Gangelt/Geilenkirchen: Selfkantbahn: Die Devise lautet Dampf hoch drei

Gangelt/Geilenkirchen : Selfkantbahn: Die Devise lautet Dampf hoch drei

Großer Bahnhof in Schierwaldenrath und Gillrath: Die Pfingstfahrten der Selfkantbahn lockten an den Feiertagen viele Menschen aus ganz Nordrhein-Westfalen zur Museumsbahn. Eisenbahnfreunde und solche, die es noch werden wollten, hatten sich auf die Fahrten mit der historischen Eisenbahn gefreut. „Dampf hoch drei“ lautete die Devise, denn zu Pfingsten ließen gleich drei Loks ordentlich Dampf ab.

Auf der Strecke zwischen Gangelt-Schierwaldenrath und Geilenkirchen-Gillrath polierten die Dampflok 20 Haspe und 101 Schwarzach die Schmalspurgleise am Pfingstwochenende auf Hochglanz. Zusätzlich erwies sich die bei den Hobbyeisenbahnern der Selfkantbahn intern „K One“ getaufte Mini-Dampflok von Wim Pater aus Winschoten (Niederlande) im Bahnhof Schierwaldenrath als Publikumsmagnet und begehrtes Fotoobjekt. Das für die Meter-Spur gebaute „Lökchen“ hat eine lange Geschichte hinter sich und wurde 1908 von der Firma Krauss (heute Krauss-Maffei) in Deutschland gebaut. „In Argentinien war die Lok III als Industriebahn eingesetzt“, weiß Besitzer Wim Pater.

Er hat sich schon als Kind für alte Loks interessiert und massenhaft Bücher darüber verschlungen. Nachdem er die kleine Dampflok erworben hatte, wurde sie von 2009 bis 2013 in Großbritannien komplett überholt und hergerichtet. Dann erfuhr Wim Pater von der Selfkantbahn, die über eine mit einer Meter-Spur betriebene Museumsanlage verfügt. Hier hat sein Schmuckstück nun als Leihgabe ein Zuhause gefunden, und er nimmt an vielen Wochenenden die lange Fahrt von 350 Kilometern bis Schierwaldenrath in Kauf, um seine Dampflok in Bewegung zu setzen.

„Haben Sie mal vor 30 Jahren den Nikolaus gemacht?“, sieht sich Bahnhofsvorstand Helmut Kommans plötzlich einer Frage von Ursula Loeber gegenüber. Nachdem er diese mit Ja beantwortet hat, stellt sich heraus, dass die Übach-Palenbergerin seinerzeit mit ihrer Tochter Katharina eine Nikolausfahrt unternommen hat. „Jetzt sind wir eine Generation weiter“, schmunzelt sie und kauft bei Helmut Kommans ein Ticket für ihr Enkelkind. Der Geschäftsführer der Betriebsführungsgesellschaft, Günter Steinhauer, wuselt hin und her und muss sich um viele Dinge kümmern. Seit 1981 ist er hauptamtlich für die Museumsbahn tätig und mit allem vertraut. „Neben den Dampfloks werden heute auch zweimal die Triebwagen T13 und T102 auf die Strecke geschickt“, kann er vermelden. Mit zwei Dutzend freiwilligen Helferinnen und Helfern sind die Eisenbahner der Interessengemeinschaft Historischer Schienenverkehr (IHS) an den Pfingsttagen bei der Arbeit.

Während die fast pünktlich startende erste Zugeinheit mit vier Personen-, einem Buffet- und einen offenen Wagen noch mäßig besetzt war, änderte sich dies bereits mit der folgenden Fahrt unter Dampf gewaltig. Die Menschen hatten wohl etwas länger geschlafen. Jane Kassay hat vor drei Jahren ihr Lokführer-Diplom erworben und steuert die Schwarzach an diesem Morgen. Ehemann Tobias ist als Heizer für die Kohle zuständig.

Auf einer Bank sitzend schaut Wolfgang Möller sich den Betrieb am Bahnhof interessiert an. Der Senior aus Geilenkirchen fühlt sich seit Jahrzehnten zu den historischen Schätzchen hingezogen und hat während seines Arbeitslebens an der Technischen Hochschule in Aachen sogar Ersatzteile für die Selfkantbahn hergestellt. „Ich bin immer wieder gerne hier“, sagt der Senior. An den beiden Feiertagen war neben Schierwaldenrath natürlich auch der Ticketschalter in Gillrath besetzt, so dass Zugreisende auch hier ihre Fahrscheine lösen konnten.

Die Pfingstdampf-Veranstaltung vereint alljährlich die Oldtimer der Schiene und der Straße. Neben den Museumszügen bekamen die Besucher deshalb zusätzlich straßenfeste Oldtimer zu sehen. Viele automobile Schmuckstückchen zogen die Blicke der Besucher auf sich, wobei der Ford T aus dem Jahre 1914 das älteste ausgestellte Fahrzeug gewesen sein dürfte. Besucher, die viel Zeit mitgebracht hatten, konnten noch eine Fahrt mit dem von Hans Frohn gesteuerten „Mühlenexpress“, dem Oldtimer-Bus der West Energie und Verkehr, zu den historischen Mühlen in Breberen und Waldfeucht unternehmen. Auch dieses Angebot wurde gerne genutzt.