Erkelenz: Silos verändern Silhouette der Bördenstadt

Erkelenz : Silos verändern Silhouette der Bördenstadt

Langsam wächst der Protest gegen das Agrarzentrum an der Tenholter Straße, das die Raiffeisen-Waren-Genossenschaft Rhein-Maas (RWG) in Erkelenz bauen will.

Die Pläne, die die RWG im Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung vorstellte, fanden dort die einstimmige Zustimmung der Kommunalpolitiker.

Dennoch regt sich, vornehmlich in Tenholt, der Unmut über das geplante Projekt, das mittels eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes verwirklicht werden soll.

Auf rund 60 000 Quadratmetern will die RWG zwischen Bahnstrecke, Kreisstraße 32 und Tenholter Straße das große Agrarzentrum verwirklichen. Darin sollen mehrere RWG-Außenstellen zusammengefasst werden.

Verschiedene Funktionen sind vorgesehen: So gibt es eine Getreideerfassungs-, Trocknungs- und Lageranlage. Im Kartoffelbereich sollen ernterohe Kartoffeln angeliefert, sortiert und per Lkw zur Weiterverarbeitung transportiert werden. In einer Schüttguthalle sollen pro Tag 400 Tonnen Düngemittel umgeschlagen werden.

Außerdem soll es eine Flüssigdüngeranlage mit einer Lagerkapazität von rund 850 Tonnen geben. Hinzu kommen Pflanzenschutzlager, Bürotrakt, Tankanlagen, Schüttboxen, ein Baustoffhandel und ein Raiffeisenmarkt. In einem ersten Bauabschnitt sollen Schütt- und Siloanlage sowie ein Kartoffelbereich errichtet werden. Sämtliche Kosten für das „Agrarzentrum 2003” trägt die RWG.

Knackpunkt der Planung sind sechs Getreidesilos, deren Höhe von 25 Metern einigen Mitgliedern bei der Ausschusssitzung nicht passten. Daraufhin räumten die RWG-Vertreter ein, dass die Silos unübersehbar sein werden. Sie wollten jedoch versuchen, durch eine intensive Begrünung des Geländes den optischen Eindruck zu mildern.

Auch soll das Zentrum durch eine „adäquate Architektur” dem gegenüberliegenden Gewerbe- und Industriepark Commerden optisch harmonisch angepasst werden.

Die Stadt fungiert als verfahrensleitende Behörde, deren wichtigste Aufgabe es ist, mittels des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes den rechtlichen Weg für das Agrarzentrum frei zu machen. Das soll sehr zügig geschehen. Ohne diesen Bebauungsplan ist das Agrarzentrum nicht machbar.

Bis dahin will sich der Widerstand gegen das Zentrum formiert haben. Inzwischen soll auch die SPD sich nicht mehr mit dem Zentrum identifizieren, hieß es gestern. Man habe nicht gewusst, dass das Agrarzentrum in einem Landschaftsschutzgebiet gebaut werden soll. Erst durch den Bebauungsplan wird das bestehende Bauverbot in diesem Gebiet ausgehebelt.

Das Agrarzentrum werde den Charakter der Stadt Erkelenz als Bördenstadt massiv beeinträchtigen, so lautete eine Warnung der Kritiker dieses Zentrums.

Man müsse bedenken, dass es nicht bei den in den Sitzungen genannten sechs Silos mit 25 Metern Höhe bleibe. Nach den Planungen seien zehn Silos möglich. Die eigentlichen Silos besäßen noch ein Dach mit einer Traufhöhe von 26 Metern und einer Kegelhöhe von fast 30 Metern. Der Durchmesser pro Silo betrage rund 15 Meter.

Dadurch würde auf dem Feld ein bauliches Monstrum mit 70 Metern Breite und 30 Metern Höhe entstehen. Tenholt blicke gewissermaßen nicht mehr auf Erkelenz und den Lambertusturm, sondern auf eine Wand aus Silos. Die Silhouette der Stadt werde absolut verändert, monieren die Kritiker. Die gewaltige Siloanlage sei aus Gereonsweiler ebenso zu erkennen wie von der Höhe zwischen Hottorf und Lövenich, aus Rheindahlen und aus Merbeck.

Erkelenz sei dann nicht mehr die Stadt in der Börde, in der der Lambertusturm der dominierende Blickfang sei.