Hückelhoven: Sitzungssaal fest in Narrenhand

Hückelhoven : Sitzungssaal fest in Narrenhand

Die Hückelhovener Narren sind schlau: Wenn die anderen Jecken nach den Anstrengungen der Altweibernacht einen Ruhetag einlegen, lässt sich die geballte Prinzenmacht des Stadtgebietes samt Gefolge von der Obrigkeit in deren „heilige Hallen” laden.

Da ist dann viel Zeit für mehr oder weniger tiefgründige Gespräche unter seinesgleichen („Wann bist du heute nach Hause gekommen?” „Um vier. Und du?”„Ich war noch gar nicht Zuhause.”), den ein oder anderen Schluck („Wie, du trinkst Cola?” „Nee, die is nicht von mir. Ich halt die nur fest.” „Und ich hab schon gedacht, du bist krank.”) - und natürlich auch zum mehr oder weniger ausgelassenen Feiern.

Das freilich mehr weniger als mehr: Die Würde des sozusagen „Hohen Hauses” der Stadt Hückelhoven scheint auch dolle Würdenträger mächtig, zumindest aber so stark zu beeindrucken, dass sie ihren ausschweifend närrischen Drang doch ziemlich im Zaume halten.

Dass die Freude am Feiern Hauptgrund der Einladung zum Prinzenempfang in Rathaus war, daran ließ Bürgermeister Bernd Jansen am Freitagmorgen ganz rigoros keinerlei Zweifel aufkommen: „Wir wollen uns heute auf die restlichen tollen Tage einstimmen”, sagte er. Und schob als gelernter Politiker flugs einschmeichelnd hinterher: „Das Wetter wird mitspielen.”

Vom Knoten zur Spitze

Dass er offenbar einen bisher öffentlich nicht bekannt gewesenen Draht zur Meteorologie hat, unterstrich Jansen mit der Krawatte, die ihm um den Hals gefrickelt war: Regenbogenfarben vom Knoten bis hinunter in die Spitze. Seiner politischen Einstellung wegen bislang eher dem nobel gedeckten Schwarz zugeordnet, outete sich der Erste Bürger der Stadt bei dieser offiziellen Veranstaltung ganz eindeutig als schriller Bunter.

Farbenfreude drückt den Tollitäten der neun Karnevalsgesellschaften des Stadtgebietes und deren Hofstaat geradezu den Stempel auf: Tipp aus Doveren, die Roathemer Wenk, die Brökeler Kappehäuer, die Trötemänn aus Hilfarth, All onger eene Hoot aus Ratheim - deren Mitglieder als „Heimverein” des Bürgermeisters in diesem Jahr die Bewirtung beim Prinzenempfang in die Hände genommen hatten - der Frohsinn aus Schaufenberg, die Rurblümchen aus Rurich, die Baaler Eierköpp und natürlich die Frauen, Männer und Nachwuchskräfte der Hückelhovener Karnevalsgesellschaft.

Die Mariechen der einzelnen Gesellschaften zeigten sehr zur Freude, bisweilen die Grenze zur Bewunderung streifend, Kostproben ihres tänzerischen Könnens und trugen damit nicht unwesentlich dazu bei, dass sich nach und nach eine gewisse entspannte Lockerheit im Sitzungssaal des Rathauses breit machte.

Die griff auch auf die (wenigen) Menschen über, die an normalen Tagen dort ihr Wesen treiben: So sprang trotz eher zögerlicher Verkleidung der CDU-Fraktionsvorsitzende Heinz-Josef Kreutzer ebenso sofort ins Auge wie FDP-Mann Hans Fischer oder auch der Grüne Henning Herzberg.

Irgendjemand von der Bürgerpartei wurde genauso wenig ausgemacht wie Sozialdemokraten. Das aber will nichts heißen, schließlich stecken wir mitten drin in den tollen Tagen.