Erkelenz-Borschemich: Stadt an Zusage zu Baulandrichtwerten erinnert

Erkelenz-Borschemich : Stadt an Zusage zu Baulandrichtwerten erinnert

Es ist vermeintlich still geworden um die Umsiedlung der vom Tagebau Garzweiler II bedrohten Orte Immerath, Lützerath, Pesch und Borschemich im Erkelenzer Osten.

Doch die Ruhe trügt, wie Vertreter der Bürgerbeiräte bei der Sitzung des Bezirksausschusses Holzweiler/Immerath/Borschemich in der Mehrzweckhalle in Borschemich zum Ausdruck brachten.

Sie sind nicht gut zu sprechen auf Tagebaubetreiber Rheinbraun und auf die Stadt Erkelenz.

Großer Unmut hat zunächst der letzte Bürgerbrief der Stadtverwaltung im August hervorgerufen. In diesem Bürgerbrief gibt es einen Fragebogen, auf dem die Umsiedlungsbetroffenen noch einmal ihre Wünsche zum entsprechenden Umsiedlungsstandort Kückhoven und Erkelenz-Nord äußern sollen.

Der Rückgabetermin bis zum 30. September ist inzwischen bis zum 17. November verlängert worden, weil die Bürger nicht in dem Maße reagieren, wie es die Verwaltung vielleicht erhofft hat.

Für die Bürgerbeiräte ist die schleppende Reaktion der Betroffenen verständlich. Denn sie können und wollen den Fragebogen in der präsentierten Form nicht akzeptieren.

Die Bevölkerung wolle sich in keinem Fall auf eine Bebauung festlegen lassen, die vorsehe, dass in bestimmten Gebieten nur festgeschriebene Geschosshöhen zulässig sind.

„Es muss eine freie Bebauung auf der im Plan ausgewiesenen Gesamtfläche des neuen Standortes möglich sein. Das ist insbesondere wichtig, da einige Nachbarschaften und Verbindungen am Altort auch am neuen Standort bestehen bleiben wollen.

So wie in Alt-Borschemich unterschiedliche Häuser, Haustypen und verschiedene Bauweisen nebeneinander gestattet sind, soll dies auch am neuen Standort möglich sein”, fasste Wilfried Lörkens die einhellige Meinung des Bürgerbeirates Borschemich zusammen. Nur dadurch werde die Voraussetzung einer gemeinsamen Umsiedlung erfüllt.

Er stimmte mit Gisela Berger überein, die die Ansicht des Bürgerbeirates für Immerath vertrat und wie Lörkes verwundert ist über eine im Fragebogen festgelegte Grundstückstiefe bei den Richtwerten für die Bebauung.

In allen bisherigen Besprechungen und Sitzungen seien Bürgerbeirat und Bürgern ein Richtwert von 50 Metern Tiefe für bebaute Grundstücke als Entschädigung am Altort zugesagt worden.

„Wir wollen die Zusage der Entschädigung für 50 Meter Tiefe als Bauland verbindlich”, fordert Lörkens, der damit auf den nächsten Grund der Ärgernisse zu sprechen kam: die Erkelenz-Erklärung als vertragliche Vereinbarung zwischen Stadt Erkelenz und Rheinbraun.

Sie liegt immer noch nicht auf dem Tisch. „Uns ist zugesagt worden, dass die 50 Meter in die Erklärung aufgenommen werden”, sagte Lörkens.

Auch Gisela Berger wartet gespannt auf diese Erklärung, deren Entwurf die Beiräte zu Gesicht bekämen, um darüber zu diskutieren. Dies habe die Verwaltung versprochen.

Gisela Berger hat eine weitere Diskrepanz bei den Umsiedlungsverhandlungen ausgemacht: „Den Bürgern in Pesch wird bei der Entschädigung pro Quadratmeter Bauland ein Preis von 95 Euro angeboten, in Immerath sollen es 110 Euro sein.”

Gleiche Preise und eine Baulandtiefe von 50 Metern sind daher zwei Forderungen der Beiräte.

Man dürfe nie vergessen, wer vom Tagebau profitiere. „Wir wollen nicht umsiedeln, wir werden vertrieben”, hieß es bei der Sitzung, „und sollen dafür auch noch Vermögensverluste erleiden.”