Niederzier: Sophienhöhe: Bergwelt-Pläne sind vom Tisch

Niederzier : Sophienhöhe: Bergwelt-Pläne sind vom Tisch

Gut zwei Jahre nach der Präsentation einer Machbarkeitsstudie ist klar: Eine „Bergwelt Sophienhöhe“ wird es nicht geben. Selbst Landrat Wolfgang Spelthahn, der mit seinem damaligen Rhein-Erft-Kollegen Werner Stump die Idee entwickelt hatte, glaubt nicht mehr daran, dass die ehrgeizigen Pläne noch realisiert werden können.

Die Planer — und mit ihnen die Landräte und Bürgermeister der Anrainerkommunen — sahen im Juni 2012 bereits eine Seilbahn bis zu 140.000 Freizeitsportler jährlich auf den Gipfel der Abraumhalde des Tagebaus Hambach bringen, die nach einer Stärkung in einem Restaurant in einem Hochseilgarten oder bei einer rasanten Abfahrt mit den verschiedensten fahrbaren Untersätzen, auf einer Sommerrodelbahn oder bei einem Gleitschirmflug Adrenalin tanken sollten.

Der grüne Bereich der Sophienhöhe bleibt unangetastet und weiter ein ruhiges Naherholungsgebiet. Auf der noch nicht rekultivierten Fläche - der Niederzierer Bürgermeister Hermann Heuser deutet darauf - soll die „Bergwelt” entstehen, die im Titzer Rathaus vorgestellt wurde. Foto: Uerlings

Und die von den beiden Kreisen und Tagebaubetreiber RWE in Auftrag gegebene Studie ließ wenig Zweifel daran, dass selbst Investitionskosten von 17 Millionen Euro kein Hindernis sein würden. Die Realität sah anders aus. Ein Investor wurde bis heute nicht gefunden.

Erhoffte Synergien bleiben aus

Das Scheitern der „Bergwelt“-Pläne aber hat noch weitere Gründe. Da ist der heftige Widerstand aus Reihen vor allem der Titzer Bevölkerung gegen die geplante Umsiedlung der Schumacher-Kartbahn an die östliche Sophienhöhe, von der sich Spelthahn und Niederziers Bürgermeister Hermann Heuser Synergie- effekte versprochen hatten.

Ob die WM-taugliche Bahn aber überhaupt an der Abraumhalde gebaut wird, steht weiter in den Sternen. Dafür müsste der Regionalrat der Bezirksregierung erst einmal die landesplanerischen Voraussetzungen schaffen.

Mit Werner Stump hat sich laut Spelthahn im Sommer 2013 zudem einer der Motoren des Projekts in den Ruhestand verabschiedet. Und mit ihm ist offenbar auch die positive Grundeinstellung der Rhein-Erft-Kommunen zum Sophienhöhen-Projekt verloren gegangen.

„Der Kreis Düren und die Gemeinde Niederzier stehen mittlerweile allein auf weiter Flur“, räumt Spelthahn ein. Nicht zuletzt plagen RWE im Zuge der Energiewende und sinkender Gewinne längst andere Sorgen.

Heuser will „kleine Lösung“

Dennoch wollen Spelthahn und Heuser eine touristischen Entwicklung der Sophienhöhe auch mit Blick auf die Tagebaunachfolgelandschaft noch nicht endgültig zu Grabe tragen. Sie sehen immer noch die Chance, analog zur erfolgreichen Entwicklung der Goltsteinkuppe am Tagebau Inden einen zweiten Besuchermagneten zu schaffen. Allerdings soll nunmehr das Naturerlebnis in den Mittelpunkt rücken. Spelthahn und Heuser denken an Fahrradfahren und Wandern.

Niederziers Bürgermeister spricht zudem von der Möglichkeit, mit dem Auto auf die Sophienhöhe fahren zu können, damit auch in ihrer Mobilität eingeschränkte Mitbürger einmal in den Genuss der Natur kommen können. Und auch eine kleine Gastronomie hält Heuser weiter für möglich. Erste Investoren für diese „kleine Lösung“ hätten sich bereits bei ihm gemeldet.

„Wenn wir es schaffen, die Nutzung weitgehend immissionsfrei darzustellen, wird die Akzeptanz steigen“, ist Spelthahn überzeugt. Er will Vertreter der Anrainerkommunen daher noch einmal zu einem „Runden Tisch“ einladen, um die Gesamtsituation an der Sophienhöhe inklusive der Kartbahn-Thematik noch einmal zu beleuchten. Sollte aber auch eine „kleine Lösung“ im östlichen Bereich auf Widerstand aus dem Raum Titz/Elsdorf stoßen, kann sich Heuser auch eine Erschließung der Sophienhöhe auf Hambacher Seite vorstellen.