Kreis Heinsberg: Spinrath und Politik: „Der Kater lässt das Mausen nicht“

Kreis Heinsberg : Spinrath und Politik: „Der Kater lässt das Mausen nicht“

Seine Zeit als Bundestagsabgeordneter ist vorbei: ­Sozialdemokrat Norbert Spinrath aus Geilenkirchen hat in Berlin sein Büro geräumt, die Schlüssel zurückgegeben. Nach der Wahl vom 24. September hatte er noch eine Reihe von Terminen, unter anderem in Brüssel.

Denn: „Europa ist weitergelaufen.“ Doch mit der konstituierenden Sitzung des 19. Deutschen Bundestages ist sein Mandat offiziell beendet. „Mit Wehmut“ sei er aus dem Bundestag ausgeschieden, sagte Spinrath am Freitag in einem Pressegespräch in seinem Hückelhovener Wahlkreisbüro, das er noch ein paar Wochen aufrechterhalten will.

Die Zeit im Parlament, in dem er als Neuling gleich als europapolitischer Sprecher der SPD-Fraktion fungierte, seien „vier hochspannende Jahre mit ganz vielen neuen Herausforderungen und Themen“ gewesen, aber für ihn sei stets auch die Arbeit im und für den Wahlkreis von großer Bedeutung gewesen — mit etwas mehr als 2000 Terminen vor Ort. „Was ­bewegt die Menschen im Kreis Heinsberg? Was wollen sie?“ Die Antworten auf diese Fragen, aber auch Kritik und Anregungen seien immer wieder in seine Arbeit in Berlin eingeflossen.

Die SPD, aber auch die CDU, beide großen Volksparteien, sie hätten ein „katastrophales Ergebnis“ erzielt, sie hätten die Bundestagswahl „richtig krachend“ verloren. Dies sei „erschreckend — über die eigene Betroffenheit hinaus“. Spinraths Platz Nummer 23 auf der Landesliste der NRW-SPD hatte nicht gereicht, sie zog nur bis Platz 17; sein Nachrücken im Laufe dieser Wahlperiode gilt als unwahrscheinlich.

Trotz der Verluste auf Bundesebene hatte Spinrath im Kreis Heinsberg persönlich mit 27,95 Prozent der Erststimmen und seine Partei mit 25,85 Prozent der Zweitstimmen fast das Ergebnis von 2013 wiederholen können. Mit Blick auf die Differenz zwischen Bundes- und Wahlkreis-Resultate der SPD sei dies eines der besten Ergebnisse bundesweit gewesen, so Spinrath. Doch all dies änderte nichts an dem Ende seiner Zugehörigkeit zum Bundestag.

Beruflich will Spinrath voraussichtlich zum 1. März wieder in seinen Beruf als Polizeibeamter zurückkehren. Sorgen bereitet ihm da viel mehr die Tatsache, dass vier Mitarbeiter seines aufgelösten Berliner Büros noch unversorgt, nun also arbeitslos seien. Der Politik in Berlin will Spinrath verbunden bleiben. Fraktionskollegen, „Thinktanks“ (Denkfabriken), Botschaften hätten gefragt, ob er sich ehrenamtlich einbringen könne.

Will Spinrath 2021 wieder als Kandidat antreten? „Das steht noch völlig in den Sternen“, antwortete der 60-Jährige. Aber er sei ohnehin noch nicht davon überzeugt, dass die aktuellen Verhandlungen über eine mögliche Jamaika-Koalition von CDU, CSU, FDP und Grünen erfolgreich abgeschlossen würden. Er schließe nicht aus, dass es in den nächsten Monaten Neuwahlen geben werde.

Spinrath betonte, er wolle auch in Zukunft Mittler sein für Anliegen der Bürger aus dem Kreis Heinsberg. Als „Patenonkel“, sprich als Betreuungsabgeordneter für die Region, soll Dietmar Nietan, der SPD-Parlamentarier aus Düren, fungieren.

Spinrath will auf jeden Fall weiter politisch aktiv bleiben. „Ich bin immer noch ein hochpolitischer Mensch. Der Kater lässt das Mausen nicht.“ So will der Kreisvorsitzende der SPD auch weiter mit der roten Couch, seinem Markenzeichen, im Kreisgebiet unterwegs sein, zu den Menschen gehen, gerade jetzt auch nach der Wahl. „Ich will darüber diskutieren, was wir anders machen müssen als SPD, um auch für die Menschen, die uns jetzt nicht gewählt haben, wieder wählbar zu sein.“

(disch)