Gangelt: Selfkantbahn feiert ein ganz besonderes Wochenende

Gangelt : Selfkantbahn feiert ein ganz besonderes Wochenende

Normalerweise ist Dr. Bernd Fasel keiner, der gerne etwas stoppt. „Aber heute darf ich mal der Bremser sein“, freute sich der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Historischer Schienenverkehr (IHS).

Der Verein steht hinter dem seit Jahren florierenden Betrieb des offiziell „Rheinisches Kleinbahnmuseum Selfkantbahn“ genannten Schmuckstücks für Eisenbahnliebhaber, einer der letzten Schmalspurbahnen, die es noch gibt. 5,5 Kilometer Strecke legen die Züge zwischen den Bahnhöfen Gillrath und Schierwaldenrath zurück, die Haltepunkte Birgden, Gelindchen und Stahe liegen auf dem Weg.

Schilder aus längst vergangenen Zeiten: Bahnhofsdevotionalien gibt es in Schierwaldenrath viele zu besichtigen.
Schilder aus längst vergangenen Zeiten: Bahnhofsdevotionalien gibt es in Schierwaldenrath viele zu besichtigen. Foto: Markus Bienwald

Und während das Schild „Blumenpflücken während der Fahrt verboten“ zumindest in hiesigen Landen schon längst ein alter, aber gern gesehener Hut ist, denkt sich das Team der IHS immer neue Attraktionen aus, die neben den Saisonfahrten weitere Gäste anziehen. Dazu gehörte auch das vergangene Wochenende, das mit „Bahnen für das platte Land“ überschrieben war.

Uwe Röhle reiste extra aus Wuppertal an, um an der Lok „Regenwalde“ Hand anzulegen.
Uwe Röhle reiste extra aus Wuppertal an, um an der Lok „Regenwalde“ Hand anzulegen. Foto: Markus Bienwald

„Das passt zu uns“, so der Teilzeit-Bremser Bernd Fasel, denn ein preußisches Gesetz ermöglichte überhaupt erst den Bau von Schienenbahnen zur Erschließung des platten Landes. „Dabei spielte die Eisenbahnbau- und Betriebsgesellschaft Lenz & Co. eine wichtige Rolle“, so Fasel weiter.

Denn sie baute auch in den damaligen preußischen Provinzen rund 100 Kleinbahnen, so auch in der früheren Provinz Geilenkirchen. „Wir freuen uns, dass wir Fahrzeuge früherer Lenzbahnen präsentieren können, unter anderem aus der wunderbaren Sammlung des Niederländers Wim Pater“, so Fasel.

Dazu gehörte die Lok „Franzburg“, die in der Erinnerung mancher Modellbahnfreunde immer noch ihre Runden dreht und hier als echtes Gerät zeigen durfte, was in ihr steckt. Perfekt restaurierte Güterwagen gehörten zu diesem speziell auch für Kleinbahnfreaks eingesetzten Zug dazu.

Und während sich die Kleinbahnfans mit ihren teils beeindruckenden Fotoausrüstungen auf die Jagd nach dem perfekten Blickwinkel auf die mit in der Sonne schimmernden Kupfereinlagen versehenen Dächer der Waggons machten, durfte sich Uwe Röhle an Staub, schwerer Arbeit und öligen Fingern erfreuen.

„Das macht einfach mehr Spaß als Briefmarkensammeln, ich arbeite gerne handwerklich“, sagte der 49-Jährige, der sich an diesem Wochenende extra aus Wuppertal auf nach Schierwaldenrath machte, um der Lok Nummer fünf mit dem Namen „Regenwalde“ bald ein Wiedersehen auf der Schmalspurbahn zu gönnen.

Davon ist das Dampfross noch weit entfernt: Entkernt steht es in der Werkstatt auf dem weitläufigen Betriebsgelände der Selfkantbahn in Schierwaldenrath. „Das Stück da hinten kommt noch raus, denn wenn wir schon mal eine Hauptuntersuchung bei einer Lok machen, dann auch richtig“, sagt Röhle.

Im echten Leben verdient er sein Geld als Kälteanlagenbauer, hier bei der Kleinbahn genießt er die handwerkliche Arbeit. Und wer ihn fragt, warum ihn die Arbeit mit der alten Technik so froh macht, hat er eine verblüffende Antwort parat: „Es ist der Dampf, der die Lok ja an sich geräuschlos antreibt.“

Recht hat er, abgesehen von der notwendigen Mechanik von Dampfloks, ist der eigentliche Antrieb — im Gegensatz zum Diesel- oder E-Motor — ja geräuschlos. „Ein tolles Gefühl“, schließt Röhle, ehe er zum riesigen Schraubenschlüssel greift, um ein weiteres Stück Arbeit am historischen Schienenfahrzeug zu vollenden.

Rollendes Kulturgut

Vollendet war auch das Wochenende unter Dampf, das vor allem viele Fans anzog, die fachmännisch die Köpfe zusammensteckten, sich über fertige Exponate, rollendes Kulturgut und auch die vielen Baustellen an den Fahrzeugen der IHS erfreuten.

Mit viel Wissenswertem im Kopf und dem guten Gefühl, auch mal ein Bremser sein zu dürfen, zog am Ende auch Dr. Bernd Fasel ein positives Resümee zum Kleinbahnwochenende. „Auch wenn wir beim historischen Güterzug nur Plätze der vierten Klasse im offenen Güterwagen ohne Sitzmöglichkeit anbieten konnten, war es doch ein tolles Wochenende“, sagte er.

Am Ende fehlte schließlich nur ein Mensch, der die Selfkantbahn zu seinem Lebenswerk machte: Günther Steinhauer, der leider vor kurzem gestorben ist und dessen Name wohl für immer mit der Bahn verbunden bleiben wird.