Aachen: Sind wir bereit, auf Komfort zu verzichten?

Aachen : Sind wir bereit, auf Komfort zu verzichten?

Wohin gehen wir, wenn wir einen ökologischen Fußabdruck hinterlassen? Was macht der Klimawandel mit unserer Erde? Fragen, die Antonia, Julia und Sofie aus der 8a des Aachener Pius-Gymnasiums beschäftigen. Im Rahmen des „Texthelden“-Projekts ihrer Klasse haben sie bei Heike Stiller, Abfallberaterin der AWA Entsorgung GmbH, Antworten gefunden.

Können Sie uns den ökologischen Fußabdruck mit einfachen Worten erklären?

Ecological footprint, conceptual artwork Environmental footprint, conceptual computer artwork. PUBLICATIONxINxGERxSUIxHUNxONLY ANDRZEJxWOJCICKI/SCIENCExPHOTOxLIBRARY F006/3961 Ecological Footprint conceptual Artwork Environmental Footprint conceptual Computer Artwork PUBLICATIONxINxGERxSUIxHUNxONLY ANDRZEJxWOJCICKI SCIENCExPHOTOxLIBRARY F006 3961
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Heike Stiller: Der ökologische Fußabdruck ist ein anschauliches Messsystem, das uns zeigt, wie wir leben. Dazu ermitteln Wissenschaftler, was wir an Dingen brauchen und welche Fläche benötigt wird, um diese Dinge herzustellen und später wieder zu entsorgen. Dann wird verglichen, wie viel Fläche auf der Erde tatsächlich vorhanden ist. Aus diesem Vergleich entsteht eine Größe, die als Fußabdruck auf der Erdoberfläche dargestellt wird. Je größer der Fußabdruck ist, desto schlechter ist das für unsere Umwelt.

Environmental awareness MODEL RELEASED. Environmental awareness. Group of friends lying down in a circle with a globe of the Earth resting on their heads. PUBLICATIONxINxGERxSUIxHUNxONLY IANxHOOTON/SCIENCExPHOTOxLIBRARY F001/0453 Environmental Awareness Model released Environmental Awareness Group of Friends Lying Down in a Circle With a Globe of The Earth RESTING ON their Heads PUBLICATIONxINxGERxSUIxHUNxONLY IANxHOOTON SCIENCExPHOTOxLIBRARY
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Was hat der Klimawandel mit dem ökologischen Fußabdruck zu tun?

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Stiller: Alles, was wir tun, beeinflusst das Klima. Bei der Herstellung sehr vieler Gegenstände und Lebensmittel entstehen die Gase Kohlendioxid und Methan, die schädlich für unser Klima sind. Im Messsystem ökologischer Fußabdruck wird berücksichtigt, wie viel Gas freigesetzt wird.

Können Sie uns das anhand eines Beispiels erklären?

Stiller: Es ist ein Unterschied, ob ein Landwirt auf einer Fläche Getreide produziert oder Kühe weiden lässt. Aus Getreide können wir Brot oder Nudeln herstellen, die uns direkt satt machen. Kühe dagegen setzen bei der Verdauung das schädliche Methangas frei. Außerdem fressen sie nicht nur das Gras, sondern benötigen für die Bildung von Milch und Fleisch auch Getreide, also zusätzliche Anbaufläche. Diesen Verbrauch müssen wir auch einrechnen. Daraus ergibt sich: Fleisch zu essen ist für die Umwelt schädlicher als eine vegetarische Ernährung.

Wir sind also mit verantwortlich für den Klimawandel?

Stiller: Wir alle sind das, ja! Die Hauptursache für den Klimawandel ist jedoch, dass wir zu viele fossile Energiestoffe, etwa Öl und Kohle, verbrennen. Deshalb hinterfragt der ökologische Fußabdruck auch unser Verhalten in den Bereichen des täglichen Lebens.

Welche sind das?

Stiller: Die vier Bereiche sind Ernährung, Mobilität, also welche Verkehrsmittel wir benutzen, Wohnen und Konsum, also was wir kaufen. In jedem Bereich gibt es viel zu tun, um den Energieverbrauch zu senken.

Man könnte etwa mit dem Fahrrad zur Schule fahren, statt gefahren zu werden?

Stiller: Genau! Oder überlegen, ob wir wirklich eine neue Jeans brauchen. Oder elektrische Geräte weiternutzen, auch wenn es angeblich noch tollere Nachfolgemodelle gibt. Die Möglichkeiten sind groß, und sie betreffen jeden. Uns Erwachsene, genauso wie Euch Kinder.

Warum ist das gerade bei uns so ein großes, wichtiges Thema?

Stiller: Sehr lange war es auf der Erde so, dass nur so viel Energie verbraucht wurde, wie auch in Form von Pflanzen nachgewachsen ist. Seit wir Menschen angefangen haben, Erdöl zu nutzen — vor knapp 200 Jahren —, verändert sich das Klima. Und zwar immer schneller, weil wir Menschen immer mehr Energie verbrauchen. Deshalb beschäftigten sich Wissenschaftler, Politiker, ja viele Leute in der Öffentlichkeit mit dem Klimaschutz.

Was tut denn Deutschland?

Stiller: Da gibt es viele Ansätze. Erstens: Wir versuchen, bei der Produktion von Verbrauchsgütern immer besser zu werden. Zum Beispiel werden Autos gebaut, bei denen immer weniger Metall verarbeitet wird und die immer weniger Benzin verbrauchen. Das nennt man Effizienz…

Stopp, bitte! Kommen jetzt noch mehr Fremdwörter?

Stiller: Genau! Es sind insgesamt vier Fremdwörter, die definieren, was wir für den Klimaschutz tun können und müssen.

Also Effizienz. Schon bei der Herstellung weniger Energie verbrauchen. Und weiter?

Stiller: Seit Kurzem gibt es die Idee der Konsistenz: Bei der Produktion sollen Gegenstände so hergestellt werden, dass sie wieder in biologische Kreisläufe zurückgeführt werden könnten. Zum Beispiel essbare Pommesschalen. Und wenn man sie nicht isst, landen sie im Bioabfall und werden kompostiert.

Und drittens?

Stiller: Leider gibt es auch Rückschläge. Ihr erinnert Euch an erstens, die Effizienz? Es hilft unserer Umwelt, wenn Geräte immer weniger Energie verbrauchen. Aber dabei besteht die Gefahr des Rebound-Effekts. Der Rebound-Effekt lässt sich anschaulich erklären. Wenn ich alle alten Glühlampen gegen neue, Energie sparende LED-Leuchten austausche, ist das super. Wenn ich aber dann immer und überall das Licht brennen lasse, weil das so wenig Energie verbraucht, ist nichts gewonnen.

Und wie können wir diesen Rebound-Effekt verhindern?

Stiller: Mithilfe der Suffizienz, das heißt: genügsamer sein und weniger besitzen. Das ist das wichtigste! Nur wenn wir weniger verbrauchen, wird auch weniger produziert. Und das würde der Umwelt wirklich helfen. Wenn sich mehrere Leute ein Auto teilen. Wenn wir ein Buch ausleihen, statt es zu kaufen. Wenn wir unsere Kleidung länger tragen und eben nicht alle zwei Jahre das neueste Handy haben wollen.

Das klingt, als sollten wir auf vieles verzichten. Was passiert, wenn wir das nicht tun?

Stiller: Wir können es ahnen. Dieses Jahr gab es wieder einmal kaum Schnee. Selbst wenn uns das nicht weiter stört, dürfen wir nicht vergessen, dass es in anderen Regionen unserer Erde so heiß wird, dass die Menschen dort kein Getreide mehr anbauen können. Schon jetzt gibt es Menschen, die fliehen, weil es in ihrem Land nichts mehr zu essen gibt. Wir müssen uns sehr bewusst machen, dass alles, was wir hier tun, auch Einfluss auf die andere Seite der Erde hat.

Müssen deshalb nicht auch andere Länder wie China oder Japan, die viele giftige Gase produzieren, etwas mehr gegen den Klimawandel tun?

Stiller: Unsere Erde soll zehn Milliarden Menschen ernähren. Das geht nicht, wenn wir hier in Saus und Braus leben und die Menschen in anderen Regionen hungern. Länder wie China und Japan machen gerade das, was wir vor 70 Jahren gemacht haben. Wir haben unser Wirtschaftswachstum schon genossen. Jetzt sind wir an der Reihe, vorzumachen, wieder in Einklang mit unserer Umwelt zu leben — auch wenn das heißt, auf Konsum und Komfort zu verzichten.