Beine!” eine Kampagnenseite eingerichtet (Wir-machen-dem-gruenen-Sofa-Beine.de).

So soll dem Sofa als Symbol der Städteregion mehr Dynamik eingehaucht werden, erklärt der für den Webauftritt zuständige FDP-Kreisvorsitzende Aachen-Stadt, Alexander Heyn. „Wir werden unsere Kandidaten aufs Sofa setzen und einzeln vorstellen.” Dabei sollen die Parteivertreter Laufschuhe tragen - mit Spikes, für den richtigen Antritt.

UWG: Ohne eigene Kandidaten- oder Kampagnenseite tritt der Kandidat der Unabhängigen Wählergemeinschaft Erich Spies an. Die Webseite der UWG Eschweiler, UWG-Eschweiler.de, ist allerdings offenbar seit April nicht mehr aktualisiert worden. Noch immer ruft Ex-Spitzenkandidatin Gabriele Pauli zur Europawahl auf, obwohl die bayerischen Freien Wähler sie anschließend aus ihrer Landtagsfraktion ausschlossen haben und sie inzwischen eine eigene Partei gegründet hat. Ausführlichere Informationen zur Kommunalwahl 2009 bleibt die UWG ebenso schuldig wie eine größere Erwähnung der Kandidatur von Erich Spies.

Die Linke: Auch der Kandidat der Linken, Uwe F. Löhr, hat keine eigene Kampagnenseite. Er wird auf dem Internetangebot des Stolberger Ortsverbandes vorgestellt (DieLinke-Stolberg.de). Deren Webangebot ist für so eine junge Partei bereits recht umfangreich und enthält zahlreiche Positionen und Informationen. Wie an prominenter Stelle auf der Startseite zu lesen ist, wurde die Seite allerdings ebenfalls zuletzt im April aktualisiert - und zwar um 16.49 Uhr.