Heinsberg: Selbst in einer Sandgrube am sauberen Ton gefeilt

Heinsberg : Selbst in einer Sandgrube am sauberen Ton gefeilt

Unter der Schirmherrschaft des Kreistagsabgeordneten Heinz-Theo Vergossen, zugleich stellvertretender Vorsitzender der Vereinigten Heinsberger Schützenbruderschaften, feiert der Spielmannszug Heinsberg am Wochenende seinen 90. Geburtstag.

Zugleich richtet er das 14. Stadtmusikfest der Spielmannszüge der Kreisstadt aus, zu dem eine Vielzahl von musikalischen Gästen an den insgesamt drei Festtagen erwartet werden.

Die Heinsberger Schützen, in deren Gemeinschaft der Spielmannszug seine Heimat hat, verbindet damit zugleich die Heinsberger Herbstkirmes. Nicht zufällig ist doch der amtierende Schützenkönig Rudi Kistermann zugleich 2. Vorsitzender des Spielmannszuges.

Der runde Geburtstag gibt zudem Anlass, Rückschau auf die Vereinsgeschichte zu halten. Aus der Festschrift zum 600-jährigen Bestehen der Heinsberger Schützen ist zu entnehmen, dass es im Jahre 1912 fünf musikalisch begabte junge Heinsberger waren, zu ihren gehörte Konrad Aretz, Adolf Boshof, Franz Sammer und Johann Wallraven, die sich zusammenfanden, um mit der Gründung eines Trommler- und Pfeiferkorps eine Lücke im gesellschaftlichen Leben der Stadt Heinsberg zu schließen.

Die Instrumente, so weist die Chronik aus, wurden aus eigenen Mitteln und aus Spenden angeschafft. Für die Ausbildung konnten zwei aktiv gediente Militärmusiker mit Namen Gerhard Schwarzmanns und Leonhard Bohnen sowie der Musiker Gerhard Heinrichs gewonnen werden. Dieser wiederum machte sich bei der Beschaffung der Trommeln und Querflöten zusätzlich verdient.

Zu den Probenräumen gehörten ein alter Schuppen an der heutigen Industriestraße im früheren Sägewerk Spiertz, die damalige Gaststätte „Tante Ann” an der Ecke Hochstraße/Schützenstraße oder die Sandgrube der Firma Florack an der Laffelder Straße sowie die alte Ziegelei Hermanns am Waldenrather Weg.

Auch der „Kavitteberg” an der heutigen Kolpingstraße und die an der Weberstraße gelegene Schützenhalle wurden als Probemöglichkeiten genutzt.

Mindestens fünf Märsche galt es zu beherrschen, um einen Aufzug zu „schlagen”. Auf den Feldwegen außerhalb der Stadt wurden die

„Aufmärsche” geprobt. Eine Einladung der Bocketer Schützen im Jahre 1914, dort den Kirmesaufzug zu spielen, war der erste Erfolg, wie die Chronik vermeldet. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges machte der Aufbauarbeit ein Ende.

Im Jahre 1916 formierte sich unter Kaplan Clemens ein neues Trommlerkorps aus Mitgliedern des Jünglingsvereins, das sich „Jugendwehr” nannte, dem aber kein allzu langes Wirken ermöglicht wurde, da auch hier viele Jungen zum Militärdienst einberufen wurden.

1920 beschlossen die Vereinigten Heinsberger Bruderschaften ein eigenes Trommler- und Pfeiferkorps zu bilden und nahmen dazu je fünf Trommler und Flötisten auf. Im gleichen Jahr erfolgte der Auftritt. 1939 brachte der Krieg auch dieses Korps zum Erliegen. Viele der Spielleute starben.

Im Hungerjahr 1947 wagte das Korps einen neuen Anfang. Die Uniform bestand aus weißem Hemd und schwarz eingefärbten Militärhosen. 20 Jahre lang erlebten die Heinsberger „ihr Korps” als treuen Begleiter der Schützen.

Eine weitere Talsohle in der Vereinsgeschichte mussten die Spielleute zu Beginn der 70er Jahre durchschreiten. Das große Heimat- und Schützenfest 1973 brachte auch für das Korps neuen Schwung. Innerhalb weniger Monate wuchs die Zahl der Aktiven von 14 auf 27.

Die Schützen gaben finanzielle Hilfe für die Neuanschaffung von Instrumenten, und 1974 präsentierte sich das Korps in neuen blau-weißen Uniformen.

Willi Lechner übernahm die Führung des Korps, die er 1978 an Heinz Lentzen weitergab. Seit 1980 ist Josef Kleinen, der zeitweise auch Vorsitzender des Korps war, der Mann, der mit dem Tambourstab dem Korps voranschreitet. Willi und Fritz Oidtmann, Heinrich Lentzen und Willi Lechner wurden zu Ehrenkorpsführer ernannt.

Im Jahr seines 90. Geburtstages steht Martin Lentzen als Vorsitzender an der Spitze eines Spielmannszuges, der sich großer Beliebtheit erfreut.

Wann immer es in der City ein Fest zu feiern gibt, sind die Mitglieder des Spielmannszuges zur Stelle. So werden sich an den drei Festtagen viele Freunde und Gäste einfinden, um das Geburtstagskind zu feiern und hochleben zu lassen.