Wassenberg/Selfkant: Spargelpflanzen in Europa kommen meist aus der Region

Wassenberg/Selfkant : Spargelpflanzen in Europa kommen meist aus der Region

Nicht mehr nur in seiner hiesigen Traditionsheimat Effeld gilt der Spargel, der jetzt wieder seine ersten Köpfe aus den Erddämmen reckt, als Delikatesse. Angebaut wird er inzwischen vielerorts in unserer Region, darüber hinaus auch in verschiedenen, für diesen Anbau neuen Gegenden ganz Deutschlands, ja sogar in zahlreichen Ländern Europas.

Überall kommt er frisch gestochen auf den Tisch, denn so schmeckt er am besten. Was jedoch kaum jemand weiß: Rund 80 Prozent aller Spargelpflanzen Europas stammen aus unserer deutsch-niederländischen Grenzregion.

Hier hätte knapp ein Dutzend große Pflanzenvermehrer seinen Sitz, weiß André Willemsen, der Spargelbauer bereits in der vierten Generation ist. Mit der Firma Zegra, die er vor zwei Jahren zusammen mit seinem Bruder Alexander übernommen hat, führt er zwischen Birgelen und der Grenze zu den Niederlanden einen der ganz großen Produktionsbetriebe von Spargelpflanzen. Rund 15 Millionen einjährige Pflanzen in siebzehn verschiedenen Sorten liefern die beiden inzwischen an Spargelbauern europaweit.

Ehe die erste gerade, hoch gewachsene, strahlend weiße oder inzwischen auch leuchtend grüne Stange auf einem Teller landet, vergehen gleich mehrere Jahre, wie ein Besuch bei Zegra zeigt. Hier ist man sowohl auf den Anbau von Spargelpflanzen als auch auf die Produktion des edlen Gemüses spezialisiert. Der Mineraliengehalt des Bodens sei diesseits der Maas für den Anbau von Spargel sehr gut, weiß André Willemsen.

Spargel galt im 16. Jahrhundert in aristokratischen Kreisen als teure Delikatesse. Das ist heute anders. Auch dank der intensiven Aufzucht der Willemsens gibt es heute in ganz Europa frischen Spargel. Dafür werden ein Jahr zuvor die Samen in den Boden gelegt.

„Das ist Millimeterarbeit“, sagt Willemsen und zeigt über ein Feld mit Spargelpflanzen, soweit das Auge reicht. Jeweils drei Pflanzen stehen in einer langen Reihe genau nebeneinander, so dass die von einem Traktor gezogene Spezialmaschine sie nach einem Jahr Wachstum ausgraben und ähnlich einem Kartoffelroder in große Holzkisten befördern kann.

Ernte dieses Jahr verzögert

Eigentlich sei diese Arbeit längst getan, aber aufgrund des kalten Wetters im März sei die Ernte in diesem Jahr um zwei Wochen verzögert, erklärt er, bevor es mit den Pflanzen in ihren Kisten zurückgeht in den Betrieb. Hier sind Saisonarbeiterinnen an langen Tischen derzeit damit beschäftigt, die Pflanzen auseinanderzuziehen und zu sortieren. In Säcken gehen sie dann in den Transport, mit eigenen Lkw oder beauftragten Speditionen.

Wenn sie an ihrem Bestimmungsort angekommen sind, braucht es dann noch zwei weitere Jahre, ehe von den Pflanzen der erste Spargel geerntet werden kann. „Ein Pflanzjahr und ein Standjahr“, sagt Willemsen. Erst im dritten Jahr beim Spargelbauern könne dann für vier Wochen geerntet werden, danach für jeweils acht Wochen. Insgesamt habe eine Pflanze jedoch nur sechs oder sieben Erntejahre, erklärt er und verdeutlicht damit, wie aufwendig der Spargelanbau ist.

Anbau auf 130 Hektar

Und so werden auch bei Zegra, wo sich die Willemsens neben der Pflanzenzucht auf rund 130 Hektar auch dem Spargelanbau widmen, auf einem Teil der Fläche in jedem Jahr wieder neue Pflanzen für die künftige Spargelproduktion eingebracht. Wenn die Produktion hier in der Saison so richtig läuft, ernten die Saisonkräfte jeden Tag rund 100 Kilo Spargel pro Hektar, in der Saison bis zum Johannistag am 24. Juni also rund fünf Tonnen pro Hektar. Rund 160 Helfer sind dann hier beschäftigt.

Auch Piotrek Gabara ist in diesem Jahr wieder aus Polen gekommen, um bei der Ernte zu helfen, bereits zum zehnten Mal. Er gehört zu den erfahrenen Spargelstechern, die neuen Mitarbeitern bei der Einarbeitung helfen. Zusätzlich komme in jedem Jahr ein Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer, um den Mitarbeitern den richtigen Umgang mit den Spargelpflanzen zu erklären, so Willemsen.

Schutz vor Sonne und Kälte

Auf seinen Feldern haben die Spargeldämme inzwischen alle eine Folienauflage, die das wertvolle Gemüse bei kälterem Wetter mit der schwarzen Seite auf Temperatur hält und es bei zu viel Sonne mit der weißen Seite schützt. Zurück im Betrieb wird er mit Hilfe großer Maschinen gewaschen, sortiert und verpackt. Von Hand fertig geschält ist er ebenfalls erhältlich. Im Vordergrund steht die Direktvermarktung. 25 Verkaufsstände unterhalten die Willemsens dafür zwischen Krefeld und Aachen.

Während es bei Zegra weißen, grünen und auch die ersten Versuche mit violettem, mehr süßem Spargel gibt, bleiben die Hensgens in Havert bei weißem Spargel, den sie auch selbst auf rund 25 Hektar anbieten, in ihrem eigenen Hofladen und ebenfalls in ihren sieben Ständen, die in der Region verteilt stehen. Der Hofladen lohnt schon alleine deshalb einen Besuch, weil hier eine ganz neu entwickelte Schälmaschine bewundert werden kann.

An sechs Stationen wird jede einzelne Stange von jeweils zwei Messern von oben nach unten geschält. Ein ganz besonderer Service: 24 Stunden am Tag hält hier ein Automat frischen Spargel bereit, aber auch die dazu gehörende Sauce Hollandaise und für den Nachtisch frische Erdbeeren.

Sie sind ein lokaler Produzent aus der Region Aachen/Düren/Heinsberg und ihr Hofladen oder Verkaufsstand fehlt? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an update@zeitungsverlag-aachen.de und wir nehmen Sie sehr gerne in die Karte auf!